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Autismus, Hochsensibilität und die Intense-World-Theorie

Autismus, Hochsensibilität und die Intense-World-Theorie
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Stell dir vor, du sitzt in einem Raum und hörst nicht nur das Gespräch, sondern auch das Summen der Lampe, das Ticken der Uhr und den Atem deines Gegenübers. Alles dringt gleich laut auf dich ein. Für viele autistische und hochsensible Menschen ist genau das Alltag. Die Intense-World-Theorie liefert dafür eine überraschende Erklärung. Sie sagt, das Problem sei nicht zu wenig Wahrnehmung, sondern zu viel davon. In diesem Artikel erfährst du, was hinter dieser Theorie steckt, was die aktuelle Hirnforschung dazu sagt und was das für dein Leben bedeuten kann.

Vielleicht kennst du das Gefühl, dass die Welt manchmal einfach zu laut ist. Geräusche, Licht, Gerüche und die Stimmungen anderer Menschen treffen dich mit einer Wucht, die andere gar nicht zu bemerken scheinen. Du ziehst dich zurück, nicht weil dir Menschen egal wären, sondern weil du eine Pause vom ständigen Reizgewitter brauchst.

Autismus ist kein Mangel

Lange galt Autismus vor allem als ein Mangel. Die Wissenschaft sprach von fehlender Empathie, von sozialen Defiziten und von einem eingeschränkten Zugang zur Gefühlswelt anderer. Dieses Bild hält sich bis heute hartnäckig. Einem großen Teil autistischer Menschen wird es aber überhaupt nicht gerecht.

Genau hier setzt die Intense-World-Theorie an. Sie dreht die alte Erzählung um. Statt von einem Zuwenig spricht sie von einem Zuviel. Autistische Menschen nehmen demnach nicht weniger wahr, sondern deutlich mehr. Ihre Wahrnehmung, ihre Gefühle und ihr Gedächtnis arbeiten auf Hochtouren.

Lass uns gemeinsam anschauen, wie diese Theorie entstanden ist, was sie über Hochsensibilität verrät und welche neuen Erkenntnisse die Forschung seither hinzugewonnen hat. Am Ende geht es um die wichtigste Frage. Wie kannst du mit einer intensiven Wahrnehmung gesund und sogar gut leben?

Wie ein Vater die Forschung umkrempelte

Henry Markram ist ein renommierter Hirnforscher. An der ETH Lausanne in der Schweiz leitete er das mit rund einer Milliarde Euro ausgestattete Human Brain Project, das das menschliche Gehirn mithilfe von Supercomputern naturgetreu nachbilden sollte. Kaum jemand wusste so viel über die Funktionen des Gehirns wie er. Das Verhalten seines eigenen autistischen Sohnes blieb ihm trotzdem ein Rätsel.

Markram wollte sich mit dem damaligen Stand der Forschung nicht zufriedengeben. Er las jede Studie über Autismus und übersteigerte Sensibilität, die er bekommen konnte. In den neunziger Jahren prägte der Film Rain Man das Bild vom autistischen Genie. Davor hatte man sogar geglaubt, lieblose Mütter seien für autistische Züge ihrer Kinder verantwortlich. Beide Vorstellungen hielt der Forscher für falsch.

Gemeinsam mit seiner Frau Kamila Markram, die ebenfalls in der Forschung tätig ist, begann er selbst zu arbeiten. Aus dieser Zusammenarbeit entstand 2007 die Intense-World-Theorie. Die ersten Veröffentlichungen dazu erschienen in renommierten Fachzeitschriften und lösten eine bis heute andauernde Diskussion aus.

Was die Intense-World-Theorie besagt

Im Kern besagt die Theorie, dass das autistische Gehirn nicht unteraktiv, sondern überaktiv ist. Die Nervenzellen sind besonders stark miteinander vernetzt und reagieren heftiger als gewöhnlich. Markram nennt das Hyper-Reaktivität und Hyper-Plastizität. Vereinfacht gesagt nimmt dieses Gehirn mehr auf, es speichert mehr und es reagiert stärker.

Die Folge ist eine permanente Reizüberflutung. Was für andere ein normaler Sinneseindruck ist, wird für autistische Menschen schnell zu viel. Aus diesem Grund ziehen sich viele autistische Kinder zurück und verbringen ihre Zeit lieber in der eigenen, ruhigen Welt. Dieser Rückzug ist kein Desinteresse. Er ist Selbstschutz vor einem Bombardement aus Eindrücken.

Die vier Achsen der intensiven Welt

Hyper-Wahrnehmung: Sinneseindrücke wie Geräusche, Licht oder Berührungen werden ungefiltert und besonders stark erlebt.

Hyper-Aufmerksamkeit: Der Fokus richtet sich intensiv auf Details, woraus oft ausgeprägte Spezialinteressen entstehen.

Hyper-Gedächtnis: Eindrücke prägen sich fest ein, weshalb Routinen und Vertrautes Sicherheit geben.

Hyper-Emotionalität: Gefühle werden mit großer Wucht erlebt, die eigenen wie die der anderen.

Nicht zu wenig, sondern zu viel Empathie

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis betrifft die Empathie. Markram fiel auf, dass viele autistische Menschen menschliche Nähe sehr wohl mögen. Laut ihren Eltern gelang es ihnen sogar, andere besonders genau zu erfassen. Das passte nicht zum gängigen Bild vom gefühlskalten Autisten.

Diesen Widerspruch erklärt die Theorie elegant. Autistische Menschen empfinden nicht zu wenig, sondern zu viel. Die Gefühle anderer treffen sie so stark, dass sie überwältigend werden. Was von außen wie Distanz wirkt, ist häufig der Versuch, sich vor einer Flut an Emotionen zu schützen. Fachleute sprechen heute von Hyperempathie.

Bei der besonderen Form des Asperger-Autismus zeigen sich soziale Schwierigkeiten und sich wiederholende Verhaltensweisen, jedoch kein Mangel an Denk- oder Sprachvermögen. Manche autistische Menschen können sich in bestimmten Momenten sogar stärker in andere hineinversetzen als ihre Mitmenschen.

Was die Hirnforschung heute weiß

Seit der ersten Veröffentlichung haben zahlreiche Studien das Bild ergänzt. Ein zentraler Befund betrifft das Gleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden Nervenzellen, in der Fachsprache Exzitation und Inhibition genannt. Bei vielen autistischen Menschen ist dieses Gleichgewicht verschoben.

Konkret zeigt sich oft eine verringerte Wirkung des hemmenden Botenstoffs GABA und eine erhöhte Aktivität des erregenden Botenstoffs Glutamat. Vereinfacht heißt das, die Bremse im Gehirn greift schwächer und das Gaspedal drückt stärker. Reize werden dadurch weniger gefiltert und kräftiger verstärkt. Das passt erstaunlich gut zu Markrams ursprünglicher Idee vom überaktiven Gehirn.

Neuere Längsschnittstudien gehen sogar noch weiter. Mit Messungen der Hirnaktivität bei Säuglingen lässt sich dieses Ungleichgewicht schon früh erkennen und mit der späteren Empfindlichkeit gegenüber Reizen in Verbindung bringen. Forschende untersuchen außerdem die Rolle bestimmter Gene und Eiweißstoffe, die für stabile Verbindungen zwischen den Nervenzellen sorgen.

Bemerkenswert ist, dass diese Befunde aus der Molekularbiologie ein altes Alltagsphänomen bestätigen. Viele autistische Menschen ertragen laute Geräusche schlecht und reagieren zurückhaltend auf alles Neue. Genau das schwächere Filtern und das kräftigere Verstärken von Reizen liefert dafür eine handfeste Erklärung. Aus einer rein subjektiven Erfahrung wird so ein messbarer, ernst zu nehmender Vorgang im Gehirn.

Wo die Theorie an ihre Grenzen stößt

So überzeugend die Intense-World-Theorie klingt, unumstritten ist sie nicht. Ein Teil der ursprünglichen Belege stammt aus einem einzigen Tiermodell. Dabei wurden Ratten im Mutterleib dem Epilepsiemittel Valproinsäure ausgesetzt, woraufhin sie sich später ähnlich wie autistische Menschen verhielten. Kritiker geben zu bedenken, dass sich Tierversuche nur begrenzt auf den Menschen übertragen lassen.

Ein weiterer Einwand betrifft die Vielfalt des Spektrums. Autismus zeigt sich bei jedem Menschen anders. Eine einzige Theorie kann dieser Bandbreite kaum vollständig gerecht werden. Manche Fachleute bemängeln zudem, dass die Theorie trotz ihrer Beliebtheit in den Medien bislang wenig streng wissenschaftlich geprüft wurde.

Parallel hat sich ein weiterer Erklärungsansatz etabliert, das sogenannte Vorhersage-Gehirn. Er geht davon aus, dass autistische Gehirne Sinneseindrücke anders mit ihren Erwartungen abgleichen. Beide Ansätze widersprechen sich nicht zwingend. Vielmehr beleuchten sie unterschiedliche Seiten derselben intensiven Wahrnehmung. Wissenschaft lebt von diesem Ringen um die beste Erklärung.

Hochsensibilität und Autismus, verwandt aber nicht gleich

Bemerkenswert ist, dass die Intense-World-Theorie eine Brücke zur Hochsensibilität schlägt. Auch hochsensible Menschen erleben eine permanente Reizüberflutung. Auch sie nehmen feiner wahr, fühlen stärker und brauchen mehr Erholung. Die Grundmechanik ähnelt sich also durchaus.

Dasselbe sind beide trotzdem nicht. Hochsensibilität ist keine Diagnose, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal, das etwa zwanzig Prozent der Menschen betrifft. Autismus umfasst zusätzlich Besonderheiten in der sozialen Kommunikation und ein Bedürfnis nach Wiederholung und Struktur. Die Übergänge können fließend sein und nicht selten treten beide Phänomene gemeinsam auf.

Viele Menschen fragen sich deshalb, ob sie hochsensibel sind, autistische Züge haben oder beides. Diese Frage lässt sich nicht im Vorbeigehen beantworten. Sie verdient Zeit, gute Begleitung und manchmal eine fachliche Abklärung. In der HOCHiX-Akademie findest du kostenlose Tests, die dir eine erste Orientierung geben.

Von der Reizüberflutung zur Stärke

Markram betont einen Punkt besonders deutlich. Seine Daten legen nahe, dass gerade Menschen mit stark ausgeprägten Formen des Autismus zu den begabtesten gehören könnten. Physiologisch sind ihre Nervenzellen außergewöhnlich gut vernetzt. Die entscheidende Frage lautet für ihn nur, wie sich dieses Potenzial entfalten lässt.

Autistische Menschen sind oft hervorragend darin, visuelle Muster zu erkennen und komplexe Systeme zu durchdringen. Diese Fähigkeit wird inzwischen auch in der Wirtschaft geschätzt. Schon 2013 kündigte das Softwareunternehmen SAP an, gezielt autistische Fachkräfte einzustellen. Was lange als Störung galt, erweist sich in der richtigen Umgebung als wertvolles Talent.

Der Schlüssel liet in den Reizen

Der Schlüssel liegt im Umgang mit den Reizen. Eine berechenbare, reizarme Umgebung, ein behutsames Heranführen an Neues und genügend Rückzugsräume können enorm helfen. Es geht nicht darum, die Empfindsamkeit abzutrainieren. Vielmehr geht es darum, ihr einen Rahmen zu geben, in dem sie sich entfalten kann statt zu überfordern.

Genau an diesem Punkt setzt gute Begleitung an. Coaches, die in der HOCHiX-Akademie ausgebildet wurden, helfen neurodivergenten Menschen dabei, ihre eigenen Reizmuster zu verstehen und passende Strategien zu finden. Manchmal reicht schon das Wissen, warum ein voller Supermarkt so anstrengend ist, um den Alltag spürbar zu erleichtern. Aus Selbstvorwürfen wird Selbstfürsorge und aus Überforderung ein bewusster Umgang mit den eigenen Grenzen.

Reflexionsfragen für deine intensive Wahrnehmung

In welchen Situationen kippt deine Wahrnehmung von angenehm intensiv zu überfordernd?

Welche Reize tun dir gut und welche rauben dir Energie?

Welcher Rückzugsort hilft dir, dein Nervensystem wieder zu beruhigen?

Eine neue Sicht, die Druck nimmt

Die Intense-World-Theorie verändert den Blick auf Autismus und Hochsensibilität grundlegend. Sie zeigt, dass hinter dem Rückzug kein Desinteresse steckt, sondern eine Welt, die schlicht zu intensiv geworden ist. Diese neue Sicht nimmt Druck und schenkt Verständnis, sowohl den Betroffenen als auch ihren Familien.

Vielleicht erkennst du dich in manchem wieder. Falls ja, sei sanft mit dir. Deine empfindsame Wahrnehmung ist kein Defekt, der repariert werden muss. Sie ist Teil deiner Art, die Welt zu erleben, mit allen Herausforderungen und allen Gaben, die dazugehören.

Auch Autisten haben die Fähigkeit zur Empathie

Henry Markram fiel bei seinen Studien auf, dass viele Autisten menschliche Nähe mochten und es ihnen laut der Aussagen ihrer Eltern gelang, tiefer in Menschen hineinzuschauen als andere. Der Wissenschaftler wollte sich mit dem Stand der Forschung, der autistischen Kindern die Empathiefähigkeit absprach, nicht zufrieden geben.

Er begann selbst auf dem Gebiet zu arbeiten. Die Theorie seines Kollegen Michael Merzenich schien ihm am plausibelsten und am besten mit seinen eigenen Erkenntnissen zu Sensibilität, Hochsensibilität und Asperger-Autismus vereinbar. Sie ging davon aus, dass ein Ungleichgewicht zwischen beruhigenden und erregenden Nervenzellen das autistische Verhalten auslöste.

Henry Markram und seine Frau Kamila Markram beauftragen ihre Studentin Tania Rinaldi Barkat, ein passendes Tiermodell für ihre Forschung zu suchen. Barkat entdeckte, dass Ratten, die als Embryos mit dem Epilepsiepräparat Valproinsäure behandelt worden waren, sich später ähnlich wie menschliche Autisten verhielten. Mütter, denen in der Schwangerschaft Valproinsäure (VPS) verschrieben wurde und die es eingenommen hatten, hatten zudem ein sieben Mal höheres Risiko, ein autistischen Kind zu gebären.

Die Forscher untersuchten die Erregbarkeit der Nervenzellen bei den Ratten und stellten fest, dass die VPS-Zellen doppelt so heftig reagierten wie normale Zellen. Zudem waren sie besonders stark miteinander verknüpft. Das hatte gravierende Auswirkungen. Die Ratten fürchteten sich schneller und lernten schneller, wovor sie Angst entwickeln sollten. Eine entschärfte Situation als gefahrlos zu erkennen, brauchte bei ihnen ebenfalls überdurchschnittlich lang. Die VPS-Ratten waren extrem auf Angst konditioniert. Die Markrams verstanden:

Die Hyperaktivität der Hirnfelder für Wahrnehmung, Emotionen und Gedächtnis konnte die Talente, Handicaps und Hochsensibilität von Autisten erklären. Sie wussten aus ihren Erfahrungen, dass viele autistische Menschen laute Geräusche nicht ertrugen und eine Scheu vor Neuem zeigten.

Das Intense-World-Syndrom bekam eine praktische Bedeutung. Die Markrams verstanden:

Die sozialen Schwierigkeiten von Autisten waren eine Folge von Überforderung und nicht von neuronalen Defekten.

Soziale Defizite müssen kein fester Bestandteil von Autismus sein

Autistische Kinder ziehen sich oft von dieser Überforderung zurück und verpassen dabei mitunter die sensitive Phase ihrer Entwicklung. In dieser Zeit ist das Hirn besonders empfänglich für äußere Einflüsse und passt sich an diese an. Der Rückzug in dieser Phase kann sich auf den Rest des Lebens auswirken.

Wichtige Reize und Impulse können nicht verarbeitet werden, weil autistische Kinder dazu neigen, vor der schmerzenden Reizüberflutung zu flüchten und in ihrer „Blase“ zu verschwinden. Das Forscherpaar Markram folgerte, dass soziale Probleme kein fester Bestandteil des Verhaltens von autistischen Kindern sein müssen.

Eine Reduktion der überfordernden Reize und ein frühes Gegensteuern könnten die Folgen für autistische Kinder mildern oder sogar vermeiden. Die erste Publikation zur Intense-World-Theorie erschien 2007 in dem renommierten Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences.

Seither bestätigten rund drei Dutzend Studien die Versuche von Henry und Kamila Markram und erweiterten den Kenntnisstand. Vor allem Professor Laurent Mottron von der Universität Montreal stützt die Intense-World-Theorie und ist überzeugt von den im Zusammenhang stehenden Forschungsergebnissen seiner Kollegen.

Autisten verfügen in bestimmten Bereichen über außergewöhnliche Fähigkeiten

Sie sind besonders gut beim Erkennen von visuellen Mustern und beim Bearbeiten von komplexen Systemen. Das wird heute sogar von der Wirtschaft anerkannt. 2013 gab das Softwareunternehmen SAP aus Deutschland bekannt, es wolle 650 Autisten einstellen. Die Intense-World-Theorie erklärt für viele Betroffene die Besonderheiten des Phänomens besser als bisherige Theorien.

Die Wahrnehmungsprobleme wurden nach langen Bemühungen von Betroffenen auch in die heutige Version des Psychiatriehandbuchs DSM-5 in die Diagnose aufgenommen.

Autismus ist biologisch gesehen nicht bei jedem gleich

„Es ist keine geistige Behinderung und wenn autistische Menschen lernen könnten, das sie umgebende Reizgewitter in jungen Jahren zu filtern, würden sie zu den begabtesten Menschen zählen“, sind Henry Markram und seine Frau Kamila überzeugt.

Henry Markram betont: Seine Daten belegen, dass Menschen mit stark ausgeprägten Formen des Autismus eigentlich am begabtesten seien.

Physiologisch betrachtet sind die Nervenzellen in den Gehirnen dieser Menschen besonders gut vernetzt. Die Frage ist laut Henry Markram nur: „Wie setzt man dieses Potenzial frei?“

Die Markrams untersuchen zurzeit, ob eine berechenbare und reizarme Umgebung helfen kann, die sozialen Schwierigkeiten der VPS-Ratten zu minimieren und ihre Lernfähigkeit zu steigern.

Neuere Forschungen ergeben, dass Autismus und Hochsensibilität schon im Alter von zwei Monaten bei Babys diagnostiziert werden können. Das erweitert die Behandlungsmöglichkeiten um ein Vielfaches und die ersten Daten sehen laut Kamila Markram vielversprechend aus.

Eine klar strukturierte Einführung neuer Dinge scheint für die Ratten vorteilhaft zu sein und ihre Lernfähigkeit zu stärken.

Bisher stützen alle neue Studien die Intense-World-Theorie des Forscherpaars Markram. Das Bild von Autisten in der Wissenschaft und Gesellschaft sollte gründlich überdacht werden und mehr Wissenschaftler der Frage nachgehen, wie wir in unserem modernen Leben überhaupt mit der ungeheuren Flut an Daten umgehen können.

Das bessere Verständnis von Asperger-Autismus, Hochsensibilität oder einer übersteigerten Sensibilität kann betroffenen Familien helfen, die Herausforderung mit ihren autistischen Kindern zu meistern.

Du nimmst die Welt vielleicht lauter, greller und intensiver wahr als andere. Das macht dich nicht schwächer, sondern reicher an Eindrücken. Sorge gut für dein Nervensystem, gönn dir Pausen und gestalte dir eine Umgebung, die dich nicht überflutet. Wenn du lernst, mit deiner Intensität umzugehen, wird aus der vermeintlichen Last eine echte Stärke.

Die Symptome der Beeinträchtigung können gemildert werden oder sogar verschwinden. Mit dem Erwachsenwerden wird vielen autistischen Menschen ihr von der Masse der Leute abweichendes Denken, Sehen und Fühlen bewusst und sie können mit der notwendigen Hilfe und einem gesteigerten Verständnis ihrer Umwelt gegensteuern.

Herzlichst
Anne

 

Quellen

Markram, H., Rinaldi, T., Markram, K., 2007, The Intense World Syndrome. An Alternative Hypothesis for Autism, Frontiers in Neuroscience.

Markram, K., Markram, H., 2010, The Intense World Theory. A Unifying Theory of the Neurobiology of Autism, Frontiers in Human Neuroscience.

Sohal, V. S., Rubenstein, J. L. R., 2019, Excitation-Inhibition Balance as a Framework for Investigating Mechanisms in Neuropsychiatric Disorders, Molecular Psychiatry.

Pellicano, E., Burr, D., 2012, When the World Becomes too Real. A Bayesian Explanation of Autistic Perception, Trends in Cognitive Sciences.

HOCHiX Akademie, o. J., Autismus, Hochsensibilität und die Intense-World-Theorie, www.hochix.com.

Lies dazu auch diese Artikel über Asperger, Autismus und die HOCHiX Themen:

Kommentare

2 Kommentare

  1. Ja würde mich noch mehr interessieren da ich mir oft die Frage stellen..bin ich Hochsensibel oder habe ich auch autistische Züge??? Ich kenne diese permanente Reizüberflutung ..am liebsten bin ich in der Natur da komme ich absolut zur Ruhe und habe alle diese Probleme nicht!??? ……ich bin auch lieber in kleinen Gruppen oder zu zweit oder sogar alleine..aber ohne Kontakt mit anderen ist nicht gut ich kann mich sehr sehr gut in andere einfühlen spüre sehr viel weiss jedoch oft nicht wie mit diesem Wissen umgehen da es ja eigentlich nicht gewünscht ist.. meistens???? Herzliche Grüsse R

    1. Mir geht es da genau wie dir. Weißt du, wo man einen zuverlaessigen Test machen kann? Frage mich auch, ob ich beides bin Asperger und HSP. Wuensche mir Ansprechpartner und mehr Forschung diesbezueglich.

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