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Essentials: Neurodivergenz
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Autoren
Anne Heintze
Harald Heintze
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Der einzige Ort, an dem Neurodivergenz nicht erklärt werden muss – hier wird sie gefeiert, verstanden und zur Quelle deiner größten Stärke gemacht. Für alle Menschen, die anders besonders sind.
Schütze dich vor toxischen Menschen
Vielleicht kennst du das Gefühl, dass dich ein bestimmter Mensch jedes Mal kleiner zurücklässt, als du vorher warst. Du suchst die Schuld bei dir, du erklärst, du gibst nach. Trotzdem wird es nicht besser. Vielleicht ist es nicht dein Verhalten, das das Problem ist, sondern das Verhalten eines toxischen Menschen. Dieser Artikel hilft dir, Toxizität zu erkennen, ihre Mechanismen zu verstehen und dich Schritt für Schritt zu schützen.
Toxische Menschen und toxische Beziehungen, diesen Begriffen begegnest du heute überall. Sie klingen drastisch und genau das sind sie auch. Toxisch bedeutet giftig. Ein toxischer Mensch wirkt auf dich wie ein leises Gift, das sich langsam ausbreitet. Erst leichte Verstimmung, dann Selbstzweifel, später Erschöpfung. Häufig dauert es Jahre, bis du erkennst, dass das, was dich krank macht, nicht in dir selbst liegt, sondern in der Beziehung zu einer bestimmten Person.
Besonders hochsensible Menschen leiden unter diesem stillen Einfluss. Ihre Wahrnehmung ist fein, ihr Mitgefühl groß, ihre Stresstoleranz oft geringer als bei normalsensiblen Menschen und sie spüren früh, dass etwas nicht stimmt, schreiben es aber meist sich selbst zu. Genau dort entsteht die Falle.
In diesem Artikel erfährst du, wie toxisches Verhalten aussieht, warum gerade neurodivergente und hochsensible Menschen besonders gefährdet sind und welche konkreten Schritte dich wirksam schützen. Du erhältst keine Patentlösung, dafür aber eine Landkarte. Damit du sehen kannst, wo du gerade stehst und welcher Weg dich heraus aus dem Einfluss eines toxischen Menschen führt.
Was toxisches Verhalten wirklich bedeutet
Toxizität ist keine Diagnose, sondern eine Beschreibung. Sie bezeichnet ein dauerhaftes Muster aus Worten, Handlungen und Haltungen, das deine seelische und körperliche Gesundheit untergräbt. Es ist also weniger eine einzelne böse Tat, sondern ein wiederkehrender Stil im Umgang mit anderen Menschen.
Ein toxischer Mensch erkennt sich selten als solcher. Er sieht sich oft als Opfer der Umstände, der anderen oder von dir. Das macht das Erkennen für dich so schwer. Während du leidest, hörst du, dass du übertreibst, zu empfindlich seist oder ihn missverstehen würdest. Genau diese Umkehrung ist Teil des Musters.
Ein wichtiger Hinweis vorab: Jeder Mensch hat schlechte Tage und verletzt andere manchmal unfreiwillig. Das macht ihn nicht toxisch. Entscheidend ist die Dauerhaftigkeit. Tritt das verletzende Verhalten immer wieder auf, ohne Einsicht und ohne Veränderung, dann hast du es mit einer toxischen Dynamik zu tun.
Manipulation, der stille Eingriff in deine Wirklichkeit
Manipulation ist das Werkzeug, mit dem toxische Menschen am wirkungsvollsten arbeiten. Sie verändern, wie du die Welt und dich selbst wahrnimmst. Das geschieht selten plump, sondern in vielen kleinen Schritten. Ein Halbsatz hier, ein zweifelnder Blick dort, eine Erinnerung, die plötzlich anders erzählt wird.
Eine häufige Form ist das sogenannte Gaslighting. Du erinnerst dich an ein Gespräch, eine Zusage oder einen Vorfall, dein Gegenüber bestreitet ihn vollständig oder dreht den Sachverhalt um. Wenn du das immer wieder erlebst, fängst du an, an deinem eigenen Gedächtnis und Verstand zu zweifeln.
Ebenso verbreitet ist das Schlechtmachen hinter deinem Rücken. Während dir gegenüber alles freundlich wirkt, hörst du irgendwann von Dritten, dass über dich Unwahrheiten verbreitet wurden. Die Wirkung ist heftig: Dein soziales Umfeld wendet sich ab und du verstehst nicht, warum.
Wenn du nach Gesprächen mit einer bestimmten Person regelmäßig verwirrt, kleiner oder schuldig zurückbleibst, lohnt sich ein zweiter Blick auf die Dynamik zwischen euch.
Wie toxische Menschen deinen Selbstwert untergraben
Dein Selbstwertgefühl ist eines der zentralen Fundamente deines Lebens. Es entscheidet darüber, ob du dir Aufgaben zutraust, ob du Nähe zulassen kannst und ob du dich gegen Unrecht stellst. Genau dieses Fundament greifen toxische Menschen mit Vorliebe an, denn ein verunsicherter Mensch ist leichter zu beeinflussen.
Bei hochsensiblen Menschen ist das Selbstwertgefühl oft ohnehin verletzlicher. Sie spüren Kritik intensiver, hadern länger mit kleinen Fehlern und brauchen mehr Zeit, um sich nach harten Worten innerlich zu sortieren. Diese feine Resonanz wird von toxischen Personen gezielt genutzt.
Beobachte dein Umfeld einmal mit wachem Blick. Vielleicht kennst du jemanden, der vor einer bestimmten Beziehung selbstbewusst und lebendig wirkte und heute zurückhaltend und verunsichert ist. Häufig steckt dahinter ein toxisches Gegenüber, das durch übersteigerte Erwartungen, Abwertung und Schuldzuweisungen Stück für Stück die innere Stabilität ausgehöhlt hat.
Eifersucht und Kontrolle, die enge Form der Bindung
Eifersucht klingt zunächst nach Liebe. Sie kann jedoch in eine Form kippen, die mit Zuneigung nichts mehr zu tun hat. Krankhafte Eifersucht ist Ausdruck eines starken Misstrauens und einer großen Angst vor Kontrollverlust. Sie macht das Leben des Gegenübers schnell zur Hölle.
Typische Begleiterscheinungen sind das heimliche Lesen von Nachrichten, ständige Standortkontrolle, ausgedehntes Befragen nach Treffen oder das schleichende Abschneiden von Freundschaften. Ein harmloser Blick, ein freundlicher Wortwechsel an der Kasse, eine Erinnerung an alte Freunde reichen aus, um Vorwürfe oder Szenen auszulösen.
Diese Dynamik ist nicht nur emotional belastend. Sie verändert dich auch im Alltag, weil du anfängst, dein Verhalten an den Reaktionen deines Gegenübers auszurichten. Du kontrollierst, was du erzählst, mit wem du sprichst, wie du dich kleidest. Was nach Rücksichtnahme aussieht, ist in Wahrheit eine schleichende Selbstaufgabe.
Schweigen als Strafe, Schuld als Werkzeug
Toxische Menschen sind Meister im Erzeugen von Schuldgefühlen. Sie wissen genau, an welchen Stellen du verletzlich bist und setzen dort an. Du fühlst dich verantwortlich für ihr Wohlbefinden, ihre Stimmung, ihren Erfolg. Eigene Bedürfnisse rutschen in den Hintergrund.
Eine besonders schmerzhafte Form von Strafe ist das Schweigen. Wer dich mit Nichtbeachtung straft, trifft einen sehr alten Punkt in dir. Menschen sind soziale Wesen. Ausschluss aktiviert in deinem Gehirn dieselben Areale wie körperlicher Schmerz. Das ist messbar belegt und keine Empfindlichkeit deinerseits.
Während du leidest, scheint dein Gegenüber unbeeindruckt. Toxische Menschen wirken oft erstaunlich frei von Schuldgefühlen, was ihre Wirkung zusätzlich verstärkt. Du wirst weich, sie bleiben hart und auf Dauer entsteht ein Ungleichgewicht, das dich auslaugt.
Streit, Sturheit und ständige Grenzüberschreitungen
Ein weiteres Kennzeichen toxischer Menschen ist ihre Sturheit. Selten räumen sie einen Fehler ein, selten zeigen sie Bereitschaft, etwas an sich selbst zu verändern. Wenn du sie auf ihr Verhalten ansprichst, drehen sie den Spieß oft sofort um und du sitzt am Ende auf der Anklagebank.
Manche scheinen das Drama geradezu zu suchen. Sie zetteln Streit an, wo kein Anlass besteht und ziehen daraus eine eigene Form von Spannung oder Befriedigung. Im Hintergrund liegt nicht selten eine starke Unzufriedenheit mit sich selbst, die sie nach außen abladen.
Hinzu kommt die Übergriffigkeit. Toxische Menschen überschreiten Grenzen. Sie rühren an wunden Punkten, sie mischen sich ungefragt ein, sie behandeln dein Leben, als wäre es ihres. Ein klassisches Beispiel ist die übergriffige Schwiegermutter, die in die Erziehung der Enkel hineinregiert, oder der Kollege, der private Themen vor Publikum aufmacht.
Warum hochsensible und neurodivergente Menschen besonders gefährdet sind
Hochsensible, hochbegabte, vielbegabte und neurodivergente Menschen tragen ein besonderes Risiko, in toxische Dynamiken zu geraten. Ihre große Empathie macht sie für andere zu wertvollen Gesprächspartnern. Ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wird leicht ausgenutzt. Ihre Tendenz, Verhalten zu erklären statt zu verurteilen, hilft toxischen Personen, ihre Muster lange zu kaschieren.
Viele neurodivergente Menschen sind in ihrer Kindheit zudem mit der Botschaft aufgewachsen, sie seien zu viel oder zu wenig. Zu laut, zu leise, zu schnell, zu detailverliebt, zu emotional. Diese alten Sätze hallen nach. Wenn ein toxischer Mensch heute behauptet, du seist das Problem, klingt das in dir vertraut. Es passt zu dem, was du über dich gelernt hast, auch wenn es nie gestimmt hat.
Hinzu kommt das sogenannte Masking, das viele neurodivergente Menschen kennen. Du hast früh gelernt, dich anzupassen, deine Reaktionen zu glätten, dein Tempo zu drosseln. Genau diese Kompetenz hindert dich daran, deine eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen. Wenn dein Inneres Alarm schlägt, ignorierst du es, weil du gelernt hast, dass deine Empfindungen nicht zählen.
Verstehen kommt vor Schützen. Erst wenn du deine eigene Wahrnehmung als zuverlässig anerkennst, kannst du toxische Muster im Außen klar benennen und dich von ihnen lösen.
Reflexion: Bist du in einer toxischen Dynamik?Nimm dir einen ruhigen Moment und beantworte diese Fragen ehrlich für dich: ● Fühlst du dich nach Begegnungen mit dieser Person regelmäßig erschöpft, verunsichert oder klein? ● Hast du häufig das Gefühl, dich rechtfertigen zu müssen, ohne wirklich etwas falsch gemacht zu haben? ● Ziehst du dich zunehmend von anderen Menschen oder eigenen Interessen zurück, weil es Konflikte erspart? ● Übernimmst du Verantwortung für die Gefühle und Reaktionen dieser Person, statt für deine eigenen? ● Hast du in dieser Beziehung körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Magenbeschwerden oder Spannungskopfschmerzen entwickelt? Mehrere Ja-Antworten sind ein wichtiges Signal. Sie sind kein Urteil über den anderen, aber ein deutliches Zeichen, dass du dir Schutz und Unterstützung verdienst. |
Schritt 1: Eine feste innere Haltung entwickeln
Bevor du im Außen etwas änderst, brauchst du innen eine klare Position. Solange du selbst noch hin und her schwankst, hat ein toxischer Mensch leichtes Spiel, dich zurück in die alte Dynamik zu ziehen. Beginne damit, dir bewusst zu machen: Du bist erwachsen, du bist verantwortlich für dein Leben und du hast jedes Recht, dich zu schützen.
Eine feste Haltung zeigt sich auch im Körper. Wenn du aufrecht stehst, deine Schultern senkst und ruhig atmest, wirkt das nicht nur nach außen. Es verändert tatsächlich deine innere Stimmung. Polyvagale Forschung zeigt, dass eine ruhige Atmung und ein stabiler Stand deinem Nervensystem signalisieren: Ich bin sicher. Erst dann kann dein Verstand klar arbeiten.
Wiederhole dir innerlich einen klaren Satz, der dich erdet. Zum Beispiel: Ich halte die Zügel meines Lebens in der Hand. Solche Sätze sind keine Esoterik, sondern ein Anker. Sie helfen dir, in schwierigen Momenten nicht in alte Muster zu rutschen.
Schritt 2: Klare Grenzen für dich definieren
Bevor du Grenzen kommunizierst, musst du sie für dich selbst kennen. Setze dich an einen ruhigen Ort und schreibe auf, was dir guttut und was nicht. Wo überschreitet die andere Person deine Grenzen? Wo verletzt sie dich oder Menschen, für die du Verantwortung trägst, zum Beispiel deine Kinder? An welchen Punkten möchtest du künftig nicht mehr nachgeben?
Ein Beispiel: Die Schwiegermutter taucht regelmäßig unangemeldet auf und mischt sich in die Erziehung deiner Kinder ein. Hier sind zwei Grenzen sinnvoll. Erstens: Besuche finden nur noch nach vorheriger Absprache statt. Zweitens: Die Erziehung der Kinder liegt allein bei den Eltern, Einmischungen werden nicht mehr akzeptiert.
Grenzen, die du schriftlich formuliert hast, sind im Gespräch leichter abrufbar. Sie sind auch leichter zu verteidigen, weil du sie für dich selbst geprüft hast. Eine Grenze, an die du selbst glaubst, hat eine ganz andere Wirkung als eine, die du in einem hitzigen Moment improvisierst.
Schritt 3: Glasklar und ruhig kommunizieren
Das Geheimnis wirksamer Grenzen liegt in einer unmissverständlichen Kommunikation. Sie ist sachlich, ruhig und ohne Konjunktiv. Worte wie „vielleicht“, „eventuell“ oder „könntest du nicht“ weichen deine Botschaft auf. Sage stattdessen klar, was du möchtest und was nicht.
Verabrede für das Gespräch einen Termin. Wähle einen Ort, an dem du dich sicher fühlst. Nimm bei Bedarf eine vertrauensvolle Person mit, einen Partner, eine gute Freundin oder eine neutrale Begleitung. Diese Person spricht nicht für dich. Sie ist Zeuge und stille Stütze.
Bringe dein Anliegen mit erhobenem Haupt und fester Stimme vor. Bleibe höflich, gerade wenn es um Kollegen, Nachbarn oder Familienmitglieder geht, mit denen du langfristig zu tun hast. Rechne damit, dass dein Gegenüber zunächst nicht einsichtig reagiert. Dramen, Vorwürfe, Tränen, Drohungen sind häufige Reaktionen. Verlasse zur Not den Raum, statt dich in eine endlose Diskussion ziehen zu lassen.
Schritt 4: Standhaft bleiben, wenn der Gegenwind kommt
Nachdem die Grenze gezogen ist, beginnt die eigentliche Arbeit. Ein toxischer Mensch wird deine neue Haltung zunächst für einen Bluff halten. Er testet, ob du es wirklich ernst meinst. Genau dieser Moment entscheidet, ob deine Grenze in Zukunft hält.
Bleibt unsere Schwiegermutter aus dem Beispiel beim Thema, wird sie wieder unangemeldet vor der Tür stehen. Statt sie wie immer hereinzubitten, wäre jetzt die passende Antwort, sie freundlich, aber bestimmt an die getroffene Vereinbarung zu erinnern und ihr zu erklären, dass der Besuch gerade nicht passt.
Mach dir in solchen Momenten klar: Das Problem bist nicht du. Das destruktive Verhalten ist nicht deine Schuld und richtet sich oft auch gar nicht persönlich gegen dich. Vermutlich übt die toxische Person ihre Muster an allen Menschen aus, die es zulassen.
Kannst du der Person aus dem Weg gehen, dann tu es, auch wenn das bedeutet, eine alte Freundschaft loszulassen oder aus einer Wohngemeinschaft auszuziehen. Geht es um Familie oder berufliches Umfeld, nutze die vier Schritte konsequent, um der Person die Macht über dein Leben zu nehmen.
Wenn die Eskalation nach deiner Abgrenzung erst richtig beginnt
Viele Menschen erleben etwas, das in keinem schnellen Ratgeber steht. Sobald sie beginnen, sich aus einer toxischen Dynamik zu lösen, wird es zunächst noch heftiger. Vorwürfe werden lauter, Schuldgefühle werden mit Nachdruck inszeniert, manchmal werden Dritte gegen dich eingespannt. Das ist nicht dein Versagen, sondern ein bekanntes Muster.
Die Psychologie nennt das Homöostase. Jedes System versucht, sein bisheriges Gleichgewicht wiederherzustellen, auch wenn dieses Gleichgewicht krankmachend war. Solange du dich angepasst hast, war alles in seiner gewohnten Ordnung. Wenn du heraustrittst, gerät diese Ordnung ins Wanken und das Gegenüber kämpft um die alte Position.
Rechne also mit einer Phase, in der es nicht leichter, sondern härter wird. Sie ist Teil des Weges. Wenn du sie durchstehst, ohne in alte Muster zurückzukehren, verändert sich die Dynamik dauerhaft. Hilfreich ist in dieser Phase: ein klares Tagebuch, in dem du deine Beobachtungen notierst, ein vertrauter Mensch, mit dem du nachbesprechen kannst, und ein klarer Plan, was du beim nächsten Übergriff sagst.
Wenn Verstand und Gefühl nicht im gleichen Tempo laufen
Auch wenn dein Verstand längst weiß, dass die Abgrenzung richtig war, ist dein Gefühl oft noch lange in der alten Loyalität. Du hast schlechtes Gewissen, du vermisst Momente, du fragst dich, ob du zu hart warst. Das ist nicht Schwäche, sondern Nervensystem.
Dein Körper hat über Jahre gelernt, sich auf diese Person einzustellen. Diese gespeicherten Muster lösen sich nicht innerhalb weniger Tage. Sie brauchen Zeit, Wiederholung und Sicherheit, um sich umzuschreiben. Wenn du in dieser Phase milde mit dir bleibst, statt das schlechte Gewissen zu bekämpfen, beruhigt sich dein System schneller.
Besonders schwierig wird es, wenn die toxische Bezugsperson ein Elternteil ist. Das kindliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit endet nie. Selbst Erwachsene mit klarer Erkenntnis spüren noch Jahrzehnte später Zweifel. Diese Zweifel sind kein Hinweis darauf, dass du falsch entschieden hast. Sie sind Spuren einer alten Bindung, die Zeit braucht, um zu heilen.
Wenn die toxische Person dein Partner ist
Besonders heikel wird die Lage, wenn du deinen Partner oder deine Partnerin als toxischen Menschen erkennst. Hier vermischen sich Liebe, gemeinsame Geschichte, vielleicht Kinder, finanzielle Verflechtungen und Zukunftsträume. Eine schnelle Lösung gibt es selten. Es gibt aber klare Leitplanken.
Wenn Gespräche, Vereinbarungen und Therapieversuche über längere Zeit nichts verändern, brauchst du eine ehrliche Bestandsaufnahme. Deine seelische und körperliche Gesundheit hat Vorrang. Eine Beziehung, die dich systematisch krank macht, ist keine Beziehung mehr, sondern ein Überlebensraum.
Hol dir in dieser Phase professionelle Unterstützung. Ein Coach, eine Psychologin oder ein Therapeut hilft dir, klar zu sehen, was wirklich vorgeht. Bei Verdacht auf körperliche oder schwere psychische Gewalt sind Frauen- oder Männerberatungsstellen die erste Adresse. Du musst diesen Weg nicht allein gehen und du musst ihn auch nicht in einer Nacht entscheiden.
Du bist nicht das Problem
Toxische Menschen wirken stark, weil sie es schaffen, ihre Last anderen aufzubürden. Wenn du beginnst, diese Last nicht mehr zu tragen, fühlt sich das anfangs an, als würdest du etwas Falsches tun. In Wahrheit gibst du etwas zurück, das nie deins war.
Du bist nicht zuständig für das Verhalten anderer Erwachsener. Du bist nicht verpflichtet, dich kleiner zu machen, damit jemand anders sich groß fühlen kann. Du bist nicht verantwortlich für die Gefühle eines Menschen, der dich systematisch verletzt. Diese Sätze klingen hart und sind doch befreiend, sobald du sie wirklich annimmst.
Bleib dir treu. Lass dich nicht wieder unterbuttern. Du kannst es schaffen, toxischen Menschen keinen Platz mehr in deinem Leben zu geben oder ihren Einfluss zumindest auf ein Maß zu reduzieren, das deine Gesundheit nicht mehr gefährdet.
Das Wichtigste in einem Satz
Toxische Menschen erkennst du an einem dauerhaften Muster aus Manipulation, Selbstwertangriffen und Grenzüberschreitungen. Du schützt dich, indem du deine Wahrnehmung ernst nimmst, klare Grenzen formulierst und sie standhaft verteidigst. Auch wenn der Weg zunächst anstrengend ist, am Ende steht ein Leben, in dem du wieder atmen kannst.
Ich hoffe, ich habe das Geschenk deiner Zeit verdient.
Herzlichst
Anne
Quellen
Stout, M. (2006). Der Soziopath von nebenan. Die skrupellosen gegen den Rest von uns. Springer.
Aron, E. N. (2017). Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen. mvg Verlag.
Forward, S. (2002). Vergiftete Kindheit. Eltern als Täter und die lebenslangen Folgen. Goldmann.
Porges, S. W. (2010). Die Polyvagal-Theorie. Neurophysiologische Grundlagen der Therapie. Junfermann.
Eisenberger, N. I. (2012). The pain of social disconnection. Nature Reviews Neuroscience, 13(6), 421 bis 434.
Heintze, A. (2024). HOCHiX Akademie für Hochsensibilität, Hoch- und Vielbegabung. https://hochix.com









16 Kommentare
seit meiner Kindheit bin ich in meiner Familie mit toxischen Menschen umgeben. Die Liebe zu Büchern , zur Natur und zwei Hände voll Freunde haben es mir ermöglicht, dass ich auf dem 3 Bildungsweg zwei erfolgreiche Hochschulabschlüsse machen konnte. Dennoch
gehe ich in die Altersarmut, obwohl ich Berufsabschluss und Studien erfolgreich abgeschlossen habe .Auch nach nach Jahrzehnten leben Beleidigungen aus lange zurückliegenden Zeiten in mir weiter. Das einzige was mir helfen kann, ist eine erfolgreiche berufliche Sozialisation.
Auch ich habe einen toxischen Menschen kennengelernt. Es fing alles sehr lieb, nett und harmonisch an. Das aber nur für kurze Zeit.
Dann habe ich bemerkt, dass irgendetwas mit Ihr nicht stimmt.
Ich wunderte mich über einige unschöne Merkmale, die sich bei Ihr breit machten.
Sie hat ein ausgeprägtes Schwarz Weiß Denken.
Übte eine enorme Selbstkritik (Ich bin eine kalte bitch, eine Hexe, bin ohne Herz, halb Roboter halb Mensch usw.)
Ich habe noch nie eine Frau kennengelernt, die so etwas von sich selbst behauptet hat.
Es hat sich gezeigt, dass Sie sich nicht in andere Menschen hineinversetzen kann.
Wünsche, Probleme, Sorgen anderer sind uninteressant.
Sie ist manipulativ und versteht es genau immer wieder erneut zu verletzen.
Sensibilität Fehlanzeige.
1 Jahr Lebenszeit verschenkt. Es war ein Jahr mit anfangs schönen Momenten, abgelöst von emotionalen Grausamkeiten, wieder Annäherung für einen kurzen Moment, dann kam wieder nur Leid.
Ich wusste, dass das kein normales Verhalten sein kann, dachte ich könnte ihr helfen, sprach vorsichtig von Therapie.
Ihr ganzes Leben ist eine Achterbahnfahrt.
Es hat nichts genützt.
Am Ende musste ich einsehen, dass man solchen Menschen nicht helfen kann.
Sie können, wenn überhaupt, sich nur selbst helfen.
Ich musste erkennen und einsehen, dass Sie Leid über mich gebracht hat. Mein Körper hat mir Signale gesendet, dass der damit verbundene Stress mir nicht gut tut.
Daher habe ich für mich die Notbremse gezogen.
Hier passt das Sprichwort:
Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
Ich bin jemand, der eine Beziehung auf Augenhöhe führen möchte. Liebe, Vertrauen, Harmonie, Geborgenheit sind für mich wichtig und ein sehr hohes Gut und ist die Basis jeder guten Beziehung.
Wenn sich zeigt, dass das offenbar für manche Menschen Fremdwörter sind, dann kann und muss man jede Hoffnung aufgeben und realisieren, dass so etwas keine Zukunft hat.
Sie wird höchstwahrscheinlich so weiter machen.
Ihr Glück wird Sie so nicht finden, aber vielleicht will Sie das auch gar nicht.
Ich habe jetzt sämtliche Literatur von „ emotionalen instabilen Persönlichkeitsstörungen „ und toxischen Menschen durch.
Ich könnte hier noch so vieles mehr schreiben, würde aber den Rahmen sprengen.
Mir reichts.
Vielen, vielen Dank für diesen Beitrag.
Daher war es mir wichtig, auch für alle anderen Betroffenen, hier meinen kleinen Erfahrungsbericht zu veröffentlichen.
Passt alle gut auf euch auf.
Vielen Dank Lorenz für deinen Kommentar. Kann ich voll u ganz nachfühlen u bestätigen. Vor allem brauch man eine Weile um wieder zu sich zu finden. Ich habe es so gut es geht erreicht durch Kontakt mit Tieren ( Bauernhöfe) u viele Spaziergänge in der Natur. Ulkigerweise habe ich, wenn ich auf Menschen begegnete, stets freundliche getroffen. Auch das hat mir gewisse Stärke gegeben. Abends bin ich dann stets selig eingeschlafen. So praktiziere ich es weiterhin u fahre so oft es geht ins Umland um mich dann auch wieder auf mein Zuhause zu freuen. Von Stund an gehörte es zu meinem Alltag in meiner freien Zeit.
Hinzu kommt das ich schon immer auch so einige Hobbys hatte u von daher stets versuche es mir gut gehen zu lassen. Leider hat er sich nie für meine Hobbys interessiert. Und ich habe gedacht , na gut , bestimmt weil er davon nichts versteht ich habe viel verwechselt u vieles konnte ich mir so in der Art nicht im geringsten vorstellen dass es so eine Art von Menschen gibt. ( auch Literatur gab mir wieder Zuversicht. Sowie Gespräche mit Betroffene. Ich glaube, man kommt nicht umhin ! ) nun wünsche ich Dir , lieber Lorenz , von ganzem Herzen viel Kraft u Stärke, Hoffnung u Mut. Toi Toi Toi . Bis dahin – L G Ilona
Danke für diesen Artikel! Nun weiß ich, wie man das nennt. Ich “leide” seit Jahren an dem toxischen Verhalten meiner Schwiegereltern und bin inzwischen so verzweifelt, dass ich manchmal über die Trennung nachdenke(!). Auch meine Partnerin ist am Ende mir ihrer Latein, die Gespräche mit Eltern bringen nichts. Das absurdeste in diese Situation ist, dass wir beide nicht wissen, was auf einmal los ist. Auf einmal ignorieren sie mich total, begrüßen mich nicht und verlassen demonstrativ das Zimmer, wenn ich es betrete. Mein Gesprächsangebot nahmen sie als Angriff wahr. etc. Nach jeder Feier muss ich total heulen, weil ich mich „emotional vergewaltigt“ fühle. Nun machten wir gestern aus (meine Partnerin und ich) dass ihre Eltern mir nicht mehr begegnen werden. Das heißt, machmal werde sie nicht eingeladen und manchmal nehme ich an einer gemeinsamen Aktivität nicht teil. Es ist eine Kompromisslösung, weil da fühle ich mich einfach ausgeschlossen. Ich drehe mich immer noch in Gedanken im Kreis: was habe ich denn getan???
Ich denke viele fühlen sich mit diesem Artikel angesprochen und zweifeln an sich! Frage dich nicht was du falsch getan hast, du wirst nie eine zufriedenstellende Antwort finden! Du hast steht’s dein bestes getan, doch dass reicht ihnen nicht! Dass hat aber nichts mit dir als Person zutun!
Liebe Anne,
Vielen Dank für diesen Artikel…du bist eine Bereicherung für mich und so viele Menschen. Danke für deine Arbeit!
Liebe Grüße, Sue
Hallo Anne ,
es ist der Wahnsinn wie viele Physisch Kranke
Menschen es gibt . Wenn man das Wort noch nicht dafür kennt , sucht man ständig die Schuld
bei sich . Man versucht alles besser zu machen sich anzupassen so wie die anderen es wollen nur damit Seelenfrieden ist . Das lustige an allem es gibt nie ein Seelenfrieden bei Menschen mit Persönlichkeitsstörung . Sie brauchen die naiven um sich an sie aufladen zu können. Man kann nur verlieren wenn man in deren Gegenwart ist , weil man nie weiß was sie als Nächstes krankes aushecken. Ihr ganzes Leben spielt bei der Aktivität eine Rolle auszuspielen und zu manipulieren. Wenn man ihn grenzen setzt nehmen sie es als Kampf und mit Beleidigung auf . Deshalb mein Konzept trotzdem es Familie ist . Einfach meiden!!!!! Sie haben eh kein Gefühl für Emotionen nur für sich selbst , es stört nicht ob Du dabei bist oder nicht . Es würde nur stören nicht sein Gift verspritzen zu können. Es sind Menschen die neidisch, missgünstig, Manipulant , ignorant , kühl , ein Durchsetzungsvermögen haben ,ihr Ziel toxisch so zu verfolgen das es erreicht ist .
Ich habe es für mich erkannt und werde meine Schlussfolgerung daraus ziehen. Solche Menschen die so starke Persönlichkeitsstörungen haben sind nicht einsichtig. Jedes Gespräch ist verschwändet jede Energie ist fehl investiert. Auch wenn es in der Familie leider ist weiß man jetzt zumindest es liegt nicht an ein selbst . Man geht grade durchs Leben für die Zukunft und versucht so gut wie es geht , Gespräch und Feiern zu vermeiden. Denn sie werden immer wider ihre Krankheitsmale versuchen auszuleben das sie müssen es tun das ist ihr Lebenselixier dazu benötigen sie Menschen um ihr selbst Willen
zu verwirklichen ohne sich dabei umzusehen wie geht es dabei den anderen was sie tun !? Sie empfinden außer für sich selbst und deren Interessen nichts und für niemandem was . Aus diesem Grund ist es für einen der es erkannt hat wichtig nichts mehr für solche Menschen zu investieren. Sie tun der Gesellschaft nicht gut !! Leider gibt es zu viel von Ihnen und das schlimme an der Situation ist vielleicht wissen sie es nicht mal !!? Ich für mich selbst habe erkannt das für mich ein neuer Lebensabschnitt beginnt, in der Familie Diplomat sein zu müssen ist sehr schwierig aber nicht unmöglich. Ich bin froh für mich selbst das herausgefunden zu haben , selbst in der Lage sein zu können mich zu reflektieren und mir mein eigenes Schutzschild aus der Erkenntnis heraus in der Lage sein zu können mein Leben so für die Zukunft zu organisieren das solche Menschen mit solch eine toxische Persönlichkeitsstörung kein Platz mehr finden werden. In diesem Sinne
liebe Grüße Katrin:) , ein Dankeschön für ihre Guten Kommentare sie helfen und führen zur Erkenntnis.
Danke, liebe Anne!
Sonnige Grüße
Milda
Sehr gerne, liebe Milda!