Über 20 Intelligenzformen: Warum dein IQ-Test nur einen Bruchteil deiner Begabung zeigt

Über 20 Intelligenzformen Warum dein IQ-Test nur einen Bruchteil deiner Begabung zeigt
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Wenn dich jemand fragt, ob du intelligent bist, denkst du wahrscheinlich zuerst an Schule, Tests und Punkte, an Logik, Mathematik und das, was sich messen lässt. Doch ein klassischer IQ-Test fängt nur einen kleinen Ausschnitt dessen ein, was Intelligenz wirklich umfasst.

In diesem Artikel findest du 20 Intelligenzformen, die zeigen, wie vielschichtig Begabung tatsächlich ist und du wirst entdecken, dass Hochsensibilität, Hochsensitivität, Hochbewusstsein und Vielbegabung schon längst Teil dieses Bildes sind. Vielleicht erkennst du dich zum ersten Mal in einer Liste wieder, die deinen Reichtum würdigt, statt ihn zu reduzieren.

Ich werde immer wieder gefragt, wie ich die vielen verschiedenen Intelligenzformen verstehe und einordne. Die Antwort ist nicht kurz, denn ein IQ-Test bildet nur einen Bruchteil dessen ab, was unsere Wahrnehmung, unser Denken und unser Fühlen ausmacht.

Schon 1983 hat der Harvard-Psychologe Howard Gardner mit seiner Theorie der multiplen Intelligenzen eine andere Tür geöffnet. Heute, mehr als vier Jahrzehnte später, ist die Forschung noch viel weiter und wir wissen, dass es nicht eine Intelligenz gibt, sondern viele. Und dass jeder Mensch sie in unterschiedlicher Mischung in sich trägt.

Diese Liste ist keineswegs vollständig. Sie ist eine Einladung, das eigene Denken zu erweitern. Hochsensibilität und Hochsensitivität lassen sich mit ihr genauso beschreiben wie Vielbegabung oder das, was Scanner-Persönlichkeiten ausmacht.

Die kognitiven Intelligenzformen, die ein IQ-Test misst

Diese vier Formen bilden den Kern dessen, was unser Bildungssystem fördert und was ein klassischer IQ-Test abfragt. Sie sind wichtig, aber sie erzählen nur einen Teil der Geschichte.

  1. Sprachliche oder linguistische Intelligenz

Sprachlich intelligente Menschen setzen Worte treffsicher ein, um Gedanken auszudrücken und zu reflektieren. Sie verstehen das Sprechen anderer fein und differenziert, lieben Wortspiele und lernen Fremdsprachen oft leicht. Bei Kindern fällt diese Begabung früh auf, etwa durch einen ungewöhnlich großen Wortschatz oder durch große Lese- und Schreibfreude.

  1. Logisch-mathematische Intelligenz

Diese Begabungsform meinen die meisten Menschen, wenn sie von Intelligenz sprechen. Es geht um das Erkennen von Gesetzmäßigkeiten, um Schlussfolgerungen, um den souveränen Umgang mit Zahlen, Mengen und abstrakten Strukturen.

In unserer Gesellschaft genießt diese Form einen besonders hohen Stellenwert. Logik, Mathematik und Wissenschaft gelten oft als wertvoller als Kreativität, Emotion und Intuition. Eine Bewertung, die der Realität nicht gerecht wird.

  1. Räumlich-bildliche Intelligenz

Menschen mit dieser Begabung erkennen räumliche Zusammenhänge intuitiv und formen sie gedanklich um. Sie verarbeiten visuelle Eindrücke, transformieren sie und geben sie in Bildern, Strukturen oder Modellen wieder. Maler, Architektinnen, Ingenieure und Pilotinnen profitieren ebenso davon wie Kinder, die früh ihre Welt durch Farben und Formen begreifen.

Viele hochbegabte und neurodivergente Menschen sind ausgeprägte Bilderdenker. Wir haben dazu in der HOCHiX-Akademie einen eigenen Beitrag veröffentlicht. Hier kannst du ihn nachlesen: Bilderdenken.

  1. Kognitive Intelligenz

Die kognitive Intelligenz ist die Summe der ersten drei plus Auffassungsgabe, Kombinationsvermögen und der Fähigkeit, aus bekannten Daten neue Schlüsse zu ziehen. Sie ist das, was klassische IQ-Tests messen und was im Schulsystem gefordert wird.

Keine der weiteren Intelligenzformen, die jetzt folgen, wird in einem IQ-Test erfasst. Sie existieren trotzdem und sie machen oft den Unterschied zwischen einem Leben, das funktioniert, und einem Leben, das stimmig ist.

Die Intelligenzformen, die Hochsensibilität und Hochsensitivität beschreiben

Wenn du hochsensibel oder hochsensitiv bist, hast du wahrscheinlich schon oft erlebt, dass deine Wahrnehmung tiefer, dein Fühlen feiner und dein Mitschwingen mit anderen Menschen intensiver ist. Die folgenden Intelligenzformen beschreiben genau das, was viele Tests übersehen.

  1. Intrapersonale Intelligenz

Wer seine eigenen Impulse kontrollieren, eigene Grenzen erkennen und klug mit den eigenen Gefühlen umgehen kann, verfügt über hohe intrapersonale Intelligenz. Menschen mit dieser Begabung sind sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst, sie reflektieren viel und brauchen oft Zeit für sich. Nach außen wirken sie häufig still oder introvertiert. Innen passiert sehr viel.

  1. Interpersonale Intelligenz

Diese Form beschreibt laut Howard Gardner die Fähigkeit, Stimmungen und Gefühle anderer Menschen wahrzunehmen und sich darauf einzustellen. Kinder mit dieser Begabung vermitteln früh in Konflikten, hören gut zu und werden oft zu wichtigen Bezugspersonen in ihrer Gruppe. Im Erwachsenenleben begegnet uns diese Intelligenz bei Menschen, die andere zuverlässig verstehen, ohne dass viel gesagt werden muss.

  1. Naturalistische Intelligenz

Die naturalistische Intelligenz ist die Fähigkeit, Lebendiges zu beobachten, zu unterscheiden und zu erkennen. Sie umfasst eine feine Sensibilität für Naturphänomene. Für unsere frühen Vorfahren war sie überlebensnotwendig. Heute zeigt sie sich bei Menschen, die sich gern in der Natur aufhalten, einen leichten Zugang zu Tieren und Pflanzen haben und sich für ökologische Zusammenhänge interessieren.

  1. Emotionale Intelligenz

Den Begriff prägten 1990 John D. Mayer und Peter Salovey, populär gemacht hat ihn der Journalist Daniel Goleman. Emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und konstruktiv zu beeinflussen.

Studien zeigen seit Jahren: Erfolgreiche Führungspersönlichkeiten, glückliche Paare und stabile Teams haben eines gemeinsam, eine hohe emotionale Intelligenz. Und sie lässt sich, anders als der IQ, ein Leben lang trainieren.

  1. Soziale Intelligenz

Soziale Intelligenz ist die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzudenken, die Folgen eigener Entscheidungen einzuschätzen und gleichzeitig die Wünsche und Handlungen anderer zu verstehen. Sie umfasst sowohl die intrapersonale als auch die interpersonale Komponente aus Gardners Theorie.

  1. Spirituelle Intelligenz

Spirituelle Intelligenz ist unabhängig von Religion oder Tradition. Sie ermöglicht den Blick auf das größere Bild und beantwortet die Frage nach dem Wofür und Warum. Wer spirituell intelligent ist, findet Zugang zu einer tieferen Sinnebene, zu grundlegenden Werten und zu einer Bestimmung im eigenen Leben. Hochbewusste Menschen, die Anne Heintze in ihrer Arbeit oft beschreibt, verfügen meist über eine ausgeprägte spirituelle Intelligenz.

  1. Existenzielle Intelligenz

Howard Gardner selbst hat in späteren Arbeiten eine weitere Form ergänzt, die existenzielle Intelligenz. Sie beschreibt die Fähigkeit, große Fragen zu stellen. Fragen nach Leben und Tod, nach Sinn, nach dem eigenen Platz im Universum. Viele hochsensible und hochbegabte Menschen erkennen sich darin wieder, oft schon als Kinder. Wer früh über Endlichkeit nachgedacht hat, weiß, wovon hier die Rede ist.

Weitere Intelligenzformen, über die vielbegabte Scanner-Persönlichkeiten verfügen

Vielbegabte Menschen, oft auch Scanner-Persönlichkeiten genannt, interessieren sich für viele Themen gleichzeitig und können mehrere Begabungsformen in sich vereinen. Die folgenden Intelligenzen tauchen bei ihnen besonders häufig auf.

  1. Musikalische Intelligenz

Wer musikalisch intelligent ist, hat ein feines Gefühl für Klang, Harmonie, Rhythmus und Intonation. Viele Menschen mit dieser Begabung können Akzente und Dialekte mühelos imitieren. Bei Kindern zeigt sie sich früh, durch starke Reaktionen auf Musik, durch schnelles Erkennen von Melodien und durch die Freude am eigenen Musizieren.

  1. Körperlich-kinästhetische Intelligenz

Diese Form beschreibt die Fähigkeit, den Körper bewusst und differenziert einzusetzen. Sportlerinnen, Tänzer, Schauspielerinnen und Chirurgen brauchen sie ebenso wie Handwerker. Kinder mit dieser Begabung haben Freude an Bewegung, lernen Abläufe schnell und sind feinmotorisch ihren Altersgenossen oft voraus.

  1. Kreative Intelligenz

Kreative Intelligenz ist mehr als künstlerisches Talent. Sie ist die geistige Fähigkeit, die wirklich wichtigen Probleme im Leben aufzuspüren und neue Lösungen zu finden. Vielbegabte verbinden mühelos Bereiche, die für andere getrennt erscheinen. In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz viele Routineaufgaben übernimmt, wird kreative menschliche Intelligenz immer wertvoller.

  1. Physische Intelligenz

Physische Intelligenz wirkt selbstverständlich, ist es aber nicht. Sie umfasst Körperwahrnehmung, achtsamen Umgang mit dem eigenen Energielevel, gesunde Ernährung, Schlaf und Erholung. Wenn diese Form vernachlässigt wird, können sich andere Intelligenzen kaum entfalten. Gerade neurodivergente Menschen mit einem reizoffenen Nervensystem profitieren enorm davon, ihre physische Intelligenz bewusst zu kultivieren.

  1. Praktische Intelligenz

Die praktische Intelligenz zeigt sich in alltagsnahen Leistungen, in Lebenstüchtigkeit, in dem, was im beruflichen Kontext „stilles Wissen“ genannt wird. Sie korreliert oft nur schwach mit dem, was klassische Tests messen. Manche der lebenstüchtigsten Menschen erzielen mittelmäßige IQ-Werte. Manche der höchsten IQs verlaufen sich im Alltag.

  1. Professionelle Intelligenz

Was Professionalität bedeutet, hat sich grundlegend gewandelt. Reines Fachwissen verliert an Gewicht. Was zählt, ist die Fähigkeit, sich wandelnde Prozesse zu steuern, komplexe Probleme zu lösen und die eigene unternehmerische Persönlichkeit einzubringen. Die professionelle Intelligenz ist eine Mischung aus vielen anderen Intelligenzformen.

  1. Vitale Intelligenz

Die vitale Intelligenz ist die Intelligenz des Handelns. Sie beschreibt die Fähigkeit, sich in einer sozialen Gruppe wirksam einzubringen und gemeinsam Ziele zu erreichen. Sie ist die psychologische Grundlage von Führungskompetenz, Durchsetzungsvermögen und sozialer Wirksamkeit, ohne dass dabei Manipulation im Vordergrund steht.

  1. Metakognitive Intelligenz

Manche Quellen sprechen von mentaler Intelligenz, in der HOCHiX-Akademie bevorzugen wir den Begriff metakognitive Intelligenz. Gemeint ist die Fähigkeit, Verstand und Gefühl in Balance zu nutzen, eigene Gedanken bewusst zu steuern und konstruktiv einzusetzen. Metakognitiv intelligente Menschen denken in Chancen und Möglichkeiten. Sie sind konsequente Possibilisten und setzen ihre Ideen tatsächlich um.

Kristalline und fluide Intelligenz: Zwei Formen, die ein Leben lang wachsen

  1. Kristalline Intelligenz

Der Intelligenzforscher Raymond B. Cattell unterschied zwei zentrale Formen. Die kristalline Intelligenz umfasst alles, was wir im Laufe des Lebens lernen, Wissen, Erfahrung, kommunikative Fähigkeiten, Planung und Koordination. Sie wächst bei wachen, neugierigen Menschen bis ins hohe Alter und ist heute, in einer Welt mit ständig neuen Herausforderungen, kostbarer denn je.

  1. Fluide Intelligenz

Die fluide Intelligenz ist weitgehend angeboren. Zu ihr zählen geistige Kapazität, Auffassungsgabe und das generelle Verarbeitungsniveau. Sie wird kaum durch Umweltfaktoren beeinflusst und ist gewissermaßen die Hardware, auf der die kristalline Intelligenz aufbaut.

Beide Formen brauchen einander. Hochbegabung zeigt sich oft besonders deutlich in der fluiden Intelligenz, Lebensweisheit eher in der kristallinen. Wer beides verbindet, schöpft aus zwei Quellen.

Reflexion: Welche deiner Intelligenzformen ist bisher zu kurz gekommen?

●      Welche zwei oder drei Intelligenzformen aus dieser Liste fühlen sich bei dir besonders ausgeprägt an?

●      Welche davon wurde in deinem bisherigen Leben gewürdigt, welche eher übersehen?

●      Gibt es eine Form, die du heimlich für selbstverständlich hältst, obwohl sie ein Geschenk ist?

●      Was würde sich ändern, wenn du dich nicht mehr an einem einzelnen IQ-Wert messen würdest?

Halte einen Moment inne und sei ehrlich mit dir. Vielleicht erkennst du, dass du längst auf vielen Ebenen begabt bist und einfach nie das richtige Vokabular dafür hattest.

Hochsensibilität, Hochsensitivität und Vielbegabung sind bereits Intelligenz

Wer diese Liste aufmerksam liest, erkennt schnell: Hochsensibilität, Hochsensitivität, Hochbewusstsein und Vielbegabung sind keine Randerscheinungen, sie sind in vielen dieser Intelligenzformen bereits beschrieben.

Eine hochsensible Person verfügt fast immer über stark ausgeprägte intrapersonale, interpersonale und emotionale Intelligenz. Eine vielbegabte Scanner-Persönlichkeit verbindet kreative, sprachliche, musikalische und kognitive Intelligenz auf eine Weise, die sich in keinem einzelnen Beruf einklemmen lässt.

Wenn du dich also bisher in den klassischen Begriffen nicht wiedergefunden hast, dann liegt das nicht an dir, es liegt daran, dass die Begriffe zu eng waren. Deine Begabung ist real, auch wenn sie kein Zertifikat trägt.

In der HOCHiX-Akademie arbeiten wir mit Menschen, deren Begabungen jahrzehntelang unsichtbar geblieben sind: Mit Hochsensiblen, Hochbegabten, Vielbegabten und Neurodivergenten. Oft erkennen sie sich erst durch eine Übersicht wie diese darin wieder, was sie schon immer waren.

Ich wünsche mir, dass durch die Beschäftigung mit dieser Liste die Begrenztheit klassischer Definitionsversuche sichtbar wird. Diese vielen Worte sollen dich nicht beeindrucken. Sie sollen dich einladen, dich zu erinnern, was du selbst empfindest.

Du brauchst keine Bestätigung durch einen Experten und kein Etikett auf der Stirn, um zu wissen, dass du außergewöhnlich bist. Du kannst das durch eigenes Nachdenken und Nachspüren herausfinden. Daraus ergibt sich dann auch, welche Lebensumstände und Lebensbedingungen wirklich zu dir passen.

Manchmal kommt man nicht weiter und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. In der HOCHiX-Akademie findest du hier kostenlose Onlinetests zu Hochsensibilität, Vielbegabung, ADHS und Autismus.

Bei welcher der vielen Begabungsformen hast du dich wiedergefunden?

Du bist nicht eine Intelligenz. Du bist viele.

Lass dich nicht länger auf eine Zahl reduziern. Deine Vielbegabung, deine Hochsensibilität, deine besondere Wahrnehmung sind keine Last, sondern Stärke. In der HOCHiX-Akademie begleiten wir dich dabei, deine Begabungen zu verstehen, zu würdigen und endlich so zu leben, wie es deinem ganzen Reichtum entspricht.

Herzlichst,
Anne

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Und hier ist noch ein kurzer Clip für dich:

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Kommentare

7 Kommentare

  1. Hallo Anne,

    ich fand deinen Beitrag zu HOCHiX sehr spannend, besonders im Hinblick auf Neurodivergenz.
    Ich selbst bin im Autismus-Spektrum und baue gerade eine Selbstständigkeit auf, in der ich online Menschen helfe, Gefühle und innere Prozesse kognitiv zu verstehen — also nicht primär zu „fühlen“, sondern nachvollziehen zu können, was in ihnen passiert.

    Gerade deshalb hat mich das Thema sehr angesprochen, weil viele Menschen wie ich Emotionen zuerst über Verständnis erreichen.

    Beim Lesen hat mich jedoch einiges auch verwirrt. In einigen der beschriebenen „Intelligenzformen“ werden aus meiner Wahrnehmung unterschiedliche psychologische Ebenen zusammengefasst.
    Zum Beispiel wird teils das Verstehen von Emotionen mit deren Regulation gleichgesetzt oder Körperwahrnehmung mit gesundheitsbezogenem Verhalten. Für Menschen, die primär kognitiv analysieren und Begriffe eher wörtlich nehmen, kann das schwer einzuordnen sein, weil Wahrnehmung, Verarbeitung und Verhalten unterschiedliche Prozesse sind.

    Trotzdem danke für den Beitrag — die Idee dahinter, Unterschiede sichtbar und besprechbar zu machen, halte ich für sehr wertvoll.

    1. Lieber Roland,
      danke dir für deine differenzierte Rückmeldung und für deine Offenheit. Gerade deine Perspektive als Mensch im Autismus Spektrum ist für mich sehr wertvoll.
      Du hast völlig recht: Wahrnehmung, Verarbeitung und Regulation sind unterschiedliche Prozesse. Wenn man psychologisch sauber trennt, gehören sie auf verschiedene Ebenen. Ich schätze diese Klarheit sehr.
      Mir geht es bei der Darstellung der 22 Intelligenzformen jedoch nicht um eine akademisch präzise Kategorisierung im Sinne einer streng wissenschaftlichen Taxonomie. Es geht mir darum, Bewusstsein zu wecken. Die meisten Menschen kennen ausschließlich die klassischen schulischen Intelligenzformen, sprachlich und logisch mathematisch. Wer darin nicht glänzt, hält sich schnell für defizitär.
      Genau dort setze ich an.
      Ich möchte sichtbar machen, dass es ganz unterschiedliche Formen von Begabung gibt. Wahrnehmungsintelligenz. Beziehungsintelligenz. Körperintelligenz. Prozessintelligenz. Für viele Menschen ist das ein Befreiungsmoment. Sie erkennen erstmals, dass sie nicht weniger intelligent sind, sondern anders intelligent.
      Dass dabei psychologische Ebenen teilweise zusammengeführt werden, ist bewusst vereinfachend gedacht, um Zugänglichkeit zu schaffen. Es ist ein Modell zur Bewusstseinsöffnung, kein diagnostisches Klassifikationssystem.
      Gerade Menschen, die sehr differenziert denken, nehmen diese Zusammenfassungen schneller wahr. Das ist eine Stärke. Gleichzeitig hilft Vereinfachung oft jenen, die bisher keinerlei Sprache für ihre eigenen Begabungsformen hatten.
      Ich finde deinen Ansatz, Emotionen kognitiv zugänglich zu machen, übrigens sehr spannend. Das passt hervorragend in diese Vielfalt von Zugängen.
      Danke dir für deine kluge Rückmeldung und dein Mitdenken.
      Herzliche Grüße
      Anne

  2. Hallo Anne, ich lese sehr gerne euren Newsletter bzw. eure Geschichten zu den verschiedensten Themen des Lebens bzw. des Menschen. Ich finde es immer wieder spannend.
    Jeder Mensch hat seine individuellen Begabungen. Es gilt diese zu erkennen und auch zu fördern, so früh wie möglich. Ich habe drei erwachsene Kinder und wir (meine getrennt lebende Ehefrau hat auch einen großen Anteil daran) haben jedes individuell gefördert. Alle drei verfügen über eine gute soziale Kompetenz, aber dann verzweigt es sich. Allein dieses als Eltern zu erkennen ist schon großartig.
    Ich selbst (56 Jahre alt) habe sicherlich meinen Anteil daran aber ob ich hochbegabt bin? Nein das glaube ich nicht und selbst wenn es so wäre, dann würde sich nichts um meine Person verändern. Bin nie mit mir zufrieden und mein größter Kritiker…..
    Mein Beruf ist mir sehr wichtig, hier genieße ich sehr viel Freiraum, arbeite auch viel mit Menschen…..
    Erkenne Stimmungsschwankungen oft schon äußerlich……das ist aber nicht unbedingt etwas Gutes, nein, das macht es oft nicht einfach, sich ständig zu fragen, spreche die Person an oder lass ich es lieber? Es hängt aber auch von der Situation ab……
    In meiner Freizeit bin ich auch gerne allein. Ich genieße es, es hilft mir wieder Luft zu holen und abzuschalten. Das ist etwas, was ich in mehr als 30 Ehejahren nicht konnte, ein Grund, warum ich mich von meiner Frau getrennt habe.
    Als Kind war ich ein Bewegungstalent. Es war das wichtigste für mich. Habe neben Fußball (meine Hauptsportart) viele andere Sportarten betrieben. Darunter litt sicherlich die Schule, Ehrgeiz hatte ich dort überhaupt nicht, das kam alles etwas später;-))

    Das was heute für mich wichtig ist, ist uns ein wenig verloren gegangen, das Miteinander. Andere Länder wie zB im asiatischen Raum sind uns in der Beziehung weit überlegen. Das vermisse ich oft……
    Viele liebe Grüße und bleibt gesund
    Karsten

    1. Hallo Karsten…. Da hast du einiges gesagt, was ich auch gut kenne…. Vor allem aber: „ich vermisse …das Miteinander“. Auf meiner Reise mich als HSP zu entdecken, sind noch mehr Beziehungen abgebrochen – was eigentlich nicht schlimm ist – aber das Miteinander hat sich stark verändert und ist für feinfühlige noch herausfordernder, v.a. wenn man auch bestimmte Werte hat.

      Liebe Grüße Sabine

  3. Ich bin über das Interview auf dem Kongress von Sarah Zohren auf dieser Seite gelandet. Seit ca. 10 Jahren weiß ich, dass ich hochsensibel bin. Als kleines Kind bekam ich immer wieder zu hören, dass ich (im negativen Sinne) zu empfindlich bin und mich nicht so anstellen solle. Das es sich dabei um keine gute Eigenschaft handelt, haben mich meine 11 Geschwister immer wieder spüren lassen. Vielleicht der Grund dafür, dass ich früh einen ausgeprägten Rundrücken entwickelt habe.
    Heute nun habe ich hier auf dieser Seite gelesen, dass es sich um eine besondere Begabung handelt, die den Hochbegabungen zuzurechnen ist. Das muss ich erst mal in mir wirken lassen. Ich spüre, dass in mir etwas aufbricht, in Bewegung kommt.
    Vor etwa 20 Jahren, als meine Söhne auf dem Gymnasium waren, und zunehmend auf Hochbegabung geachtet wurde, hatte ich das Gefühl auch hochbegabt zu sein, fand mich aber in den üblichen Testkriterien nicht wieder. Als dann der Begriff Emotionale Intelligenz aufkam, wusste ich intuitiv, dass diese bei mir sehr ausgeprägt ist.
    Da ich bei meiner Berufswahl (Kinderkrankenschwester) auf meine Intuition gehört habe, konnte ich im Laufe meines Berufslebens meine Gabe gut einsetzen.
    Und ich weiß jetzt auch, warum ich meinen Mann nach fast 39 Ehejahren verlassen musste, nachdem er mir gesagt hatte, dass meine Gefühle und meine Reaktionen das Problem in unserer Ehe sind.
    Das muss ich jetzt erst mal alles sacken lassen.
    Danke, dass es diese Seite gibt. Ich werde sie sicher häufiger besuchen.

    1. … wie traurig. Leider ist das wohl eine sehr gebräuchliche Ausrede. Gerade bei Ehepartner, die sensible Menschen ja oft sehr bewusst erwählen…WEIL! sie so sensibel auf ihre Bedürfnisse eingehen. Liebe ist es, einen Menschen so zu schätzen, wie er/sie ist – auch dann wenn er/sie sehr sensibel ist.

      Alles Liebe Sabine

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