NEURO Coaching Workshops | Wird geladen...

Bilderdenken: Wenn dein Gehirn in Bildern statt in Worten denkt

Bilderdenken Wenn dein Gehirn in Bildern statt in Worten denkt
Teilen oder merken

Warum visuell-räumlich begabte Menschen sich oft für langsam halten, obwohl ihr Geist mit enormer Geschwindigkeit arbeitet:
Du weißt manchmal genau, was du meinst, und trotzdem fehlen dir die Worte? Du verstehst Zusammenhänge sofort, wenn du sie dir bildlich vorstellst, aber schriftliche Erklärungen kosten dich überproportional viel Zeit? Dann bist du vielleicht ein Bilderdenker. In diesem Artikel erfährst du, was hinter diesem besonderen Denkstil steckt, warum er so oft missverstanden wird und wie du deine Stärken als Bilderdenker wirklich entfalten kannst.

Eine Frau kam zu mir ins Coaching. Hochbegabt, hochsensibel, voller Potenzial. Und doch trug sie jahrelang die Überzeugung mit sich, dass sie dumm sei. Alle anderen in ihrer Familie, so war sie überzeugt, dachten klar und strukturiert. Nur sie irgendwie nicht.

Was sie nicht wusste: Sie dachte nicht weniger gut. Sie dachte einfach anders. In Bildern, Räumen und Verbindungen, die sie nicht ohne Weiteres in Worte fassen konnte. Als ich ihr erklärte, was visuell-räumliches Denken bedeutet, was es leisten kann und warum es in unserem sprachzentrierten Bildungssystem so oft übersehen wird, kamen ihr die Tränen.

„Ich bin nicht dumm. Ich denke nur anders.“ Dieser Satz hat etwas in ihr gelöst, das lange festgehalten hatte. Er hat sie zu sich selbst zurückgebracht. Zu einem Teil von ihr, den sie nie verloren hatte, den sie aber nie wirklich sehen konnte.

Sie erkannte sich als das, was sie immer war: ein buntes Zebra. Anders als die Herde, aber deshalb nicht weniger wertvoll, sondern auf eine ganz besondere Weise begabt.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Vielleicht hast du dich auch schon gefragt, warum andere so scheinbar mühelos in Worte fassen, was dir als komplexes inneres Bild vor Augen steht. Dieser Artikel ist für dich.

Rechts, links und was die moderne Neurowissenschaft sagt

Du hast sicher schon von der linken und rechten Gehirnhälfte gehört. Die traditionelle Vorstellung: Die linke Hälfte denkt analytisch, logisch und sprachlich, die rechte kreativ, intuitiv und bildlich. Dieses Modell war jahrzehntelang populär, und es enthält durchaus einen wahren Kern.

Die heutige Forschung zeichnet jedoch ein deutlich nuancierteres Bild. Beide Gehirnhälften arbeiten bei fast allen Aufgaben eng zusammen. Es gibt gewisse Tendenzen zur Spezialisierung: Die linke Hemisphäre ist häufig stärker an der Sprachverarbeitung beteiligt, die rechte eher an räumlichen Aufgaben. Diese Aufteilung ist aber nie absolut. Das Gehirn ist ein hochvernetztes System, das sich flexibel anpassen kann.

Die vereinfachte Vorstellung von „rechts“ und „links“ ist eine Metapher, keine neurobiologische Tatsache. Als Metapher aber kann sie hilfreich sein. Sie gibt uns eine Sprache, um unterschiedliche Denkstile zu beschreiben, wertzuschätzen und im Alltag besser zu verstehen.

Wenn wir vom Bilderdenken sprechen, meinen wir deshalb nicht, dass du ausschließlich deine rechte Gehirnhälfte nutzt. Wir beschreiben eine Tendenz, Informationen bevorzugt visuell und räumlich zu verarbeiten. Dein gesamtes Gehirn ist daran beteiligt, auch wenn bestimmte Regionen dabei besonders aktiv sind.

Was Bilderdenken wirklich bedeutet

Bilderdenker nehmen die Welt in inneren Bildern, Räumen und Szenen wahr. Wo andere Menschen zuerst Worte oder Zahlen denken, entsteht bei dir ein inneres Kino. Du „siehst“ Zusammenhänge, bevor du sie erklären kannst. Du rotierst Objekte im Kopf, erkennst Muster auf einen Blick und verstehst komplexe räumliche Aufgaben intuitiv.

Was für dich selbstverständlich ist, kann für andere schlicht unmöglich sein: Würfel mental zusammensetzen, Karten lesen, architektonische Strukturen erfassen, Szenarien vollständig durchspielen, bevor auch nur ein Wort gesprochen wurde.

Das Problem entsteht nicht in deinem Kopf. Es entsteht in dem Moment, in dem du deine Bilderwelt in Worte übersetzen musst. Genau das kostet dich Zeit. Du übersetzt einen inneren Prozess, der in Sekundenbruchteilen abläuft, in eine Sprache, die diese Geschwindigkeit schlicht nicht abbilden kann.

Für andere sieht das wie Langsamkeit aus. In Wirklichkeit bist du gerade damit beschäftigt, eine hochkomplexe Übersetzungsleistung zu erbringen. Niemand würde einen mehrsprachigen Menschen als langsam bezeichnen, weil er kurz überlegt, bevor er antwortet. Bei Bilderdenkern ist es ähnlich.

Erkennst du dich? Typische Merkmale von Bilderdenkern

Auch wenn die Wissenschaft noch keine standardisierten Tests für Bilderdenken entwickelt hat, zeigen sich in der Praxis immer wieder dieselben Muster. Je mehr der folgenden Beschreibungen auf dich zutreffen, desto wahrscheinlicher ist Bilderdenken dein bevorzugter Denkstil.

Bin ich ein Bilderdenker? Prüfe, ob du dich erkennst:

•       Du bevorzugst Grafiken, Tabellen und Bilder gegenüber reinen Textbeschreibungen.

•       Du kannst dir gut vorstellen, welchen Weg du im Supermarkt gehst, aber Einkaufslisten auswendig zu merken fällt dir schwer.

•       Geometrie war in der Schule einfacher für dich als andere Mathematikbereiche.

•       Bildanalogien meisterst du schnell, aber Sprachtests kosten dich überproportional viel Energie.

•       Du liest eher langsam, weil du Worte innerlich in Bilder übersetzen musst.

•       Auswendiglernen liegt dir nicht. Du willst Zusammenhänge verstehen, keine Fakten speichern.

•       Du hast ein ausgezeichnetes Gedächtnis für Bilder, Szenen und Orte, aber gesprochene Anweisungen vergisst du schnell.

•       Zeitdruck bei Tests bringt dich regelmäßig aus dem Gleichgewicht, obwohl du den Stoff eigentlich beherrschst.

•       Zeichnen, Gestalten und visuelle Medien sprechen dich stark an.

•       Du weißt oft mehr, als du in Worte fassen kannst. Das ist keine Schwäche. Das ist dein Denkstil.

Je mehr Punkte auf dich zutreffen, desto ausgeprägter ist dein visuell-räumlicher Denkstil.

Erkennst du dich in vielen dieser Punkte wieder? Das ist kein Makel und kein Defizit. Es ist deine individuelle Art, die Welt wahrzunehmen und zu verarbeiten. Jeder Denkstil bringt seine eigenen Stärken mit sich, und der visuelle ist einer der faszinierendsten.

So erlebst du als Bilderdenker deine Welt

Die Stärken von Bilderdenkern sind beeindruckend. Du hast sehr wahrscheinlich eine ausgeprägte Fähigkeit zum kreativen, ganzheitlichen Denken. Du erkennst Zusammenhänge, die anderen verborgen bleiben. Du erfasst komplexe Systeme intuitiv, navigierst visuelle Räume mühelos und entwickelst Ideen aus einer Perspektive, die andere schlicht nicht einnehmen können.

Viele der Menschen, die unsere Welt mit Erfindungen, Kunst und ungewöhnlichen Lösungen bereichert haben, waren ausgeprägte Bilderdenker. Einstein beschrieb sein Denken als visuell und musikalisch, kaum sprachlich oder rechnerisch. Tesla konstruierte ganze Maschinen in Gedanken, lange bevor er sie zu Papier brachte.

Gleichzeitig bringt dieser Denkstil echte Herausforderungen mit sich. In einer Welt, die stark auf Sprache, sequentielle Informationsverarbeitung und auditive Anweisungen ausgelegt ist, kommst du als Bilderdenker strukturell ins Hintertreffen. Tests mit Zeitdruck, auswendig gelernte Fakten, mündliche Erklärungen ohne visuelle Unterstützung: Das sind Situationen, in denen dein Gehirn nicht optimal arbeiten kann. Das bedeutet nicht, dass du weniger intelligent bist. Es bedeutet, dass das System nicht für dich gebaut wurde.

Besonders viele hochsensible und hochsensitive Menschen sind ausgeprägte Bilderdenker. Sie nehmen ohnehin mehr wahr als andere. In ihrer Bilderwelt kommen dann noch mehr Details, mehr Eindrücke, mehr Verbindungen hinzu. Das kann sich überwältigend anfühlen: zu viel Licht, zu viele Bewegungen, zu viele gleichzeitige Eindrücke auf einmal. Aber es macht dich auch aufmerksamer, fantasievoller und kreativer als viele andere.

Deine hohe Sensibilität kann manchmal eine Herausforderung im Umgang mit anderen sein. Sie macht dich aber auch zum aufmerksamsten Menschen im Raum. Das ist ein Geschenk, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt.

Was dir und anderen Bilderdenkern wirklich hilft

Wenn du selbst ein Bilderdenker bist oder mit bilderdenkenden Menschen arbeitest oder lebst, dann lohnt es sich, die Umgebung anzupassen. Nicht den Menschen.

Konkrete Ansätze im Umgang mit Bilderdenkern:

•       Nutze Visualisierungen: Schreibe auf, zeichne, arbeite mit Mindmaps, Flipcharts und Whiteboards.

•       Mündliche Impulse sollten immer auch visuell verfügbar sein.

•       Setze Bildtools ein: Fotokarten, Metaphernkarten, Biografiekarten, Collagen. Bilderdenker können Gefühle und Themen oft treffsicherer in Bildern ausdrücken als in Worten.

•       Gib ausreichend Zeit. Zeitdruck blockiert genau die Stärken, die Bilderdenker mitbringen.

•       Vermeide zeitbegrenzte Tests, wann immer es möglich ist.

•       Arbeite mit Tagebüchern oder visuellen Journals für Reflexion und persönlichen Transfer.

•       Nutze Bücher mit Illustrationen, Infografiken und visuellen Strukturen.

Für Eltern bilddenkender Kinder gilt dasselbe: Wenn dein Kind lieber baut als schreibt oder lieber zeichnet als erklärt, ist das kein Zeichen von Faulheit oder Unreife. Es ist ein Hinweis auf einen besonderen Denkstil, den es zu verstehen und zu fördern gilt.

Wir alle werden vom beachtlichen Intellekt visuell begabter Menschen profitieren, auch auf gesellschaftlicher Ebene, sobald wir ihre besondere Fähigkeit besser erschließen: Probleme zu erkennen und sie auf neue, kreative Arten zu lösen.

Du bist nicht dumm. Du bist anders.

Viele Bilderdenker tragen jahrelang die Überzeugung mit sich, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Sie haben in der Schule gehört, dass sie langsam sind. Ihre Stärken wurden nicht gesehen. Ihr Denken wurde als schwerfällig oder unkonzentriert bewertet.

Ein Kind, das oft genug gehört hat, es sei nicht intelligent, glaubt das irgendwann. Dieser Glaube hält sich manchmal bis weit ins Erwachsenenleben. Dabei ist er schlicht falsch.

Die Wahrheit ist eine andere: Du bist hochintelligent, sensibel und kreativ. Du hast eine besondere Art, Zusammenhänge zu erfassen und die Welt zu durchdenken. Du hast vielleicht eine Schwäche im auditiven oder sequentiellen Lernen, weil dein Gehirn einfach anders organisiert ist. Aber das ist in Ordnung. Du bist kein defekter Normaldenkender. Du bist ein außergewöhnlicher Bilderdenker. Und das ist ein entscheidender Unterschied.

Manchmal hilft es, diesen Weg nicht allein zu gehen. Viele ungeklärte Lebensthemen und innere Hemmschwellen entstehen aus dem jahrelangen Missverstanden-werden.

Wenn du herausfinden möchtest, ob Hochsensibilität oder Hochbegabung dein Denken prägen, findest du auf hochix.com kostenlose Onlinetests, die dir einen ersten Einblick geben.

Dein Denken ist kein Fehler

Du denkst in Bildern, und das ist eine Stärke. Dein Gehirn verarbeitet die Welt auf eine Weise, die viele andere sich nicht vorstellen können. Erkenne diese Gabe an, lerne, sie zu nutzen und sei fair zu dir selbst. Du hast alles, was du brauchst, um außergewöhnlich zu sein. Du bist es bereits.

Schau dir hier ein Video zum Thema an:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Kommentare

40 Kommentare

  1. Okay…und was ist los wenn beides zutrifft? Das hier beschriebene trifft 100% zu, es schockierte mich, jedoch sind Dinge die man dann eig. nicht kann auch einfach wie Rechnen oder Deutsch (bis auf das mit Worten lesen da muss ich auch ne Weile nachdenken und wiederholt lesen).

    Ich denke auch visuell-räumlich aber dazu auch in Worten und Zahlen.
    Ich kann auch gut beschreiben und reden, aber das andere genau so gut.

    Beim Tagträumen und allgemein Denken wird das sehr überfordernd und lähmend, die visuell räumlichen Gedanken mischen sich irgendwie mit Worten und Zahlen und die Gedanken die weder visuell räumlich noch in Worten oder Zahlen fassbar sind die ich irgendwie „fühle“ (gibt das Sinn?) Ich bin oft stundenlang gefangen in diesen gefühlt unnatürlichen Gedankengängen, manchmal habe ich sowas wie Aussetzer wenn zu viele Gedanken in versch. Arten auf einmal da sind ich keinen wirklich fasse aber gleichzeitig auch mit allen beschäftigt bin und alle anfange aber nicht beenden kann. Wie ein Windows Absturz.
    Ich denke auch ständig weiter als normal ist, wo die Worte aufhören und es schwieriger ist weiter zu denken. Übers Leben, aber alles wird hinterfragt soweit bis es keine Antworten gibt, Fragen die nicht mal richtig gestellt werden können, zb woraus besteht alles, kleine Atome ja aber woraus bestehen die, und immer weiter, woher kommt alles, das Universum und noch tiefer.
    Ich hoffe nicht das es so ist aber es fühlt sich an als würde niemand jemals auf diese Art Denken, wenn hätte ich das evtl irgendwo gehört, gelesen oder bei jemanden erkannt habe ich aber leider nicht. Dafür gibt es wohl keine Lösung, aber es macht mir manchmal Angst und es fühlt sich ungesund und unnormal an. Sogar Freunde waren dieser Meinung als ich es versuchte ungefähr zu erklären.

    Während des Schreibens hatte ich mind. 10 fertige Gedankengänge in allerlei Arten sicher 20 unfertige und gedauert hats fast mehr als eine Stunde..XD

    1. Witzig, gerade habe ich über den selben Kram nachgedacht und überlegt, ob ich das lieber „wunderlich“, oder „vielleicht doch wahnsinnig“, oder “ übergebildet“, oder „wahnsinnig und/oder eingebildet“, oder…ich könnte da mit Freuden noch ewig weitermachen …

      Aber ich hab das auch, ich habe auch nicht wirklich ein Problem damit, weil ich so langsam den Spaß damit begreife… …aber ich kann damit vielen anderen prima neue Probleme machen.
      Manchmal auch sogar mir selber…

      Aber egal… Bis jetzt habe ich scheinbar auch was richtig gemacht…bin ja noch da

  2. Vielen Dank für die Eingebung, die ich gerade hatte :D!
    Ich bin eindeutig Bilderdenkerin, hatte aber keine Ahnung, dass das außergewöhnlich ist. Ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht, wie andere Menschen denken und habe das Denken in Bildern als völlig normal/durchschnittlich interpretiert. Mit einem (offiziell getesteten) IQ von 132 bin ich gerade so in der „Hochbegabungszone“. Ich bin trotzdem eine furchtbare Kopfrechnerin- Mathematik liegt mir überhaupt nicht, weil ich zu Zahlen absolut keine Bilder im Kopf habe habe. Zeitbegrenzte Tests stressen mich (vor allem, wenn sie mit Mathematik zu tun haben, hihi). Auswendig lernen fällt mir jedoch nicht besonders schwer- ich denke, dass mein auditives Gedächtnis auch nicht so schlecht ist. Auswendig zu lernende Texte lerne ich nämlich als „Tonspur“ in meinem Kopf (anders kann ich es gerade nicht beschreiben). Immer wieder habe ich bei Tests deshalb Begriffe verwechselt, wenn sie sich ähnlich anhören. Und oft fehlt mir beim Auswendiglernen einfach der Kontext und ich kann gelerntes eher 1:1 wiedergeben, als etwas erklären. Deshalb habe ich lieber einen Bogen darum gemacht und sämtlichen Lernstoff so gut wie möglich visualisiert. Ich bin Synästhetikerin. Dh, dass jeder Buchstabe (den ich mir natürlich bildlich vorstelle), für mich eine Farbe hat. Und zwar immer die selbe. A= rot, B=blau, C=gelb, D=grün, E=orange, F=gelb,… Äußerst verwirrend beim Wiederfinden des Autos, wenn Parkdeck A zBsp blau gekennzeichnet ist, weil ich dann nicht mehr weiß, ob ich nicht doch auf Parkdeck B stehe (weil B=blau in meinem Kopf)… Auch Wochentage haben eine Farbe, genauso wie Töne. Musik sieht für mich bei geschlossenen Augen wie ein abstraktes, bewegtes Gemälde aus.
    Womit ich absolut keine Probleme habe, sind (auch schnelles) Lesen & Schreiben. Sprachen gehörten neben den musischen Fächern immer zu meinen Stärken. Ich bin kreativ und arbeite auch in einem solchen Job. Angefangen habe ich nach einer umfangreichen Ausbildung als Grafikerin, inzwischen arbeite ich als User Experience Professional in einem landesweiten Konzern. Ich bin für die Nutzerfreundlichkeit von Apps/Websites zuständig. Meine Feinfühligkeit für andere Menschen hilft mir dabei sehr, da ich regelmäßig Testpersonen einlade und „lese“, um Probleme für Nutzer festzustellen. Der kreative Part liegt dann im Lösen dieser Probleme durch abgeänderte Designs. Der Job liegt mir mit meiner Persönlichkeitsstruktur perfekt. Alle anderen, im Artikel aufgezählten Punkte, treffen absolut auf mich zu. Ich bin sehr intuitiv, bin nahezu unfähig, Kopfentscheidungen zu treffen und in meiner Denkweise oft zu sprunghaft für andere Menschen.
    Glücklicherweise habe ich (nach langem „Kampf“) einen Partner gefunden, der mich perfekt ergänzt. Er ist ebenfalls hochbegabt (mit einem IQ von jenseits der 140)- jedoch eher auf logischer/mathematischer und rationaler Ebene. Er ist der erste Partner, der mir tatsächlich (meistens ;)) folgen kann und bei dem ich nicht das Gefühl habe, ich müsste ihm die ganze Welt erklären. Unser vereintes Allgemeinwissen macht uns zusammen unschlagbar, haha. Unsere Freunde behaupten, es wäre manchmal recht anstrengend mit uns, da sie unseren Gesprächen mit den besagten Gedankensprüngen oft nur schwer bis gar nicht folgen können.
    Seit ich den richtigen Job und den richtigen Partner für mich gefunden habe, bin ich viel glücklicher und ausgeglichener im Leben. Es hat gedauert, bis ich 35 war, aber das hat sich gelohnt :).
    Ich wünsche allen hier, dass sie genauso ihren Weg finden können, wie ich es glücklicherweise geschafft habe. Der Weg dorthin ist wirklich steinig. Also nicht aufgeben! Ihr seid alle etwas Besonderes- lasst euch niemals von jemandem einreden, dass Anderssein falsch ist!
    Alles Liebe!

    1. Hey Claudia, hab gerade deinen Kommentar gelesen und du hast mir aus der Seele gesprochen!
      Kann ich dir evtl ein paar Fragen per Email schicken? Bzgl deiner Beschreibung Partner und Job. Beides macht mich wahnsinnig, da ich so oft an mir gezweifelt habe und immer zu dem Punkt komme ‚das ist doch logisch, warum kapiert er/sie das nicht‘. Ich bin oft zu schnell und letztendlich steh ich aber wie ein Horst da, weil ich ‚zu schnell‘ denke. Andre sammeln die Lorbeeren ein. Bin vor ein paar Jahren schon zum Thema hochsensibel, Hochbegabung, hochintelligent gekommen und mir ist einiges bewusst geworden.
      Falls du Lust hast oder dafür offen bist würde ich mich freuen 🙂
      Liebe Grüße Sarah

  3. Ich glaube zwar nicht, dass ich hochbegabt bin, aber ich finde mich in vielen Punkten schon wieder. Rechtschreibung und Mathe fiel mir früher immer schwer. Ich mochte lieber Geschichte und Erdkunde, wo ich mir die Menschen und Konzepte bildhaft vorstellen konnte und ich war generell immer langsam, weswegen ich auch auf eine Lernschwäche getestet wurde.

    Mit der Zeit habe ich jedoch gelernt meine Bilder in Sprache zu übersetzen und umgekehrt – wenn auch mit einigen Bedenksekunden.

    Da ich jetzt sogar Germanistik studiere, ist es mir wohl gelungen 🙂

  4. Liebe Anne,

    Ich wusste zwar das ich eine Bilderdenkerin bin, jedoch wusste ich bisher nicht was da alles noch „dran hängt“ mir gehen gerade mehrere Lichter auf ☀️☀️☀️☀️☀️☀️ und ich verstehe Zusammenhänge .

    Daaaaankeschön ☺️
    Liebe Grüße Marion

  5. Hallo Anne, was für eine tolle Erklärung! Es fällt schwer nicht an sich selbst und seiner Intelligenz zu zweifeln, wenn man eigentlich durchaus versteht, aber es dann nicht oder nur schwer in Worte fassen kann. Oder wenn jemand einem etwas erklärt und man genau weiß, man braucht eine bildlichere Herangehensweise, aber der andere ist nur noch frustriert, weil es ihm/ihr so logisch und einfach zu verstehen vorkommt.
    Wenn man dann etwas verstanden, ist es oft so, als müsste man sein Wissen erst dadurch legitimieren (oder vielleicht ist das auch mein überzogener Maßstab), dass man es anderen verständlich vorkaut, denn sonst könnte ja jeder sagen, er wisse etwas und sei klug. Ich fühle mich oft begrenzt darin und vermeide es deswegen manchmal in Diskussionen einzusteigen und in einen Wissensaustausch einzugehen, weil die Worte anderer mehr als nur ein Bild in meinem Kopf auslösen. Sie werden dadurch abstrakter und ich habe viel mehr Interpretationsspielraum. Während um mich herum den meisten Menschen klar zu sein scheint, worauf jemand mit seiner Frage oder Aussage hinaus will, warte ich lieber ab und versuche durch den Kontext meine Interpretationsmöglichkeiten zu beleuchten und die „Richtige“ zu finden. Dadurch brauche ich meist viel mehr Bedenkzeit bevor ich rede oder das Gefühl habe, etwas wirklich verstanden zu haben. Ich scheine deswegen auch viel mehr das Bedürfnis zu haben, meine Worte in Ruhe vorher abzuwägen und zu wählen. Es kann sehr frustrierend sein, wenn man dadurch dann in Gesprächen den Anschluss verliert und nicht zu Wort kommt, obwohl man sich gerne mitgeteilt hätte.
    Deine Erklärung hilft mir hoffentlich, damit ich gnädiger mit mir bin und meinen Frust darüber auch anderen verständlich mitteilen kann. Ich bin mir sicher, dass das Verständnis meiner Gesprächspartner zu Kompromissen führen kann, die dann für alle Beteiligten bereichernd sein können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mehr zum Thema