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Wie wissenschaftlich ist HOCHiX? Was hinter unserem Ansatz wirklich steckt

Wie wissenschaftlich ist HOCHiX? Was hinter unserem Ansatz wirklich steckt
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Was erforscht ist, wo die Wissenschaft noch diskutiert, was aus der Praxis stammt und warum wir genau diese Unterschiede offen benennen.

Hochsensibilität, Hochbegabung, Vielbegabung, ADHS, Autismus: Vielleicht fragst du dich, wie wissenschaftlich ist HOCHiX eigentlich? Diese Frage ist berechtigt. Ich beantworte sie dir hier so ehrlich wie möglich. Du erfährst, wo wir uns auf gesicherte Forschung stützen, wo Fragen offen sind und welche Begriffe aus unserer Praxis stammen. So kannst du selbst einschätzen, was du von unserem Ansatz erwarten darfst.

Wenn Menschen zum ersten Mal mit HOCHiX in Berührung kommen, begegnen ihnen ziemlich schnell Begriffe wie Hochsensibilität, Hochsensitivität, Hochbegabung, Vielbegabung, ADHS, Autismus und Neurodivergenz. Und irgendwann taucht beinahe zwangsläufig die Frage auf: Wie wissenschaftlich ist das eigentlich alles?

Ich mag diese Frage. Wirklich. Denn sie zwingt uns dazu, etwas auseinanderzuhalten, was im Internet gern wild miteinander vermischt wird: wissenschaftliche Erkenntnisse, medizinische Diagnosen, psychologische Modelle, Erfahrungswissen und praktische Arbeitsmodelle. Das alles kann ausgesprochen wertvoll sein. Es ist nur nicht dasselbe.

Deshalb möchte ich hier einmal ausführlich erklären, worauf unsere Arbeit in der HOCHiX-Akademie beruht. Du erfährst, wo wir uns auf etablierte wissenschaftliche Erkenntnisse stützen, wo die Forschung selbst noch diskutiert und warum ich nach inzwischen 38 Jahren Arbeit mit Menschen auch dem Erfahrungswissen einen hohen Stellenwert einräume.

Vielleicht hast du schon einen unserer Selbsttests gemacht, einen Artikel gelesen oder überlegst, selbst Coach zu werden. Dann hast du eine klare Antwort verdient.

Kurz gesagt

HOCHiX ist keine Diagnose und kein wissenschaftliches Klassifikationssystem, sondern ein Arbeitsmodell der HOCHiX-Akademie, das ich aus 38 Jahren Arbeit mit Menschen entwickelt habe. Es verbindet gut erforschte Bereiche wie ADHS, Autismus und Hochbegabung mit dem wachsenden Forschungsfeld der Sensory Processing Sensitivity und mit Erfahrungswissen aus der Coachingpraxis. Wir unterscheiden dabei offen zwischen gesicherten Erkenntnissen, offenen Forschungsfragen und eigenen Praxismodellen.

Was ist HOCHiX? Ein Arbeitsmodell, keine Diagnose

HOCHiX ist ein aus jahrzehntelanger Praxis entstandenes Arbeitsmodell für Menschen mit Hochsensibilität, Hochsensitivität, Hoch- und Vielbegabung, ADHS und Autismus, das deren Überschneidungen gemeinsam betrachtet, ohne daraus eine neue Diagnose zu machen.

Beginnen wir mit dem Wichtigsten: HOCHiX ist weder eine medizinische Diagnose noch ein wissenschaftliches Klassifikationssystem. Wir haben auch nicht den Anspruch, mit HOCHiX eine neue psychologische Theorie erfunden zu haben, die nun bitte von der Wissenschaft bestätigt werden möge.

Das Modell hat sich aus meiner jahrzehntelangen praktischen Arbeit mit Menschen entwickelt. Es verbindet unterschiedliche Phänomene, die wissenschaftlich teilweise sehr gut erforscht sind, teilweise noch intensiv untersucht werden und teilweise aus der Praxis heraus beschrieben werden.

Genau diese Unterscheidung ist mir wichtig. Wir orientieren uns am aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse, wo entsprechende Forschung vorhanden ist. Gleichzeitig beobachten wir sehr genau, was uns Menschen in der Praxis zeigen. Und wir tun nicht so, als wäre eine Beobachtung automatisch wissenschaftlich bewiesen, nur weil sie uns in vielen Jahren immer wieder begegnet ist.

Umgekehrt halte ich allerdings auch wenig von der Vorstellung, etwas dürfe im Leben eines Menschen erst dann eine Rolle spielen, wenn mindestens drei Metaanalysen und zwölf Doppelblindstudien dazu erschienen sind. Menschen sind glücklicherweise etwas komplizierter.

Warum wir überhaupt von HOCHiX sprechen

Als ich vor vielen Jahren begann, mich intensiv mit Hochsensibilität und Hochbegabung zu beschäftigen, fiel mir immer stärker auf, dass viele Menschen nicht sauber in eine einzige Kategorie passen. Der hochbegabte Mensch war gleichzeitig hochsensibel. Die Vielbegabte zeigte deutliche ADHS-Merkmale. Der autistische Erwachsene war hochbegabt. Andere Menschen fanden sich gleichzeitig in mehreren dieser Beschreibungen wieder.

Natürlich könnte man versuchen, für jedes Merkmal eine eigene Schublade zu bauen. In der Praxis sitzt vor mir aber kein Schubladenschrank. Dort sitzt ein Mensch.

Genau daraus ist HOCHiX entstanden. Der Begriff ermöglicht uns, verschiedene Besonderheiten und ihre Überschneidungen gemeinsam zu betrachten, ohne daraus eine neue Diagnose zu konstruieren. Uns interessiert nicht nur die Frage, welche Bezeichnung ein Mensch trägt. Viel interessanter ist für uns, wie dieser konkrete Mensch wahrnimmt, denkt, fühlt, lernt, arbeitet, Beziehungen gestaltet und sein Leben organisiert.

Das ist ein anderer Blickwinkel. Und für Coaching ist er ausgesprochen wertvoll. In der HOCHiX-Akademie sagen wir dazu gern: Niemand ist nur einfarbig. Warum uns gerade diese Überschneidungen so interessieren, erkläre ich ausführlich im Artikel Neurodivergenz verstehen: Warum Schnittmengen mehr sagen als Schubladen.

Ist Neurodivergenz eine Diagnose?

Auch der inzwischen sehr verbreitete Begriff Neurodivergenz führt gelegentlich zu Missverständnissen. Neurodivergenz ist keine medizinische Diagnose, sondern ein Oberbegriff aus dem Neurodiversitätsansatz. Er lenkt den Blick darauf, dass menschliche Gehirne unterschiedlich funktionieren und dass Abweichungen von einer statistischen Norm nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt eines Defizits betrachtet werden müssen.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, Schwierigkeiten schönzureden. ADHS kann Menschen massiv beeinträchtigen. Autistische Menschen können unter bestimmten Anforderungen ihrer Umwelt erheblich leiden. Hochbegabung ist kein Garant für beruflichen Erfolg und Hochsensibilität bedeutet keineswegs, dass jemand einfach ein bisschen feinfühliger und ansonsten immer glücklich durchs Leben schwebt.

Der Neurodiversitätsansatz erlaubt uns aber eine zusätzliche Frage: Was passiert, wenn nicht nur der Mensch Schwierigkeiten hat, sondern auch die Umgebung schlicht nicht zu diesem Menschen passt? Diese Frage spielt in unserer Arbeit eine große Rolle. In der HOCHiX-Akademie nennen wir diese Haltung Resonanz statt Reparatur.

ADHS und Autismus: Hier gibt es keinen wissenschaftlichen Exotenbonus

Bei ADHS und Autismus bewegen wir uns in wissenschaftlich intensiv erforschten Bereichen. Beide gehören zu den neuroentwicklungsbezogenen Phänomenen, für die internationale diagnostische Kriterien und eine umfangreiche Forschung existieren. Auch ADHS bei Erwachsenen ist längst kein exotisches Randthema mehr. Allein die internationale Konsenserklärung der World Federation of ADHD fasst 208 evidenzbasierte Aussagen zu ADHS zusammen (Faraone u. a., 2021).

Interessant wird es trotzdem, sobald wir den einzelnen Menschen betrachten. Erwachsene entwickeln im Laufe ihres Lebens erstaunlich ausgefeilte Strategien, um Schwierigkeiten auszugleichen, zu verbergen oder irgendwie mit ihnen zurechtzukommen. Gerade bei spät erkannten Menschen begegnen uns deshalb Lebensgeschichten, die sich nicht auf eine Checkliste reduzieren lassen.

In der HOCHiX-Akademie diagnostizieren wir weder ADHS noch Autismus. Das gehört in fachkundige Hände. Wir beschäftigen uns vielmehr mit der Frage, welche Auswirkungen eine bestimmte Art der Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Reizverarbeitung, Motivation und Selbststeuerung auf das Leben eines Menschen haben kann und was das für Coaching bedeutet.

Wer sich beispielsweise dafür interessiert, was neurologisch bei ADHS und Ablenkbarkeit geschieht, findet mehr dazu in meinem Artikel „ADHS und das Default Mode Network: Warum Ablenkung kein Versagen ist“.

Was unsere Selbsttests leisten und was nicht

Unsere frei zugänglichen Selbsttests sind keine Diagnostik. Sie dienen der Orientierung und Selbstreflexion. Manchmal geben sie wertvolle Hinweise und führen überhaupt erst dazu, dass jemand die richtigen Fragen stellt. Eine medizinische oder psychologische Diagnostik ersetzen sie aber nicht. Wie groß der Unterschied zwischen Screening und fachkundiger Diagnostik ist, zeigen systematische Übersichtsarbeiten zu Autismus-Fragebögen für Erwachsene (Baghdadli u. a., 2017; Wigham u. a., 2019).

Hochbegabung ist viel besser erforscht, als manche glauben

Auch Hochbegabung ist keine Erfindung der Coachingwelt. Intelligenz gehört zu den am intensivsten untersuchten psychologischen Merkmalen überhaupt. Gleichzeitig existiert nicht nur eine einzige Definition von Begabung, auf die sich sämtliche Wissenschaftler dieser Welt irgendwann feierlich geeinigt hätten. Unterschiedliche Modelle setzen unterschiedliche Schwerpunkte und berücksichtigen neben psychometrisch gemessener Intelligenz beispielsweise Leistung, Kreativität, Motivation oder Entwicklung.

Für unsere Arbeit ist ohnehin noch etwas anderes entscheidend: Ein hoher IQ erzählt uns erstaunlich wenig darüber, wie glücklich ein Mensch ist, wie gut er mit sich selbst zurechtkommt oder ob er einen Platz gefunden hat, an dem seine Fähigkeiten überhaupt gebraucht werden.

Ich habe in vielen Jahren genügend hochbegabte Menschen kennengelernt, die sich keineswegs besonders begabt fühlten. Manche hielten sich sogar für ausgesprochen unfähig, weil ihnen Dinge schwerfielen, die für ihr Umfeld selbstverständlich schienen, während ihnen hochkomplexe Zusammenhänge beinahe mühelos zufielen.

Ein IQ-Wert kann etwas Wichtiges beschreiben. Er erzählt aber niemals die ganze Geschichte eines Menschen. Und genau dort beginnt unsere Arbeit.

Hochsensibilität: wissenschaftlich oder nur ein schönes Internetetikett?

Kaum ein Begriff wird gleichzeitig so begeistert verwendet und so energisch bestritten wie Hochsensibilität. Im wissenschaftlichen Kontext begegnet uns vor allem der Begriff Sensory Processing Sensitivity, kurz SPS. Sensory Processing Sensitivity beschreibt eine individuelle Ausprägung erhöhter Sensitivität gegenüber inneren und äußeren Reizen beziehungsweise Umwelteinflüssen. Grundlegend beschrieben haben das Konzept Elaine und Arthur Aron im Jahr 1997.

Dazu existiert inzwischen ein beachtliches und weiter wachsendes Forschungsfeld. Untersucht werden unter anderem Reizverarbeitung, Wahrnehmung, Persönlichkeit, Umweltreaktivität und mögliche neuronale Zusammenhänge. Gleichzeitig gibt es offene Fragen, unterschiedliche Interpretationen und methodische Diskussionen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Trends in Cognitive Sciences fasst den Forschungsstand zusammen und benennt die offenen Punkte sehr deutlich (Greven u. a., 2026).

Mich stört das überhaupt nicht. Im Gegenteil. Genau so funktioniert Wissenschaft. Sie entwickelt Modelle, überprüft sie, verwirft manches, differenziert anderes und weiß heute hoffentlich mehr als vor zwanzig Jahren.

Problematisch wird es erst, wenn aus wissenschaftlicher Unsicherheit entweder ein „Das gibt es alles gar nicht“ oder ein „Das ist längst vollständig bewiesen“ gemacht wird. Beides ist mir zu simpel. Ausführlicher findest du das Thema in meinem Grundlagenartikel „Hochsensibilität und Hochsensitivität: Vom Überreizten zum Überlegenen“.

Warum wir Hochsensibilität und Hochsensitivität unterscheiden

In der HOCHiX-Akademie unterscheiden wir seit vielen Jahren zwischen Hochsensibilität und Hochsensitivität. Diese Unterscheidung ist kein allgemein anerkanntes wissenschaftliches Klassifikationssystem und wir behaupten auch nicht, dass sie eines wäre. Sie ist aus der Praxis entstanden, weil sie sich dort als ausgesprochen hilfreich erwiesen hat.

Wir erleben Menschen, bei denen eine starke sensorische und emotionale Reizoffenheit im Vordergrund steht. Bei anderen erleben wir zusätzlich oder stärker eine sehr feine Wahrnehmung zwischenmenschlicher Prozesse, eine ausgeprägte Intuition, Resonanzfähigkeit und ein schnelles Erfassen komplexer Zusammenhänge. Für unsere praktische Arbeit kann es enorm hilfreich sein, diese Phänomene nicht einfach alle in denselben Topf zu werfen.

Das macht daraus keine neue medizinische Diagnose. Es macht daraus ein Arbeitsmodell. Und Arbeitsmodelle dürfen genau das tun: Sie sollen uns helfen, Menschen besser zu verstehen und sinnvoller mit ihnen zu arbeiten. Ausführlicher beschreibe ich diese Differenzierung im Artikel Unterschiede zwischen Hochsensibilität und Hochsensitivität.

Vielbegabung, Multipotentialität und die berühmte Scannerpersönlichkeit

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Scannerpersönlichkeit. Bekannt wurde er durch die amerikanische Autorin Barbara Sher, er stammt also aus der populärwissenschaftlichen Literatur. Eine medizinische oder psychologische Diagnose ist er nicht. Niemand bekommt beim Psychologen einen Befund mit dem Diagnosecode „Scanner“.

Hinter dem Begriff steht dennoch ein Phänomen, das viele Menschen sehr gut aus ihrem eigenen Leben kennen: eine außergewöhnliche Breite von Interessen und Fähigkeiten, verbunden mit dem Bedürfnis, sich nicht dauerhaft auf ein einziges Gebiet festlegen zu müssen.

In der wissenschaftlichen Literatur begegnet uns in diesem Zusammenhang unter anderem der Begriff Multipotentialität. Auch hier lohnt sich allerdings die Differenzierung. Die Forschung gibt keinen Anlass für die populäre Behauptung, Hochbegabte seien automatisch alle vielbegabt (Achter, Benbow und Lubinski, 1997). Das sind unterschiedliche Phänomene, die gemeinsam auftreten können, aber keineswegs müssen.

Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, wie wir in der HOCHiX-Akademie arbeiten. Wir nehmen ein in der Praxis deutlich sichtbares Phänomen ernst, ohne daraus eine Diagnose zu machen und ohne mehr Wissenschaftlichkeit zu behaupten, als tatsächlich vorhanden ist. Die Unterschiede zwischen Vielbegabung und Scannerpersönlichkeit habe ich im Artikel Vielbegabung oder Scannerpersönlichkeit? Eine differenzierende Betrachtung im metakognitiven Coaching ausführlich beschrieben.

Warum ich Erfahrungswissen für unverzichtbar halte

Ich begleite Menschen seit 1988. Seit mehr als zwei Jahrzehnten liegt mein Schwerpunkt auf Menschen mit Hochsensibilität, Hochsensitivität, Hochbegabung und Vielbegabung. Später kamen ADHS und Autismus immer stärker hinzu, nicht zuletzt deshalb, weil die Überschneidungen in unserer täglichen Arbeit unübersehbar wurden.

Wenn du über Jahrzehnte mit Menschen arbeitest, erkennst du Muster. Manche davon findest du später in wissenschaftlichen Veröffentlichungen wieder. Bei anderen beginnt Forschung irgendwann Fragen zu stellen, die Praktiker schon länger beschäftigen. Und manches bleibt zunächst eine Beobachtung aus der Praxis.

Ich habe überhaupt kein Bedürfnis, aus jeder dieser Beobachtungen eine wissenschaftliche Wahrheit zu machen. Das wäre unseriös. Aber ich habe ebenso wenig Interesse daran, jahrzehntelanges Erfahrungswissen für wertlos zu erklären, nur weil noch niemand eine Studie dazu finanziert hat.

Wissenschaft und Praxis sind für mich keine Konkurrenten. Im besten Fall korrigieren, inspirieren und befruchten sie einander. Forschung schützt Praktiker davor, ihre eigenen Beobachtungen vorschnell zur Wahrheit zu erklären. Praxis wiederum stellt Fragen, auf die Forschung manchmal erst Jahre später aufmerksam wird. Genau diese Verbindung empfinde ich als fruchtbar.

Coaching ist keine Therapie und soll auch keine werden

Zu einem seriösen Umgang mit Neurodivergenz gehört für mich zwingend, die Grenzen von Coaching zu kennen. Ein Coach diagnostiziert keine psychischen Erkrankungen und behandelt sie auch nicht. Eine Coaching-Ausbildung ersetzt weder ein Psychologiestudium noch eine medizinische oder psychotherapeutische Ausbildung.

Gleichzeitig ist glücklicherweise nicht jede Herausforderung des menschlichen Lebens eine psychische Erkrankung.

Wenn ein hochbegabter Mensch seit Jahren in einem beruflichen Umfeld verkümmert, das ihn permanent unterfordert, braucht er deshalb nicht automatisch Therapie. Wenn eine vielbegabte Frau verzweifelt versucht, endlich den einen Beruf fürs ganze Leben zu finden, obwohl genau dieses Lebensmodell überhaupt nicht zu ihr passt, kann Coaching ausgesprochen sinnvoll sein. Und möchte ein neurodivergenter Mensch lernen, seine Arbeit, seine Beziehungen und seinen Alltag besser an seine tatsächlichen Bedürfnisse anzupassen, bewegen wir uns mitten im klassischen Feld guter Persönlichkeitsentwicklung.

Die Kunst besteht nicht darin, Coaching möglichst groß zu machen. Die Kunst besteht darin zu wissen, wo es hingehört und wo nicht. Genau das vermitteln wir in unserer Ausbildung zum HOCHiX-Coach. Mehr dazu liest du im Artikel Coaching oder Therapie? So erkennst du den Unterschied.

Was bedeutet „wissenschaftlich fundiert“ in der HOCHiX-Akademie?

Vielleicht liegt genau hier das größte Missverständnis. Wissenschaftlich fundiert zu arbeiten bedeutet für mich nicht, jeden Satz mit einer Studie zu dekorieren und anschließend so zu tun, als könne menschliches Leben vollständig aus Forschungspapieren abgeleitet werden.

Es bedeutet, den aktuellen Wissensstand zu kennen und ernst zu nehmen. Es bedeutet, wissenschaftlich etablierte Erkenntnisse von Hypothesen, Erfahrungswissen und eigenen Arbeitsmodellen unterscheiden zu können. Dazu gehört auch, neue Erkenntnisse aufzunehmen und alte Annahmen zu verändern, wenn sie sich als falsch oder unvollständig erweisen.

Genau deshalb sage ich sehr klar, wo welcher Bereich heute steht:

Wie gut sind die einzelnen Bereiche erforscht?

●      ADHS und Autismus: wissenschaftlich intensiv untersuchte neuroentwicklungsbezogene Phänomene mit internationalen Diagnosekriterien.

●      Hochbegabung und Intelligenz: eine lange Forschungstradition, psychometrisch messbar, mit verschiedenen Begabungsmodellen.

●      Hochsensibilität (Sensory Processing Sensitivity): ein wachsendes internationales Forschungsfeld mit offenen Fragen, keine Diagnose.

●      Multipotentialität und Scannerpersönlichkeit: wissenschaftlich untersucht, aber differenzierter zu betrachten, als viele populäre Beschreibungen vermuten lassen.

●      Unterscheidung von Hochsensibilität und Hochsensitivität: ein aus unserer praktischen Arbeit entstandenes Modell der HOCHiX-Akademie.

Und HOCHiX selbst verbindet diese unterschiedlichen Perspektiven. Nicht als Diagnose und nicht als neues wissenschaftliches Klassifikationssystem, sondern als Arbeitsmodell für Menschen, deren Denken, Wahrnehmen, Fühlen und Handeln sich mit einer einzigen Kategorie häufig erstaunlich schlecht beschreiben lässt.

Wissenschaft verändert sich. Und gute Praxis hoffentlich auch.

Ich habe inzwischen elf Bücher geschrieben. Mein erstes Wissen über Hochsensibilität, Hochbegabung oder Vielbegabung stammt aus einer anderen Zeit als das, was wir heute wissen. Selbstverständlich hat sich mein Blick verändert. Alles andere würde mich ehrlich gesagt beunruhigen.

Was wir vor zwanzig Jahren über ADHS bei Erwachsenen wussten, entspricht nicht dem heutigen Wissensstand. Unser Verständnis von Autismus hat sich erheblich erweitert. Sensory Processing Sensitivity wird intensiver erforscht. Begabungsmodelle werden diskutiert und weiterentwickelt. Und natürlich entwickelt sich auch meine Arbeit weiter.

Ein Buch, das ich vor vielen Jahren geschrieben habe, bildet meinen damaligen Wissensstand und meine damalige Erfahrung ab. Heute weiß ich mehr. In zehn Jahren möchte ich wiederum mehr wissen als heute.

Wer nach 38 Jahren Arbeit mit Menschen noch exakt dasselbe erzählt wie am ersten Tag, hat entweder damals bereits sämtliche Geheimnisse des menschlichen Daseins gekannt oder irgendwann aufgehört zu lernen. Ich halte die zweite Möglichkeit für erheblich wahrscheinlicher.

So prüfst du Aussagen über Neurodivergenz selbst

●      Wird hier eine Diagnose beschrieben, ein Forschungsbefund oder ein Modell aus der Praxis?

●      Nennt die Quelle Studien und benennt sie auch offene Fragen?

●      Verspricht jemand Gewissheit, wo die Forschung noch diskutiert?

●      Wird ein Selbsttest als Diagnose verkauft?

●      Hilft dir die Beschreibung, dich besser zu verstehen, oder steckt sie dich nur in eine Schublade?

Häufige Fragen zur wissenschaftlichen Grundlage von HOCHiX

Ist HOCHiX wissenschaftlich anerkannt?

HOCHiX ist kein wissenschaftliches Klassifikationssystem und keine medizinische oder psychologische Diagnose. Es ist ein aus jahrzehntelanger Praxis entwickeltes Arbeitsmodell, das Erkenntnisse aus wissenschaftlich untersuchten Bereichen wie Hochbegabung, Sensory Processing Sensitivity, ADHS und Autismus mit praktischem Erfahrungswissen verbindet.

Ist Hochsensibilität wissenschaftlich belegt?

Sensory Processing Sensitivity, kurz SPS, ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Das Forschungsfeld hat sich in den vergangenen Jahren erheblich entwickelt. Gleichzeitig bestehen weiterhin offene Fragen zur genauen Konzeptualisierung, Messung und Abgrenzung. Hochsensibilität ist keine medizinische Diagnose.

Ist Hochsensitivität wissenschaftlich anerkannt?

Unsere Unterscheidung zwischen Hochsensibilität und Hochsensitivität ist ein Arbeitsmodell der HOCHiX-Akademie, das aus jahrzehntelanger praktischer Erfahrung entstanden ist. Wir bezeichnen diese Differenzierung ausdrücklich nicht als wissenschaftlich anerkanntes Klassifikationssystem oder Diagnosemodell.

Ist eine Scannerpersönlichkeit wissenschaftlich anerkannt?

Scannerpersönlichkeit ist keine medizinische oder psychologische Diagnose. In der wissenschaftlichen Literatur gibt es verwandte Forschungsfragen rund um Multipotentialität, Interessenprofile und Begabungsstrukturen. Wir verwenden Scannerpersönlichkeit als praxisorientierten Begriff für eine bestimmte Dynamik von Interessenvielfalt, Neugier und geistiger Beweglichkeit.

Sind die HOCHiX-Online-Tests wissenschaftliche Tests?

Nein. Unsere frei zugänglichen Online-Tests dienen der Orientierung und Selbstreflexion. Sie können dir helfen, bestimmte Muster bei dir zu erkennen und weiterführende Fragen zu entwickeln. Eine medizinische, psychologische oder psychiatrische Diagnostik ersetzen sie nicht.

Ist die HOCHiX Coaching-Ausbildung eine therapeutische Ausbildung?

Nein. Wir bilden Coaches aus. Die HOCHiX Coaching-Ausbildung ersetzt weder eine psychotherapeutische noch eine medizinische oder psychologische Berufsausbildung. Gerade deshalb gehört die Fähigkeit, die Grenzen des Coachings zu erkennen, für uns zu professionellem Coaching dazu.

Wie wissenschaftlich ist HOCHiX nun also wirklich?

HOCHiX ist ein aus jahrzehntelanger Praxis entstandenes Arbeitsmodell, das sich am aktuellen wissenschaftlichen Wissensstand orientiert und gleichzeitig Erfahrungswissen ernst nimmt. Wir unterscheiden bewusst zwischen wissenschaftlich etablierten Erkenntnissen, Forschungsfeldern mit offenen Fragen, praktischen Modellen und medizinischer beziehungsweise psychologischer Diagnostik.

Ich halte genau diese Ehrlichkeit für wesentlich seriöser, als jedem interessanten menschlichen Phänomen entweder vorschnell ein wissenschaftliches Gütesiegel aufzukleben oder es für Unsinn zu erklären, solange nicht sämtliche Fragen abschließend erforscht sind.

Menschen sind keine Studienobjekte auf zwei Beinen. Sie sind komplex, widersprüchlich und manchmal ausgesprochen unbequem für unsere hübsch sortierten Kategorien.

Der Kern unserer Arbeit

Vielleicht ist das sogar der Kern unserer Arbeit in der HOCHiX-Akademie: Wir interessieren uns nicht in erster Linie dafür, in welche Schublade du möglichst perfekt passt. Wir wollen verstehen, wie du funktionierst, was du brauchst, welche Bedingungen dich stärken und wie du ein Leben gestalten kannst, das tatsächlich zu dir passt.

Dafür brauchen wir Wissenschaft. Dafür brauchen wir Erfahrung und gute Methoden. Vor allem aber brauchen wir die Bereitschaft, immer wieder neu hinzuschauen.

Wenn gute Forschung morgen zeigt, dass eine unserer bisherigen Annahmen falsch ist, dann ändern wir sie. Ich finde, genau so sollte es sein. Denn an einer alten Überzeugung festzuhalten, nur weil man sie irgendwann einmal veröffentlicht, gelehrt oder sogar in ein Buch geschrieben hat, wäre nicht besonders konsequent. Und wissenschaftlich wäre es schon gar nicht.

Das Wichtigste zum Mitnehmen

Du musst dich nicht zwischen Wissenschaft und Erfahrung entscheiden. Gute Begleitung braucht beides und den Mut, offen zu sagen, was gesichert ist und was nicht. Wenn du dich in mehreren Beschreibungen wiederfindest, bist du kein Sonderfall, der in keine Schublade passt. Du bist ein ganzer Mensch. Genau so darfst du auch verstanden werden.

Ich hoffe, ich habe das Geschenk deiner Zeit verdient.

Herzlichst

Anne

Quellen und weiterführende Literatur

Wenn du selbst weiter einsteigen möchtest, findest du hier die wissenschaftlichen Arbeiten, auf die ich mich in diesem Artikel beziehe. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll vor allem transparent machen, woher Erkenntnisse stammen. So kannst du selbst weiterlesen.

Wissenschaftliche Quellen

Achter, John A., Benbow, Camilla P. und Lubinski, David, 1997, Rethinking Multipotentiality Among the Intellectually Gifted: A Critical Review and Recommendations, Gifted Child Quarterly 41(1), https://doi.org/10.1177/001698629704100102 · Hinterfragt kritisch die Vorstellung, hochbegabte Menschen seien automatisch multipotentiell.

Aron, Elaine N. und Aron, Arthur, 1997, Sensory Processing Sensitivity and its relation to introversion and emotionality, Journal of Personality and Social Psychology 73(2), 345 bis 368, https://doi.org/10.1037/0022-3514.73.2.345 · Eine der grundlegenden frühen Arbeiten zur Sensory Processing Sensitivity.

Baghdadli, Amaria et al., 2017, Measurement properties of screening and diagnostic tools for autism spectrum adults of mean normal intelligence: A systematic review, European Psychiatry 44, 104 bis 124, https://doi.org/10.1016/j.eurpsy.2017.04.009 · Zeigt, warum Screening und fachkundige Diagnostik nicht dasselbe sind.

Faraone, Stephen V. et al., 2021, The World Federation of ADHD International Consensus Statement: 208 Evidence-based Conclusions about the Disorder, Neuroscience & Biobehavioral Reviews 128, 789 bis 818, https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2021.01.022 · Internationale Konsenserklärung auf Basis großer Studien und Metaanalysen.

Greven, Corina U. et al., 2019, Sensory Processing Sensitivity in the context of Environmental Sensitivity: A critical review and development of research agenda, Neuroscience & Biobehavioral Reviews 98, 287 bis 305, https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2019.01.009 · Kritische Übersichtsarbeit zu Messung, Persönlichkeit, Umweltreaktivität und neurobiologischen Zusammenhängen.

Greven, Corina U., Trupp, M. D., Homberg, Judith R. und Slagter, Heleen A., 2026, Sensory processing sensitivity: theory, evidence, and directions, Trends in Cognitive Sciences 30(6), 530 bis 545, https://doi.org/10.1016/j.tics.2025.10.007 · Aktuelle Übersicht zum Forschungsstand mit klar benannten offenen Fragen.

Lionetti, Francesca et al., 2019, Sensory Processing Sensitivity and its association with personality traits and affect: A meta-analysis, Journal of Research in Personality 81, 138 bis 152, https://doi.org/10.1016/j.jrp.2019.05.013 · Metaanalyse zu SPS, Persönlichkeitsmerkmalen und emotionalem Erleben.

Sher, Barbara, 2006, Refuse to Choose!, Rodale Books · Populärwissenschaftliches Buch, das den Begriff Scanner prägte.

Wigham, Sarah et al., 2019, Psychometric properties of questionnaires and diagnostic measures for autism spectrum disorders in adults: A systematic review, Autism 23(2), 287 bis 305, https://doi.org/10.1177/1362361317748245 · Systematische Übersicht zur Qualität von Fragebögen und Diagnoseinstrumenten bei Erwachsenen.

Weiterführende Artikel aus der HOCHiX-Akademie

Innenbildung: Was verstehen wir in der HOCHiX-Akademie darunter, HOCHiX-Akademie, https://hochix.com/innenbildung-was-verstehen-wir-in-der-hochix-akademie-darunter/

Neurodivergenz verstehen: Warum Schnittmengen mehr sagen als Schubladen, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/neurodivergenz-verstehen-warum-schnittmengen-mehr-sagen-als-schubladen/

Niemand ist nur einfarbig: Warum Neurodivergenz fast immer mehrfach kommt, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/twice-exceptional-multi-exceptional-neurodivergenz-mehrfach/

Hochsensibilität und Hochsensitivität: Vom Überreizten zum Überlegenen, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/hochsensibilitaet-und-hochsensitivitaet-vom-ueberreizten-zum-ueberlegenen/

Unterschiede zwischen Hochsensibilität und Hochsensitivität, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/unterschiede-hochsensibilitaet-vs-hochsensitivitae/

Vielbegabung oder Scannerpersönlichkeit? Eine differenzierende Betrachtung im metakognitiven Coaching, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/vielbegabung-oder-scanner-persoenlichkeit-eine-differenzierende-betrachtung/

Vielbegabte Scanner-Persönlichkeit: Zwischen Neugier und Lebenshunger, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/vielbegabte-scanner-persoenlichkeit-zwischen-neugier-tiefe-und-lebenshunger/

Was ist Vielbegabung, was ist eine Scannerpersönlichkeit?, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/was-ist-vielbegabung-was-ist-eine-scannerpersoenlichkeit/

ADHS und das Default Mode Network: Warum Ablenkung kein Versagen ist, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/adhs-und-das-default-mode-network-dfm-warum-ablenkung-kein-versagen-ist/

ADHS bei Erwachsenen: Außergewöhnliches Denken, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/adhs-bei-erwachsenen-aussergewoehnliches-denken/

Hochbegabung bei Erwachsenen, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/hochbegabung-bei-erwachsenen/

Coaching oder Therapie? So erkennst du den Unterschied, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/coaching-oder-therapie-so-erkennst-du-den-unterschied/

Wie tickst du eigentlich? Warum Online-Tests zur Neurodivergenz mehr in dir bewegen, als du denkst, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/wie-tickst-du-eigentlich-online-tests-neurodivergenz/

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