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Essentials: Neurodivergenz
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Autoren
Anne Heintze
Harald Heintze
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Der einzige Ort, an dem Neurodivergenz nicht erklärt werden muss – hier wird sie gefeiert, verstanden und zur Quelle deiner größten Stärke gemacht. Für alle Menschen, die anders besonders sind.
Steckst du in der Affenfalle? Über Loslassen und Freiheit
Loslassen soll ja so einfach sein. Doch wenn du mitten in einer belastenden Situation steckst, fühlt es sich oft unmöglich an. In diesem Artikel lernst du die Affenfalle kennen, ein altes Bild, das erstaunlich genau beschreibt, wie wir uns selbst gefangen halten. Du erfährst, warum gerade feinfühlige Menschen besonders schnell in diese Falle geraten und wie du den einen Schritt findest, der dich wieder frei macht.
Heute geht es um Freiheit und um das Loslassen. Vermutlich hast du diesen Rat schon oft gehört. Lass einfach los, dann wird alles leichter. Aber stimmt das wirklich? Wenn es so einfach wäre, würden wir es wohl alle längst tun.
Vielleicht kennst du das Gefühl, an etwas festzuhalten, das dir längst nicht mehr guttut. Eine Erwartung, eine Sorge, ein Anspruch an dich selbst. Du spürst die Enge ganz deutlich. Trotzdem gelingt es dir nicht, die Hand zu öffnen. Genau dieses Muster lässt sich mit einem alten Bild aus Asien wunderbar erklären.
Die Affenfalle und ihr Köder
Hast du schon einmal von der Methode gehört, mit der in Asien Affen gefangen wurden? Sie ist verblüffend einfach. Zunächst bohrt man ein Loch in eine große Kokosnuss und höhlt sie sorgfältig aus. Dann legt man einen Köder hinein, irgendetwas Süßes, das Affen mögen, etwa Bananen oder Kuchen. Diese gefüllte Kokosnuss befestigt man mit einem Seil an einem Baum oder einem anderen festen Gegenstand.
Damit ist die Falle vorbereitet. Die neugierigen Affen wittern den Köder und folgen ihrem Trieb. Sie finden die Kokosnuss und lassen ihre Pfote in die Öffnung gleiten. Dort ertasten sie das Süße und umklammern es fest mit ihren Fingern.
Auf diese Weise fangen sie sich selbst. Die Faust, mit der sie den Köder festhalten, lässt sie in der Kokosnuss feststecken.
Wenn der Jäger kommt, werden sie zur leichten Beute. Dabei wäre es so einfach, sich zu befreien. Alles, was der Affe tun müsste, wäre den begehrten Köder loszulassen. Dann könnte er seine Pfote mühelos aus dem Gefängnis ziehen.
Warum das Festhalten so verlockend bleibt
Viele Affen kommen schlicht nicht auf diese eine Idee, nämlich loszulassen. Stattdessen zappeln sie wild mit der Pfote in der Kokosnuss herum. Sie drehen und wenden sich, schreien und jammern, doch all das führt nicht in die Freiheit. Es gibt nämlich nur einen einzigen Weg hinaus und der heißt loslassen.
Diese Metapher beschreibt sehr treffend den Zustand vieler Menschen, die Angst und Unsicherheit empfinden. Oft tragen sie zu viele Erwartungen und Anforderungen an sich selbst in sich. Oder sie glauben ungeprüft, ihre Umwelt stelle bestimmte Ansprüche an sie, was bei näherem Hinsehen häufig gar nicht stimmt.
So begeben sich viele Menschen freiwillig in eine Falle, aus der es scheinbar keinen Ausweg gibt. Sie bleibt nur so lange verschlossen, wie diese einengenden Gedanken als wahr angenommen werden. Die Folgen liegen auf der Hand: Stress, Erschöpfung, der Verlust von Lebensfreude bis hin zu psychosomatischen Beschwerden und Burnout. Dabei handelt es sich um eine selbst gewählte Alternativlosigkeit, die diese Enge überhaupt erst hervorruft.
Angst bedeutet Enge und Eingesperrtsein
Schon das Wort Angst trägt die Enge in sich. Es stammt vom lateinischen angustus, was schmal oder eng bedeutet. Wer Angst hat, fühlt sich eingesperrt. Genau das passiert in der Affenfalle des Denkens.
Der unsichere Mensch manövriert sich durch sein eigenes Denken in eine Situation ohne Ausweg. Das geschieht immer dann, wenn er annimmt, dass etwas auf eine ganz bestimmte Art sein muss. Die Partnerschaft, die Mitmenschen, der Arbeitsplatz, all das soll einer festen Vorstellung entsprechen, die aus welchen Gründen auch immer einfach nicht zutrifft. Aus dieser Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit entsteht der Druck.
Schon in der Antike lehrten die Stoiker, dass ein Mensch nicht durch die Umstände oder die Dinge selbst beunruhigt wird, sondern allein durch sein Denken darüber. Die eigene Gefühlslage ist also selbstgemacht und nur wir selbst können sie nachhaltig verändern. Diese uralte Einsicht ist heute aktueller denn je.
Warum feinfühlige Menschen besonders gefährdet sind
Gerade neurodivergente und hochsensible Menschen kennen die Affenfalle oft sehr gut. Wer intensiver wahrnimmt und gründlicher verarbeitet, neigt auch dazu, Gedanken länger festzuhalten und sie immer wieder zu drehen. Ein hoher Anspruch an sich selbst kommt häufig hinzu.
Vielbegabte Menschen wollen es allen recht machen und in jeder Rolle hervorragend sein. Hochsensible spüren feinste Erwartungen ihres Umfelds und nehmen sie sich besonders zu Herzen. So greift die Pfote nach immer mehr Ködern, nach Perfektion, nach Anerkennung, nach Sicherheit. Je fester der Griff, desto enger wird die Öffnung der Kokosnuss.
Wenn du dich hier wiedererkennst, ist das kein Grund zur Sorge, sondern eine wertvolle Erkenntnis. Was einmal erlernt wurde, lässt sich auch wieder verändern. Du darfst lernen, deinen Griff bewusst zu lockern.
Kleine Reflexion für dich● Welchen Köder hältst du gerade so fest, dass deine Hand nicht mehr frei ist? ● Welche Erwartung an dich selbst hast du nie wirklich geprüft? ● Stammt der Anspruch, der dich einengt, wirklich von außen oder von dir selbst? ● Was würde sich verändern, wenn du diesen einen Gedanken loslassen dürftest? |
Der eine Weg in die Freiheit
Die Lösung und damit die Freiheit kann tatsächlich nur darin bestehen, die selbstkonstruierten Zwänge loszulassen und sich Gedanken über mögliche Alternativen zu machen. Sobald es gelingt, auf den absoluten Anspruch zu pfeifen und neue Ansätze zuzulassen, erweitert sich der Spielraum und die Angst verliert ihre Macht.
Sicherheit und Selbstvertrauen erwachsen nicht aus Kontrolle, sondern aus Freiheit. Das klingt zunächst widersprüchlich, denn wir greifen ja gerade nach dem Köder, um uns sicher zu fühlen. Doch je fester wir festhalten, desto gefangener sind wir. Erst das Öffnen der Hand schafft Bewegungsraum.
Loslassen ist wirklich viel einfacher, als du denkst, gerade wenn du mitten in einer stressigen Situation steckst und glaubst, es gebe keine Alternative. Der erste Schritt ist nicht die große Veränderung, sondern die kleine Frage: Muss das wirklich so sein, wie ich annehme? Oft genügt diese eine Frage, damit sich die Faust ganz von selbst zu öffnen beginnt.
So übst du das Loslassen im Alltag
Loslassen ist keine einmalige Entscheidung, sondern eine Haltung, die du üben kannst. Die folgenden Impulse helfen dir, deinen Griff Schritt für Schritt zu lockern.
Sanfte Impulse für mehr innere Freiheit● Benenne den Köder. Schreibe auf, woran du gerade festhältst. Allein das Aussprechen schafft Abstand. ● Prüfe den Anspruch. Frage dich bei jeder Erwartung, ob sie wirklich von außen kommt oder ob du sie dir selbst auferlegst. ● Denke in Alternativen. Sammle drei andere Möglichkeiten, wie eine Situation aussehen könnte. Schon das öffnet den Raum. ● Erlaube dir das Unfertige. Nicht alles muss perfekt sein. Vieles darf einfach gut genug sein. ● Atme bewusst. Wenn die Enge kommt, lenke deine Aufmerksamkeit für einen Moment ganz auf deinen Atem. |
Es kann sehr hilfreich sein, dir dabei Unterstützung zu holen. Im Austausch mit anderen feinfühligen Menschen oder in einer professionellen Begleitung wird oft erst sichtbar, welchen Köder du eigentlich umklammerst. Manchmal braucht es einen liebevollen Blick von außen, damit du erkennst, dass deine Hand längst frei sein könnte.
Was zeigt uns die Affenfalle?
Die Affenfalle zeigt uns etwas sehr Menschliches. Wir halten an dem fest, was wir am meisten begehren. Genau dieses Festhalten nimmt uns die Freiheit. Loslassen bedeutet nicht aufgeben, sondern die Hand zu öffnen und der eigenen Vorstellung von Sicherheit weniger zu glauben. Sobald du den Köder freigibst, ziehst du deine Hand mühelos aus der Kokosnuss und entdeckst, wie viel Spielraum dir die ganze Zeit zur Verfügung stand.
Du steckst nicht fest, weil die Welt dich gefangen hält, sondern weil du einen Gedanken festhältst, von dem du glaubst, er sei wahr. In dem Moment, in dem du ihn loslässt, öffnet sich die Falle von selbst. Freiheit ist nur einen einzigen, mutigen Handgriff entfernt.
Sonnige Grüße von
Anne und Harald









Ein Kommentar
Geniesse Eure Nachbarinsel, Gran Canaria, eine Finca in San Nicholas, abgeschieden, lebe von Tomaten, Avocados, Orangen…Paradies!!! Habe mich noch nie so gut erholt!!!!
LG nach drüben!
Pascale Isabelle Hadorn