So kannst du Denkschubladen und Schubladendenken meiden

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Hast du Vorurteile? Eine Frage, die wohl von jedem Menschen negativ aufgefasst wird. Die meisten fühlen sich sowieso frei von Vorurteilen und Schubladendenken – zumeist allerdings zu Unrecht! Denn eine Denkschublade ist ein Phänomen, das in unserem Gehirn tief verwurzelt ist und dem aktiv begegnet werden muss. Doch warum denken wir oftmals in Schubladen und wie kann sich das ändern?

Warum haben Menschen ein Schubladendenken?

Der Hauptgrund ist ebenso simpel wie tiefgreifend: Das Gehirn eines Menschen ist faul. Neues lehnt es zunächst ab und außerdem versucht es ökonomisch zu arbeiten. Wenn du nicht aktiv darüber nachdenkst, hört das Gehirn oftmals auf, nach weiteren Möglichkeiten, nach Alternativen und anderen Optionen zu suchen. Bei der ökonomischen Arbeit kann ihm außerdem eine Denkschublade helfen.
In einer klassischen Denkschublade verstaut das Gehirn Erfahrungen, Routinen und Erkenntnisse.
Es speichert auch Wege ab, damit du nicht immer nachdenken musst, wenn du zum Bäcker läufst. Wir nennen diese Art des Denkens oft „unterbewusst“. Durch diese Eigenschaften reduziert das Gehirn die Komplexität seiner Arbeit und arbeitet produktiv – allerdings nicht reproduktiv. Wir entscheiden uns also für die bequemste und einfachste, nahe liegendste und bequemste Lösung. In vielen Fällen ist das auch gut so, allerdings nicht in allen. Denn die bequemste und nahe liegendste ist eben nicht zwangsläufig auch die richtige und beste Lösung – und genau da liegt das Problem.

Wie erkennst du, ob du Denkschubladen hast?

Um immer auf die richtige Lösung zu kommen, musst du dir zuerst die Frage stellen, wann du eine Denkschublade zurate ziehst. Die gute Nachricht: Das kannst du leicht herausfinden. Dazu musst du nur einen kurzen Schnelltest machen – beispielsweise mit dieser einfachen Frage:

Frank sieht auf Petra, aber Petra schaut Oskar an. Frank ist verheiratet, Oskar nicht. Blickt nun eine verheiratete Person auf eine unverheiratete? Die Antwortmöglichkeiten:

  • Ja.
  • Nein.
  • Kann man nicht sagen.

Das auf den ersten Blick einfach wirkende Rätsel wurde von dem Informatik-Wissenschaftler Hector Levesque erstellt, der zu dieser Zeit an der Universität von Toronto lehrte. 80 Prozent der Menschen entscheiden sich dabei für die dritte Antwortmöglichkeit „Kann man nicht sagen“.

Das ist allerdings falsch, denn auch wenn man den Beziehungsstatus von Petra nicht kennt, kann man die Frage trotzdem mit „Ja“ beantworten – und zwar aus mehreren Gründen: Zum einen kann Petra nur entweder verheiratet oder unverheiratet sein. Falls sie verheiratet ist, dann stimmt auch die Aussage, dass eine verheiratete Person eine unverheiratete ansieht, weil Petra auf den unverheirateten Oskar blickt. Falls Petra unverheiratet ist, stimmt die Aussage trotzdem, weil der verheiratete Frank dann die unverheiratete Petra ansieht. Die Aussage stimmt also so oder so – ganz egal was wir über Petra wissen.

Dieses Rätsel erlangte Berühmtheit, da es als einfache Parabel zeigt, wie unser Gehirn denkt. Es beschließt schnell, dass es zu wenig über Petra weiß und wählt die einfachste Lösung, die mit dem geringsten Denkaufwand verbunden ist.

Es gibt noch eine ganze Bandbreite an weiteren Rätseln dieser Art, die immer auf das gleich Ergebnisse kommen: Bei den meisten Menschen gibt das Gehirn zu schnell auf und wählt die einfachste Möglichkeit. Es handelt sich also um das Prinzip einer Denkschublade. Interessant ist, dass die meisten Menschen die Rätsel eigentlich lösen könnten, wenn sie alle Faktoren berücksichtigten und bedenken.

Warum kann eine Denkschublade gefährlich sein?

Die größte Gefahr bei dem Denkmuster einer Denkschublade liegt auf der Hand: In der heutigen Zeit hat Schubladendenken nichts mehr zu suchen, da die Gesellschaft sich längst durch Vielfältigkeit und Akzeptanz auszeichnet – und das ist auch gut so. Vorurteile und Schubladendenken kann oftmals an – oder über – der Grenze zu Ignoranz und sogar Rassismus liegen.

Ein Beispiel: „Die Leute finden Jérôme Boateng als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“, sagte Afd-Vize Alexander Gauland im Mai 2016 über den dunkelhäutigen Fußballer aus Berlin, der auch deutscher Nationalspieler war. Der Protest war danach groß und bis heute gilt dieser Satz als ein Inbegriff für vorurteilbelastetes Schubladendenken. Im Falle der Aussage von Gauland ist die Aussage rassistisch, was bei dem Kategorisieren in Denkschubladen leicht vorkommen kann.

Positive Effekte, wenn eine Denkschublade verlassen wird

Um solche rassistischen und vorverurteilenden Denkweisen nicht zuzulassen, muss der Kreislauf einer Denkschublade durchbrochen werden. Da sich das Gehirn teilweise dagegen sträubt – und viele Menschen diese Gewohnheit des Denkens seit sehr langer Zeit wahrnehmen – ist das zumeist kein einfaches Unterfangen. Schließlich ist es einfacher für dich, dass du dich auf das verlässt, was du zu wissen glaubst. Anfangs wird es dir daher wohl nicht immer gelingen, frei von deiner Denkschublade zu denken, das kann jedoch trainiert werden.

Wer ohne Vorurteile auskommt, der hat es im Umgang mit Menschen deutlich leichter und tut seinen Mitmenschen auch nicht Unrecht. Und wer nicht mehr in einer Denkschublade festhängt, der kann sich an vielen Vorteilen erfreuen – privat wie beruflich. Im Folgenden haben wir die wichtigsten vier Vorteile aufgelistet.

Neue Freunde finden und Freundeskreise erschließen

Wer in Schubladen denkt, der stempelt Menschen schnell ab. Das kann auch mit Personen passieren, die du gut kennst, was sich negativ auf die Beziehung zu diesen auswirkt. Manchen Personen in deinem Umfeld gibst du vielleicht gar nicht erst die Chance, dass sie aus der Schublade, in die du sie gesteckt hast, hinauskommen.

Wenn du Klischees hinter dir lässt und offen durch die Welt gehst, dann findest du schnell viele neue Freunde, die eine ähnliche Denkweise besitzen, wie du es tust.

Du kannst als Vorbild fungieren

Wenn es dir gelingt, nicht mehr in Schubladen zu denken, dann kannst du als Vorbild vorangehen. Auf diese Weise kannst du anderen raten, nicht mehr in Vorurteilen festzuhängen und in Klischees zu denken. Wenn du mit gutem Beispiel vorangehst, dann kannst du Menschen mitreißen, dieselbe Denkweise anzunehmen.

Gute Vorbilder sind in der Gesellschaft von enormer Bedeutung, da die Glaubwürdigkeit schnell abhandenkommt, wenn jemand etwas predigt, das er selbst nicht tut. Wenn du also mit gutem Beispiel voran gehst, dann zeigst du deinen Mitmenschen, dass es möglich ist, seinen Horizont über eine Denkschublade hinaus zu erweitern. Dann lassen diese sich von dir im Normalfall auch bei einer Umsetzung helfen und du kannst nützliche Tipps geben und für einen positiven Trend sorgen.

Das Verlassen der Denkschublade verhilft zu Authentizität

Wer in einer Denkschublade gefangen ist, der hat oftmals auch das Gefühl, selbst in eine Schublade passen zu müssen. Das kann für viele verschiedene Bereiche gelten – beispielsweise die klassische (altertümliche) Mann/Frau-Rolle, oder der Gedanke, es allen recht machen zu müssen. Unter diesen Denkmustern leidet oftmals die eigene Persönlichkeit, die auf der Strecke bleibt.

Wer sich vom Schubladendenken verabschiedet, der wird gleichzeitig unbekümmerter, wie auch authentischer in seinem Handeln und Denken. Du musst dich dann weniger nach Erwartungen deiner Freunde und der Gesellschaft richten, sondern kannst frei und mit aller möglichen Authentizität aufleben.

Probleme offen angehen und Grenzen erweitern

Was für die eigene Erwartungshaltung gilt, das gilt auch für das Denken an sich: Die Grenzen, die wir zu erkennen meinen, die setzen wir uns oftmals selbst. Eine Denkschublade kann den Horizont dabei sehr klein und undeutlich wirken lassen. Fällt diese Barriere allerdings weg, können Probleme kreativer, ehrlicher und offener angegangen werden.

Wenn deine Gedanken aus den Schubladen entfliehen können, dann fallen dir im Normalfall Denk- und Lösungsansätze ein, die dir vorher nicht in den Kopf gekommen sind. Du verlässt deine gewohnten Grenzen und kannst dir neue setzen, in dem du alte Probleme hinter dir lässt.

Herzlichst
Anne

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