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Essentials: Neurodivergenz
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Autoren
Anne Heintze
Harald Heintze
HOCHiX Community...
Der einzige Ort, an dem Neurodivergenz nicht erklärt werden muss – hier wird sie gefeiert, verstanden und zur Quelle deiner größten Stärke gemacht. Für alle Menschen, die anders besonders sind.
Wer bin ich, dass ich das kann? Wie du Selbstzweifel überwinden kannst
Warum gerade fähige Menschen an sich zweifeln, was hinter dem Satz „Ich bin nicht gut genug“ steckt und wie du mit kleinen Schritten den Staub von deinem Diamanten wischst.
Kennst du diesen leisen Satz, der genau dann auftaucht, wenn du etwas Neues wagen willst? „Wer bin ich, dass ich das kann?“ Er klingt vernünftig, fast bescheiden. In Wahrheit hält er dich klein. In diesem Artikel erfährst du, warum dein Wert längst da ist und wie du Selbstzweifel überwinden kannst, ohne dich zu verbiegen.
Stell dir einen Diamanten vor, der in einer alten, vergessenen Truhe auf einem staubigen Dachboden liegt. Er ist wertvoll, einzigartig und voller Potenzial zu strahlen. Doch niemand weiß, dass er da ist. Staub und Spinnweben haben ihn über Jahrzehnte bedeckt, bis er fast unsichtbar wurde.
Sogar die Person, der der Dachboden gehört, ahnt nichts von ihrem Schatz. Sie sieht nur die Truhe und denkt: „Das ist nur Gerümpel.“
Dieser Diamant bist du. Der Staub steht für deine Selbstzweifel und für die Urteile, die du von anderen übernommen hast. Auch die Geschichten, die du dir selbst erzählst, gehören dazu. Sie verdecken dein Licht, deine Strahlkraft, dein Potenzial.
Der Staub hat nichts mit deinem wahren Wert zu tun. Er ist eine Hülle, die sich lösen lässt, Schicht für Schicht. Dafür musst du nichts an dir reparieren. Es geht darum, freizulegen, was schon immer da war.
Kurz gesagt Selbstzweifel überwinden heißt, den inneren Satz „Ich bin nicht gut genug“ als alten Schutzmechanismus zu erkennen und ihm kleine, konkrete Erfahrungen entgegenzusetzen. Die Forschung zur Selbstwirksamkeit zeigt: Selbstvertrauen wächst vor allem durch eigene Erfolgserlebnisse und weniger durch reines Nachdenken. Besonders häufig zweifeln gerade fähige Menschen an sich, darunter viele Hochsensible, Hochbegabte und Vielbegabte. Der Zweifel sagt also wenig über dein tatsächliches Können aus. |
Was ist Selbstzweifel und woher kommt „Ich bin nicht gut genug“?
Selbstzweifel beschreibt die anhaltende Unsicherheit, ob die eigenen Fähigkeiten, Entscheidungen oder der eigene Wert ausreichen. Er zeigt sich selten laut. Meist ist er eine leise, vertraute Stimme, die genau dann spricht, wenn du dich zeigen, bewerben oder etwas Neues beginnen willst.
Sein stärkster Treiber ist ein Glaubenssatz, den fast jeder Mensch kennt: „Ich bin nicht gut genug.“ Er fühlt sich an wie eine unsichtbare Hand, die dich zurückhält. Vielleicht hast du ihn so oft gedacht, dass er dir inzwischen wie eine Tatsache vorkommt.
Oft ist er die Summe aus alten Erfahrungen, kritischen Stimmen und Momenten, in denen du dich klein gefühlt hast. Dazu kommt eine Eigenart unseres Gehirns: Negative Erlebnisse wirken stärker und bleiben länger haften als positive. Der Psychologe Roy Baumeister hat diesen Negativitätseffekt 2001 gemeinsam mit Kollegen in einer umfangreichen Übersichtsarbeit beschrieben. Ein einziger kritischer Kommentar kann deshalb zehn freundliche überstrahlen.
Glaubenssätze wie dieser sagen also wenig über deine Fähigkeiten aus. Sie entstehen, weil dein Verstand dich vor Risiken schützen möchte. Es ist seine Art zu sagen: „Bleib lieber hier, wo es sicher ist.“ Dieser Schutz hat einmal Sinn ergeben. Heute kostet er dich die Freiheit, dein Potenzial zu entdecken und deinen eigenen Weg zu gehen.
Warum gerade fähige Menschen an sich zweifeln
Hier liegt eine kleine Ironie: Selbstzweifel trifft besonders oft Menschen, die viel können. Die Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes beschrieben 1978 erstmals das sogenannte Impostor-Phänomen, im Deutschen auch Hochstapler-Syndrom genannt. Sie hatten erfolgreiche Frauen begleitet, die trotz Abschlüssen, Auszeichnungen und Anerkennung überzeugt waren, ihren Erfolg nur Glück oder einem Irrtum zu verdanken.
Eine systematische Übersichtsarbeit von Dena Bravata und Kollegen aus dem Jahr 2020 wertete 62 Studien aus. Je nach Untersuchung und Messmethode berichteten zwischen 9 und 82 Prozent der Befragten von Hochstapler-Gefühlen. Die Spanne ist groß, die Botschaft aber klar: Du bist damit in sehr guter Gesellschaft.
Auch die bekannte Studie von Justin Kruger und David Dunning aus dem Jahr 1999 hat eine weniger bekannte Seite. Während sich die Teilnehmenden mit den schwächsten Leistungen deutlich überschätzten, schätzten die Besten ihre relative Leistung eher zu niedrig ein. Wer viel weiß, sieht auch, wie viel es noch zu wissen gibt.
Der Satz „Wer bin ich, dass ich das kann?“ ist deshalb oft ein Zeichen von Gewissenhaftigkeit und Weitblick. Zum Problem wird er erst, wenn er dich vom Handeln abhält. Mehr zu diesem Muster findest du im Artikel Hochstapler-Syndrom: Die unsichtbare Falle für HOCHiX Coaches.
Selbstzweifel und Neurodivergenz: Niemand ist nur einfarbig
Viele Menschen, die in die HOCHiX-Akademie kommen, kennen Selbstzweifel seit ihrer Kindheit. Das hat Gründe. Wer hochsensibel ist, nimmt Zwischentöne, Kritik und Stimmungen intensiver wahr. Hochbegabte legen die Messlatte oft selbst sehr hoch und erleben die Lücke zwischen Anspruch und Ergebnis besonders deutlich. Vielbegabte hören häufig, sie sollten sich endlich für eine Sache entscheiden. Menschen mit ADHS erleben oft schon früh viel Korrektur und Kritik.
Hinzu kommt, dass diese Merkmale selten allein auftreten. Niemand ist nur einfarbig. Hochsensibilität, Hochbegabung, ADHS oder Autismus überlagern sich häufig und verdecken einander. Viele neurodivergente Menschen haben früh gelernt, sich anzupassen und ihre Eigenheiten zu verbergen. Die Forschung nennt dieses Verhalten Masking oder Camouflaging. Laura Hull und ihr Team haben 2017 beschrieben, wie viel Kraft es kostet und wie stark es das eigene Selbstbild prägen kann.
Wie du Selbstzweifel überwinden kannst: vom Zweifel zur Handlung
Wenn du das Gefühl hast, nicht gut genug zu sein, betrachte es als Einladung, etwas Neues auszuprobieren. Kleine Schritte reichen völlig, Großes darf später kommen. Jeder davon ist wie ein Finger, der ein Stück Staub vom Diamanten wischt. Du brauchst keinen perfekten Plan, sondern den Mut anzufangen.
Dahinter steckt mehr als eine Durchhalteparole. Der Psychologe Albert Bandura hat gezeigt, dass Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit, aus vier Quellen gespeist wird. Die stärkste davon sind eigene Erfolgserlebnisse, die er Mastery Experiences nennt. Selbstvertrauen entsteht vor allem durch Tun. Jede kleine Erfahrung, in der du etwas gewagt hast, ist ein Beweis gegen den alten Glaubenssatz.
Kleine Schritte: So stärkst du dein Selbstvertrauen
Was wäre ein kleiner Schritt für dich? Vielleicht verabredest du dich zu einem Gespräch mit jemandem, der dich inspiriert. Oder du informierst dich über eine Ausbildung, die dich schon lange reizt. Vielleicht schreibst du heute einfach auf, was dich begeistert. Jeder dieser Schritte bringt dich näher zu deinem Kern, zu dem, was du wirklich bist.
Hilfreich ist auch ein freundlicherer Ton dir selbst gegenüber. Die Psychologin Kristin Neff beschreibt Selbstmitgefühl als die Fähigkeit, dir in schwierigen Momenten so zu begegnen, wie du einer guten Freundin begegnen würdest. Eine Metaanalyse von Angus MacBeth und Andrew Gumley aus dem Jahr 2012 fand einen deutlichen Zusammenhang zwischen mehr Selbstmitgefühl und weniger Angst, Stress und depressiver Verstimmung. Den Zweifel musst du dafür nicht wegdrücken. Du darfst ihn bemerken und trotzdem weitergehen.
Praxis-Tipp: Die „Was habe ich zu geben?“-Übung Nimm dir zwei Blätter Papier und eine ruhige Viertelstunde. ● Blatt 1: Schreibe oben „Was habe ich zu geben?“ Notiere alles, was dir einfällt: deine Empathie, dein Zuhören, deine Erfahrungen, die anderen Mut machen, deine Fähigkeit, in schwierigen Momenten Klarheit zu finden. Alles zählt. ● Blatt 2: Schreibe oben „Was möchte ich lernen?“ Hier darf alles stehen, was dich neugierig macht. Noch nicht alles zu wissen, ist völlig in Ordnung. ● Lege anschließend beide Blätter nebeneinander. Das erste zeigt dir, wo du stehst. Das zweite zeigt dir, wohin du gehen kannst. Je mehr du aufschreibst, desto deutlicher wird dir, wie viel Wertvolles du bereits in dir trägst. Stark macht dich die Bereitschaft zu wachsen, Perfektion braucht es dafür keine. |
Wie ich selbst mit meinem Selbstzweifel umgehe
Natürlich kenne ich den Selbstzweifel auch. Welcher HOCHiX-Mensch kennt ihn nicht? Ich nutze ihn als Korrektiv und immer wieder als Prüfinstanz: Wo kann ich etwas besser machen? Wo lohnt es sich, gründlicher hinzuschauen? Was ist für mich noch nicht wirklich stimmig?
Ich kenne aber auch die andere Stimme des Selbstzweifels. Sie erzählt eigentlich immer nur Quatsch und klingt wie mein Vater, meine Mutter, eine Lehrerin oder irgendjemand, der mir nichts gönnt. Dieser Stimme gebe ich keine Macht über mich und mein Leben. Meine Träume darf sie mir schon gar nicht vermiesen.
Hätte ich auf diese Gedanken gehört, wäre ich nie Coach geworden. Ich hätte mich schlicht nicht getraut anzufangen. Heute bilde ich seit 2010 Coaches aus und begleite seit über zwanzig Jahren Menschen mit neurodivergenten Persönlichkeitsmerkmalen.
Der Unterschied liegt darin, wem du das letzte Wort gibst. Ein prüfender Zweifel fragt, wie etwas besser werden kann. Ein lähmender Zweifel fragt, ob du überhaupt etwas wert bist. Irgendwann stehst du vor der Entscheidung: Willst du den Selbstzweifel weiter nähren oder deine Sehnsucht erfüllen?
Prüfender oder lähmender Zweifel? So erkennst du den Unterschied ● Prüfender Zweifel bezieht sich auf eine Sache, lähmender Zweifel auf deine ganze Person. ● Der prüfende stellt konkrete Fragen, der lähmende fällt pauschale Urteile. ● Am Ende eines prüfenden Zweifels steht ein nächster Schritt, am Ende eines lähmenden der Rückzug. ● Prüfender Zweifel klingt wie deine eigene Stimme, lähmender oft wie eine Stimme von früher. |
Gemeinsam Diamanten polieren
In der HOCHiX Coaching-Ausbildung begegnen wir diesem Glaubenssatz immer wieder. Die allermeisten Menschen, die in die Ausbildung starten, sind anfangs überzeugt: „Wer bin ich, dass ich das kann?“ Er ist fast ein stiller Begleiter, der viele Hochsensible, Vielbegabte und Hochbegabte daran hindern möchte, ihr volles Potenzial zu entfalten.
Die gute Nachricht: Du bist damit nicht allein. Wenn Menschen zusammenkommen, die genau diesen Hemmschuh kennen, passiert etwas Besonderes. Indem wir uns gegenseitig ermutigen, inspirieren und unterstützen, polieren wir gemeinsam unsere inneren Diamanten. Wir lernen, den Staub der Zweifel abzuwischen und unser Licht in die Welt zu tragen.
Häufige Fragen zum Thema Selbstzweifel
Was ist der Unterschied zwischen Selbstzweifel und Hochstapler-Syndrom?
Selbstzweifel ist der Oberbegriff für die Unsicherheit gegenüber den eigenen Fähigkeiten. Beim Hochstapler-Syndrom kommt etwas hinzu: Betroffene haben objektiv Erfolg, schreiben ihn aber Glück oder Zufall zu und fürchten, eines Tages entlarvt zu werden. Das Impostor-Phänomen ist ein psychologisches Erlebensmuster und keine medizinische Diagnose.
Wie werde ich einen negativen Glaubenssatz los?
Am wirksamsten ist eine Kombination aus Erkennen und Handeln. Schreib den Satz auf und frag dich, woher er stammt. Danach sammelst du durch kleine Schritte bewusst Gegenbelege. Typische Denkmuster dieser Art beschreibt der Artikel 14 klassische hemmende Gedanken.
Haben neurodivergente Menschen häufiger Selbstzweifel?
Belastbare Vergleichszahlen gibt es bislang wenige. Aus der Praxis und aus der Forschung zu Masking wissen wir aber, dass viele neurodivergente Menschen früh gelernt haben, sich anzupassen. Das begünstigt ein Selbstbild, das sich stärker an fremden Maßstäben orientiert als an den eigenen Stärken.
Dein Diamant wartet auf dich
Erinnerst du dich an den Diamanten auf dem Dachboden? Er wartet darauf, entdeckt zu werden. Der Staub ist nur eine Schicht, die dich von deinem inneren Licht trennt. Du darfst ihn in deinem eigenen Tempo lösen. Je mehr Staub du entfernst, desto heller strahlt der Diamant.
Du bist schon jetzt gut genug. Dein Potenzial ist da, dein Wert ist da, dein Licht ist da. Der erste Schritt, den du gehst, bringt dich näher zu dir selbst.
Das Wichtigste zum Mitnehmen Dein Selbstzweifel ist Staub auf einem Diamanten und kein Urteil über deinen Wert. Oft zeigt er sogar, wie gewissenhaft du bist. Mit jedem kleinen Schritt sammelst du Beweise für das, was in dir steckt. Die Welt braucht dein Strahlen und du bist bereit, es zu zeigen. |
Ealls in dir schon länger der Wunsch wächst, selbst andere Menschen zu begleiten, findest du alles Wichtige zur HOCHiX Coaching-Ausbildung.
Ich hoffe, ich habe das Geschenk deiner Zeit verdient.
Herzlichst
Anne
Quellen
Bandura, Albert, 1997, Self-efficacy: The exercise of control, W. H. Freeman, New York
Baumeister, Roy et al., 2001, Bad is stronger than good, Review of General Psychology 5(4), 323-370
Bravata, Dena et al., 2020, Prevalence, predictors, and treatment of impostor syndrome: A systematic review, Journal of General Internal Medicine 35(4), 1252-1275
Clance, Pauline und Imes, Suzanne, 1978, The imposter phenomenon in high achieving women: Dynamics and therapeutic intervention, Psychotherapy: Theory, Research and Practice 15(3), 241-247
Hull, Laura et al., 2017, „Putting on my best normal“: Social camouflaging in adults with autism spectrum conditions, Journal of Autism and Developmental Disorders 47(8), 2519-2534
Kruger, Justin und Dunning, David, 1999, Unskilled and unaware of it: How difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated self-assessments, Journal of Personality and Social Psychology 77(6), 1121-1134
MacBeth, Angus und Gumley, Andrew, 2012, Exploring compassion: A meta-analysis of the association between self-compassion and psychopathology, Clinical Psychology Review 32(6), 545-552
Neff, Kristin, 2003, Self-compassion: An alternative conceptualization of a healthy attitude toward oneself, Self and Identity 2(2), 85-101
Niemand ist nur einfarbig: Warum Neurodivergenz fast immer mehrfach kommt, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/twice-exceptional-multi-exceptional-neurodivergenz-mehrfach/
Hochsensible Coaches: Stärkung von Selbstwert und Selbstvertrauen, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/selbstwert-und-selbstvertrauen-fur-hochsensible-coaches/
Investition in dich selbst: Warum du dir mehr wert sein solltest als ein gebrauchtes Auto, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/investition-in-dich-selbst-warum-du-dir-mehr-wert-sein-solltest-als-ein-gebrauchtes-auto/
Hochbegabung bei Erwachsenen, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/hochbegabung-bei-erwachsenen/
Vielbegabte Scanner-Persönlichkeit: Zwischen Neugier und Lebenshunger, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/vielbegabte-scanner-persoenlichkeit-zwischen-neugier-tiefe-und-lebenshunger/
Hochsensibilität und Hochsensitivität: Vom Überreizten zum Überlegenen, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/neu-hochsensibilitaet-und-hochsensitivitaet-vom-ueberreizten-zum-ueberlegenen-nutze-dein-potenzial/
ADHS bei Erwachsenen: Außergewöhnliches Denken, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/adhs-bei-erwachsenen-aussergewoehnliches-denken/
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