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Deine Grundbedürfnisse: Was dich wirklich glücklich macht

Deine Grundbedürfnisse Was dich wirklich glücklich macht
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Für ein glückliches, gesundes und zufriedenes Leben braucht es mehr als die Versorgung des Körpers. Genauso wichtig sind deine seelischen Grundbedürfnisse. Wer sie übergeht, bleibt innerlich unruhig, selbst wenn äußerlich alles stimmt. In diesem Beitrag erfährst du, was du wirklich brauchst und bekommst Anregungen an die Hand, die du sofort in deinen Alltag holen kannst.

 

Bevor du dich überhaupt auf etwas konzentrieren oder etwas leisten kannst, müssen deine Grundbedürfnisse erfüllt sein. Stell dir vor, du sitzt in einer wichtigen Besprechung und musst dringend auf die Toilette. In diesem Moment ist an konzentriertes Arbeiten nicht zu denken.

Ähnlich verhält es sich mit der Mittagspause. Dein Bedürfnis nach Nahrung will gestillt werden, sonst meldet sich der Körper immer lauter. Zu den körperlichen Grundbedürfnissen gehören außerdem Trinken, Schlafen und Sexualität.

Hinzu kommen die seelischen Grundbedürfnisse, um die es in diesem Beitrag vor allem gehen soll. Bleibt ein Grundbedürfnis über längere Zeit unerfüllt, kann das zu seelischen und körperlichen Problemen führen, bis hin zu ernsthaften Erkrankungen.

Wenn ein Grundbedürfnis fehlt, steht vieles still

Gerade neurodivergente Menschen kennen dieses Phänomen gut. Wenn dein Nervensystem ohnehin viel verarbeitet, reicht ein unerfülltes Grundbedürfnis oft schon aus, damit gar nichts mehr geht. Ein hungriger, übermüdeter oder reizüberfluteter Mensch kann seine Begabungen nicht abrufen.

Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist schlicht die Reihenfolge, in der dein System arbeitet. Erst wenn das Fundament steht, wird der Kopf frei für alles Weitere.

Der Unterschied zwischen Bedürfnis und Grundbedürfnis

Was unterscheidet ein Grundbedürfnis nun von einem Bedürfnis im Allgemeinen? Essen, Trinken und Schlafen braucht jeder Mensch, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Grundbedürfnisse sind also universell.

Bedürfnisse hingegen sind individuell. Du entwickelst sie in deinem persönlichen Umfeld. Sie zeigen, was du willst und wie du dir dein Leben vorstellst. Anders als bei den Grundbedürfnissen kannst du auch ohne ihre Erfüllung leben.

Bedürfnisse verändern sich mit dem Lebensalter und hängen eng mit deinen Wünschen und Zielen zusammen. Grundbedürfnisse bleiben dagegen ein Leben lang dieselben.

Maslow und das Missverständnis mit der Pyramide

Bestimmt hast auch du schon von der Bedürfnispyramide nach Maslow gehört. Der US-amerikanische Psychologe definierte 1943 zunächst fünf Grundbedürfnisse. Neben den körperlichen Bedürfnissen wie Essen und Trinken sind das die Bedürfnisse nach Sicherheit, nach sozialer Einbindung, nach Anerkennung sowie nach Selbstverwirklichung.

Gern werden diese fünf Stufen aufeinander aufbauend als Pyramide dargestellt. Diese hierarchische Form wählte Maslow allerdings nie selbst. Seiner Meinung nach muss ein Bedürfnis nicht vollständig erfüllt sein, bevor das nächste entsteht. Genau diesen falschen Eindruck weckt die Pyramide jedoch.

Im Jahr 1971 entwickelte Maslow sein Modell weiter und erweiterte es auf acht Bedürfnisse. Hinzu kamen ästhetische und kognitive Bedürfnisse sowie das Bedürfnis nach Transzendenz. Mit Letzterem öffnete er sein Modell über das eigene Ich hinaus für eine größere Dimension.

Körperliche und seelische Grundbedürfnisse wirken anders

Beide Arten von Grundbedürfnissen tauchen in Maslows Modellen auf, doch es gibt einen wesentlichen Unterschied. Körperliche Grundbedürfnisse sind ab einem bestimmten Punkt befriedigt. Wenn du deinen Hunger stillst, setzt irgendwann ein Sättigungsgefühl ein und du wendest dich wieder anderen Dingen zu. Hier wirkt das Prinzip der Homöostase, also des Gleichgewichts.

Seelische Grundbedürfnisse lassen sich schwerer fassen. Es ist nicht so leicht zu sagen, wie weit ein solches Bedürfnis gerade erfüllt ist. Außerdem wirken sie dauerhaft, auch wenn sich der Grad der Erfüllung ständig verändert.

Fehlt einem Menschen zum Beispiel die Sicherheit, weil er sich in einem Kriegsgebiet aufhält, bleibt dieser Mangel bestehen, bis sich die Situation ändert. Hunger dagegen meldet sich nur zeitweise und verschwindet nach dem Essen wieder. Seelische Grundbedürfnisse nennt man deshalb auch Wachstumsbedürfnisse. Sie bilden die Grundlage für unser Handeln und beeinflussen uns ohne Unterbrechung.

Die vier seelischen Grundbedürfnisse nach Grawe

Auch der deutsche Psychotherapieforscher Klaus Grawe versteht Grundbedürfnisse als universell, bei allen Menschen vorhanden. Werden sie nicht erfüllt, leidet die seelische Gesundheit und das Wohlbefinden. Grawe benennt vier Grundbedürfnisse, deren Existenz sich auch neurobiologisch belegen lässt. Schauen wir sie uns nacheinander an.

Orientierung und Kontrolle

Wir haben eine starke Neigung dazu, alles verstehen, einordnen und zumindest beeinflussen zu wollen. Niemand möchte heute einen Beruf ausüben, der ihm vorgeschrieben wird. Genauso wenig zieht jemand freiwillig in eine Wohnung, die ihm überhaupt nicht gefällt oder geht einem Hobby nach, das keine Freude bereitet.

Wir wollen all das selbst entscheiden, nach unseren eigenen Vorstellungen. Auch im Miteinander möchten wir planen können und uns auf andere verlassen. Für viele hochsensible und neurodivergente Menschen wiegt dieses Bedürfnis besonders schwer, weil Vorhersehbarkeit dem feinen Nervensystem Halt gibt.

Lustgewinn und Unlustvermeidung

Wenn Menschen zusammen etwas unternehmen, fällt schnell die Frage „Hast du Lust?“. Dabei geht es um das Gefühl in genau diesem Moment. Ein Profifußballer liebt sein Spiel, doch um Mitternacht und müde verspürt er kaum Lust darauf und lässt es bleiben.

Wir sind durchaus in der Lage, kurzfristig Unlust in Kauf zu nehmen, um langfristig etwas Größeres zu gewinnen. Schüler lernen oft nicht aus Freude am Stoff, sondern für den Abschluss. Fehlt ein solches langfristiges Ziel, vermeiden wir die Unlust meist. Hochsensible Menschen spüren dabei besonders genau, was ihnen guttut und was sie auslaugt.

Bindung

Von Beginn an trägt der Mensch ein starkes Bindungsbedürfnis in sich, zuerst zur Mutter. Schon früh entsteht der Bindungstheorie zufolge entweder eine sichere oder eine unsichere Bindung. Diese frühen Erfahrungen prägen uns ein Leben lang und beeinflussen alle weiteren Beziehungen.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Für seine Gesundheit ist die Verbindung zu anderen von elementarer Bedeutung. Auch das Bindungshormon Oxytocin sorgt dafür, dass wir uns gern eng mit anderen verbunden fühlen. Wer sich oft fremd fühlt, weil er anders wahrnimmt und denkt, kennt den Schmerz eines unerfüllten Bindungsbedürfnisses besonders gut.

Selbstwert und Selbstwertschutz

In modernen Erziehungskonzepten spielt Lob eine größere Rolle als Strafe. Das hängt damit zusammen, wie wichtig Anerkennung für unseren Selbstwert ist. Wir möchten etwas können, gesehen werden und uns dann auch selbst schätzen.

Ein Kind, das immer nur von seinen Schwächen hört, entwickelt schwerer einen stabilen Selbstwert als ein Kind, das Ermutigung erfährt. Viele außergewöhnliche Menschen tragen genau solche Erfahrungen mit sich. Wie du deinen Selbstwert stärken kannst, beschreibe ich ausführlich im Beitrag über Selbstwert und Selbstliebe als außergewöhnlicher Mensch.

Sind deine seelischen Grundbedürfnisse erfüllt?

Wenn es dir in manchen Lebenslagen nicht gut geht, eine Beziehung nicht rund läuft oder sich der Erfolg im neuen Job einfach nicht einstellen will, lohnt sich eine ehrliche Frage. Sind deine seelischen Grundbedürfnisse gerade erfüllt?

Es hilft enorm, diese Bedürfnisse bewusst in deine Tages- und Lebensplanung einzubeziehen. Planst du etwa einen Ausflug am Wochenende, dann versuche, alle vier seelischen Grundbedürfnisse einfließen zu lassen, sei es auch nur als Kleinigkeit. Frag dich außerdem ganz grundsätzlich, welches Bedürfnis bei dir womöglich zu kurz kommt.

Hast du das erst einmal erkannt, kannst du es stärker berücksichtigen und mit überschaubarem Aufwand für mehr Zufriedenheit sorgen. Selbst bei Konflikten in Familie, Freundeskreis oder Beruf lohnt der Blick darauf, welches Bedürfnis dahinterstecken könnte.

Vier Fragen für deinen Alltag

●      Bei welchem der vier Grundbedürfnisse spürst du gerade den größten Mangel?

●      Wo in deinem Leben fehlt dir Orientierung oder das Gefühl von Kontrolle?

●      Welche Beziehung tut dir gut und welche Bindung würdest du gern stärken?

●      Was würde sich verändern, wenn du dich selbst öfter wertschätzt statt kritisierst?

Oft eröffnen sich dir ganz neue Sichtweisen

Und zwar über dich selbst genauso wie über das Verhalten anderer. Versuche einfach, deine Grundbedürfnisse viel stärker in dein Leben und deine Überlegungen einzubeziehen. Sie sind wichtig und kommen im Alltagsstress meist viel zu kurz.

Gerade für außergewöhnliche und neurodivergente Menschen ist dieser Blick ein Geschenk. Wer seine seelischen Grundbedürfnisse kennt und ernst nimmt, hört auf, sich selbst zu hinterfragen und beginnt, sich zu verstehen. Genau dort liegt der Weg zu mehr Klarheit, Leichtigkeit und Verbundenheit.

Glück entsteht nicht allein durch einen vollen Bauch und genug Schlaf. Du brauchst Orientierung, ein gutes Gefühl im Moment, verlässliche Bindungen und einen stabilen Selbstwert. Schenkst du diesen vier seelischen Grundbedürfnissen mehr Aufmerksamkeit, sorgst du Schritt für Schritt für ein zufriedeneres und gesünderes Leben.

Herzlichst
Anne

 

Quellen

Maslow, A. H., 1943, A Theory of Human Motivation, Psychological Review, 50(4), 370 bis 396.

Maslow, A. H., 1971, The Farther Reaches of Human Nature, Viking Press, New York.

Grawe, K., 2004, Neuropsychotherapie, Hogrefe Verlag, Göttingen.

Bowlby, J., 1969, Attachment and Loss, Band 1, Attachment, Basic Books, New York.

HOCHiX Akademie, Online-Tests und Neuro Coaching für außergewöhnliche Menschen, www.hochix.com.

 

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