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Essentials: Neurodivergenz
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Autoren
Anne Heintze
Harald Heintze
HOCHiX Community...
Der einzige Ort, an dem Neurodivergenz nicht erklärt werden muss – hier wird sie gefeiert, verstanden und zur Quelle deiner größten Stärke gemacht. Für alle Menschen, die anders besonders sind.
Das Ego des Coaches: Drei Kardinalfehler, die dein Coaching schwächen
Warum dein Ego kein Feind ist und wie du erkennst, wann es sich zwischen dich und deinen Klienten schiebt.
Du möchtest Menschen wirksam begleiten und gibst dafür dein Bestes. Trotzdem gibt es Momente, in denen sich unbemerkt etwas zwischen dich und deinen Klienten schiebt: das Ego des Coaches. In diesem Artikel erfährst du, welche drei Kardinalfehler daraus entstehen und woran du sie erkennst. Außerdem siehst du, warum gerade neurodivergente Coaches ihr Ego oft an ganz anderer Stelle finden, als sie vermuten.
Seit 1988 arbeite ich mit außergewöhnlichen Menschen, seit 2010 bilde ich Coaches aus. Die meisten Coaches, Berater, Trainer und Mediatoren, die ich in dieser Zeit kennengelernt habe, teilen ein gemeinsames Ziel: Sie wollen gute Arbeit leisten und Menschen in Veränderungsprozessen wirksam begleiten. Diese Motivation verdient Respekt.
Gleichzeitig reist in jedem von uns ein stiller Begleiter mit. Er meldet sich, wenn ein Klient dankbar ist, wenn ein Coaching zu Ende gehen soll oder wenn das Konto leerer ist als gedacht. Dieser Begleiter ist das Ego. Es will gesehen werden, es sucht Sicherheit und es hält gern fest, was sich gut anfühlt.
Das Ego gehört zu uns und hat seine guten Gründe.
Heikel wird es erst, wenn es unbemerkt den Fokus verschiebt: weg vom Klienten, hin zum Coach. Genau dann entstehen die drei Kardinalfehler, um die es in diesem Artikel geht.
Dieser Text ist für dich, wenn du als Coach arbeitest oder es werden möchtest. Er hilft dir aber auch bei der Suche nach einem Coach. Zu jedem Fehler findest du ein Erkennungszeichen, an dem du als Klient merkst, ob ein Coach sein Ego im Blick hat.
Kurz gesagt Das Ego des Coaches wird zum Problem, sobald es den Fokus vom Klienten auf den Coach verschiebt. Drei Kardinalfehler entstehen daraus besonders häufig: Der Coach hält sich für den Macher der Veränderung, er findet kein Ende der Zusammenarbeit und er braucht den Klienten mehr als der Klient ihn. Die Forschung zeigt, dass die Qualität der Arbeitsbeziehung eng mit dem Coachingerfolg zusammenhängt. Ein Coach, der sein Ego kennt, schützt diese Beziehung und arbeitet dadurch wirksamer. |
Was bedeutet das Ego des Coaches?
Das Ego des Coaches beschreibt den Teil der eigenen Persönlichkeit, der im Coaching nach Anerkennung, Sicherheit und Kontrolle strebt und dabei unbemerkt die eigenen Bedürfnisse vor die des Klienten stellt.
Solche Bedürfnisse sind menschlich. Entscheidend ist, ob du sie bewusst wahrnimmst oder ob sie heimlich deine Entscheidungen im Coaching lenken.
Wie wichtig dieser Punkt ist, zeigt die Forschung zur Arbeitsbeziehung, im Fachbegriff Working Alliance genannt. Carolin Graßmann, Franziska Schölmerich und Carsten Schermuly haben 2020 in einer Metaanalyse 27 Stichproben mit insgesamt 3.563 Coachingprozessen ausgewertet. Die Qualität der Beziehung zwischen Coach und Klient hing moderat und stabil mit dem Coachingerfolg zusammen (r = .41). Je besser die Arbeitsbeziehung war, desto seltener traten außerdem negative Effekte für die Klienten auf.
Eine gute Arbeitsbeziehung entsteht, wenn der Klient im Mittelpunkt steht. Carl Rogers hat diesen Gedanken schon 1951 in seinem klientenzentrierten Ansatz beschrieben. Das Ego zieht die Aufmerksamkeit dagegen zurück zum Coach. Deshalb lohnt es sich, seine typischen Muster zu kennen.
Kardinalfehler 1: Du hältst dich für den Macher
Ein Klient bedankt sich überschwänglich. Er erzählt, wie sehr das Coaching sein Leben verändert hat. Das tut gut und darf gut tun. Heikel wird es, wenn sich im Hinterkopf ein leiser Gedanke festsetzt: „Ohne mich hätte er das nie geschafft.“
Dieser Gedanke wirkt harmlos, doch er verändert deine Haltung. Er macht dich selbst zu groß und grenzt dich ungünstig von anderen ab. Vor allem verstellt er den Blick auf das Potenzial deines Klienten. Aus Stolz wird mit der Zeit Überheblichkeit und aus Begleitung wird Führung.
An jeder Veränderung wirken viele Menschen mit. Da ist die Partnerin, die Geduld hatte, oder die Kollegin mit dem entscheidenden Satz. Vor allem ist da der Klient selbst, der den Mut hatte, etwas zu verändern. Du hast einen Raum geöffnet und gute Fragen gestellt. Den Weg gegangen ist er selbst.
Wenn du dir das bewusst machst, entsteht etwas Wertvolles: Bescheidenheit, ohne dich klein zu machen. Du freust dich über deinen Beitrag und erkennst gleichzeitig an, dass die eigentliche Leistung beim Klienten liegt. Genau diese Haltung stärkt seine Selbstwirksamkeit. Sie gehört zu den wichtigsten Zielen im Coaching.
Woran du als Klient den „Macher“ erkennst
Achte darauf, wie oft ein Coach auf seiner Website oder im Erstgespräch das Wort „ich“ verwendet. Geht es vor allem um seine Erfolge, seine Methode und seine Geschichte? Oder geht es um dich und dein Anliegen? Diese Faustregel ist kein Beweis, gibt dir aber einen ersten Eindruck davon, wo der Fokus liegt.
Kardinalfehler 2: Du findest kein Ende
Viele Coaches tun sich schwer damit, eine Coachingbeziehung zu beenden. Das ist verständlich. Man kennt sich, man mag sich, die Termine stehen fest und die Zusammenarbeit fühlt sich vertraut an. Aus meiner Erfahrung empfehle ich dir trotzdem, die Arbeit an der ursprünglichen Zielsetzung nach spätestens einem Jahr bewusst abzuschließen.
Dafür gibt es gute Gründe. Mit der Zeit machst du dir ein festes Bild von deinem Klienten. Überraschende Fragen fallen dir seltener ein, weil du die Antworten schon zu kennen glaubst. Regeln und Rituale, die am Anfang hilfreich waren, werden zur Selbstverständlichkeit. Ein neuer Coach mit frischem Blick würde vielleicht genau das sehen, was dir inzwischen entgeht.
Warum fällt das Loslassen so schwer? Das Ego liebt Sicherheit und Kontrolle. Ein vertrauter Klient bedeutet planbare Einnahmen, Bestätigung und das angenehme Gefühl, gebraucht zu werden. Gutes Coaching verfolgt aber ein anderes Ziel: Es macht sich selbst überflüssig. Mehr dazu liest du im Artikel Coaching ist keine Kuschelveranstaltung. Und auch kein Upgrade fürs Ego.
Ein bewusster Abschied ist deshalb ein Geschenk für beide Seiten. Dein Klient erlebt, dass er eigenständig weitergehen kann. Du selbst gewinnst Raum für neue Menschen und neue Impulse.
Woran du als Klient ein endloses Coaching erkennst
Frag einen Coach im Erstgespräch, wie lange seine Coachings im Durchschnitt dauern und wie er einen Prozess abschließt. Eine klare Antwort zeigt dir, dass er das Ende von Anfang an mitdenkt. Bleibt die Antwort vage, lohnt sich ein Blick in Referenzen und Erfahrungsberichte anderer Klienten.
Kardinalfehler 3: Du brauchst den Klienten mehr als er dich
Der dritte Fehler ist der leiseste und vielleicht der folgenreichste. Er entsteht, wenn du finanziell oder emotional von deinen Klienten abhängig bist. Dann nimmst du Aufträge an, die eigentlich gar nicht zu dir passen, weil du die Einnahmen brauchst oder weil sich ein Nein wie Ablehnung anfühlt.
Die Folgen spürst du schnell. Du stehst unter Druck und begleitest Themen, für die du dich innerlich gar nicht zuständig fühlst. Deine Arbeit verliert an Qualität und oft auch an Freude. Aus Vertrauen wird Mangeldenken. Im ungünstigsten Fall arbeitest du gegen deine eigenen Werte.
Dass Coaching Nebenwirkungen haben kann, belegt auch die Forschung. In einer Studie von Carsten Schermuly und Kollegen berichteten Coaches über 123 Coachingprozesse. Im Durchschnitt traten pro Coaching zwei negative Effekte für die Klienten auf, meist von geringer Intensität. Als Ursachen nannten die Forschenden unter anderem Zeitknappheit und eine hohe Zahl gleichzeitig bearbeiteter Themen. Wer Aufträge aus Mangel annimmt, gerät leichter in genau solche Situationen.
Der Ausweg liegt im Vertrauen. Habe Vertrauen, dann werden die richtigen Aufträge zu dir kommen. Das klingt vielleicht naiv, ist aber eine sehr praktische Haltung. Wer bewusst Nein sagt zu dem, was nicht passt, schafft Platz für das, was passt. Deine Positionierung wird klarer und deine Klienten spüren, dass du für ihr Thema brennst.
Woran du als Klient Abhängigkeit erkennst
Hör im Vorgespräch genau hin. Behauptet ein Coach, er könne dir bei jedem Thema helfen? Oder spricht er offen darüber, mit welchen Menschen und Anliegen er bewusst nicht arbeitet? Ein Coach, der klare Grenzen benennt, zeigt dir, dass er aus Überzeugung arbeitet statt aus Not.
Die drei Kardinalfehler im Überblick ● Der Macher: Du schreibst dir den Erfolg des Klienten zu und übersiehst sein Potenzial. ● Kein Ende: Du hältst an Coachingbeziehungen fest, weil sie dir Sicherheit geben. ● Abhängigkeit: Du nimmst Aufträge aus Mangel an und entfernst dich von deinen Werten. |
Vom Haben-Wollen zum Geben: Vertrauen, Synergie und Kooperation
Alle drei Kardinalfehler haben eine gemeinsame Wurzel. Das Ego will haben: Anerkennung, Sicherheit, Einnahmen. Der Schlüssel liegt im Wechsel vom Haben-Wollen ins Geben. Erich Fromm hat diesen Unterschied 1976 in seinem Buch „Haben oder Sein“ beschrieben. Für das Coaching gilt er bis heute.
Aus dieser Haltung entsteht etwas Neues. Andere Coaches werden zu möglichen Partnern. Du kannst einen Klienten guten Gewissens weiterempfehlen, wenn ein Kollege besser zu seinem Anliegen passt. So wachsen Synergien und Kooperationen, von denen alle profitieren. Warum gerade kluge Geber langfristig erfolgreich sind, beschreibe ich im Artikel Erfolg durch Geben: Warum Geber ganz oben und ganz unten stehen.
Mit dem Üben dieser Haltung wird dein Coaching wirksamer und professioneller. Du bleibst motiviert, weil du im Einklang mit deinen Werten arbeitest. Außerdem bleibst du im Kontakt mit dem Menschen, um den es eigentlich geht: deinem Klienten.
Das Ego neurodivergenter Coaches: Oft leise statt laut
Viele Menschen, die in der HOCHiX-Akademie zum Coach ausgebildet werden, sind selbst hochsensibel, hochbegabt oder vielbegabt, haben ADHS oder sind autistisch. Oft trifft mehreres zugleich zu, denn niemand ist nur einfarbig. Bei ihnen zeigt sich das Ego häufig anders, als man erwartet. Es wirkt selten großspurig. Stattdessen versteckt es sich in Überverantwortung, Selbstzweifeln und dem Wunsch, niemanden zu enttäuschen.
Ein hochsensibler Coach mit starker Empathie hält sich selten für den Macher. Er fühlt sich eher für alles verantwortlich, was im Leben seines Klienten geschieht. Das Ende eines Coachings fällt ihm schwer, weil er den Abschied intensiv mitfühlt. Wie stark ein Nervensystem fremde Gefühle übernehmen kann, beschreibe ich im Artikel Hypermirroring: Wenn du fühlst, was andere fühlen und selbst daran zerbrichst.
Ähnlich ist es beim dritten Fehler. Wer früh erlebt hat, dass Ablehnung besonders heftig trifft, sagt schwerer Nein zu einem Auftrag, der nicht passt. Auch Hochstapler-Gefühle spielen hier hinein. Sich klein zu machen ist ebenfalls eine Form von Ego, denn auch dann kreist die Aufmerksamkeit um dich selbst statt um deinen Klienten.
Die gute Nachricht: Neurodivergente Coaches bringen oft genau die Fähigkeiten mit, die eine ehrliche Ego-Reflexion braucht. Sie beobachten sich genau, hinterfragen Systeme und nehmen feine Veränderungen im Kontakt wahr. In der HOCHiX-Akademie arbeiten wir deshalb nach dem Prinzip Resonanz statt Reparatur. Es geht darum, dein eigenes Muster zu verstehen und bewusst zu nutzen.
Reflexionsfragen für deine Praxis ● Wie reagierst du innerlich, wenn ein Klient dir für seinen Erfolg dankt? ● Welche deiner Coachingbeziehungen läuft schon länger als ein Jahr und was hält sie am Laufen? ● Bei welchem Auftrag hat dein Bauchgefühl dir von Anfang an etwas anderes gesagt? ● Mit welchen Menschen und Themen arbeitest du bewusst nicht? ● Wem könntest du einen Klienten guten Gewissens weiterempfehlen? |
Häufige Fragen zum Ego im Coaching
Ist ein Ego im Coaching grundsätzlich schlecht?
Das Ego gehört zu jedem Menschen und liefert Antrieb, Ehrgeiz und Freude an guter Arbeit. Hinderlich wird es erst, wenn es unbemerkt den Fokus vom Klienten auf den Coach verschiebt. Entscheidend ist, dass du deine Bedürfnisse kennst und bewusst mit ihnen umgehst.
Wie lange sollte ein Coaching dauern?
Eine feste Regel gibt es nicht, denn die Dauer hängt vom Anliegen ab. Aus meiner Erfahrung empfehle ich, die Arbeit an einer Zielsetzung nach spätestens einem Jahr abzuschließen. Danach steigt das Risiko, dass sich Coach und Klient in eingefahrenen Mustern bewegen. Ein neues Anliegen kann jederzeit zu einem neuen Auftrag werden.
Wie finde ich heraus, ob ich ein guter Coach sein kann?
Einen ersten Impuls gibt dir der kostenfreie Online-Test Kannst du ein guter Coach sein? auf hochix.com. Er zeigt dir, wo deine Stärken als Begleiter liegen. Gleichzeitig lädt er dich zur ehrlichen Selbstreflexion ein.
Fazit: Wer sein Ego kennt, coacht wirksamer
Das Ego des Coaches bleibt ein Leben lang an deiner Seite. Entscheidend ist, dass du es kennst, freundlich mit ihm umgehst und ihm das Steuer bewusst aus der Hand nimmst. Jeder der drei Kardinalfehler ist ein Hinweis darauf, wo dein Ego gerade Sicherheit, Anerkennung oder Kontrolle sucht.
Wenn du diese Hinweise ernst nimmst, wächst du als Coach und arbeitest gelassener, freier und mit mehr Freude. Deine Klienten spüren diesen Unterschied.
Das Wichtigste zum Mitnehmen Dein Ego ist ein Teil von dir und darf da sein. Wenn du seine Muster erkennst, gewinnst du die Freiheit, dich immer wieder bewusst für deinen Klienten zu entscheiden. Genau darin liegt die Stärke eines wirksamen Coaches. |
Wenn du spürst, dass du deine Haltung als Coach gründlich ausbilden möchtest, schau dir die HOCHiX Coaching-Ausbildung in Ruhe an. Dort lernst du, dein Ego bewusst wahrzunehmen und deine Klienten klar in den Mittelpunkt zu stellen. Alle Informationen zu Aufbau, Dauer und dem nächsten Ausbildungsstart findest du auf der Seite.
Ich hoffe, ich habe das Geschenk deiner Zeit verdient.
Herzlichst
Anne
Quellen
Fromm, E., 1976, Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, Deutsche Verlags-Anstalt
Graßmann, C., Schölmerich, F. & Schermuly, C. C., 2020, The relationship between working alliance and client outcomes in coaching: A meta-analysis, Human Relations, 73(1), 35-58
Rogers, C. R., 1951, Client-Centered Therapy, Houghton Mifflin
Schermuly, C. C., Schermuly-Haupt, M.-L., Schölmerich, F. & Rauterberg, H., 2014, Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie … Negative Effekte von Coaching, Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 58(1), 17-33
Coaching ist keine Kuschelveranstaltung. Und auch kein Upgrade fürs Ego, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/coaching-ist-keine-kuschelveranstaltung-und-auch-kein-upgrade-fuers-ego/
Erfolg durch Geben: Warum Geber ganz oben und ganz unten stehen, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/erfolg-im-leben-durch-geben/
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Warum Persönlichkeit im Coaching wirklich zählt, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/warum-persoenlichkeit-im-coaching-wirklich-zaehlt/
Kannst du ein guter Coach sein? Online-Test, HOCHiX Akademie, https://hochix.com/lp-online-test-guter-coach/
Anne Heintze
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