Kidlins Gesetz im Coaching: Warum die Problembeschreibung oft schon die Lösung ist

Kidlins Gesetz im Coaching:
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Wer als Coach auf Augenhöhe begleitet, sollte diesen Satz auswendig können: „If you write the problem down clearly, you’re halfway to solving it.“ Klingt harmlos. Ist aber Sprengstoff für alle, die glauben, sie müssten ihren Klienten sofort mit Ratschlägen retten. Kidlins Gesetz sagt: Die Lösung steckt schon in der Sprache des Problems. Und wer das erkennt, coacht tiefer, wirksamer und mit mehr Respekt vor dem inneren Wissen des Gegenübers. 

Kidlins Gesetz: Der Ursprung eines radikalen Coaching-Prinzips

Kidlins Gesetz stammt aus dem Bereich der Systemtheorie und der Kognitionswissenschaften. Paul Watzlawick, einflussreicher Kommunikationswissenschaftler, formulierte ähnlich: „Die Lösung ist oft das Problem.“ Der Ingenieur Larry Kidlin brachte es auf den Punkt: Klarheit über das Problem ist der halbe Weg zur Lösung.

Im Coaching heißt das: Nicht sofort intervenieren. Sondern zuerst verstehen. Und zwar nicht oberflächlich, sondern tiefenpsychologisch, narrativ, resonant. Wer gut zuhört, entdeckt im Erzählten bereits die Struktur der zukünftigen Veränderung.

Coachingprozesse: Warum Erzählen mehr bringt als Tools

Guter Coachingprozess? Der beginnt nicht mit einem Ziel, sondern mit einem echten Erzählen. Ein HOCHiX-Coach weiß: Wenn ein Klient seine Problematik umfassend schildert, geschieht bereits Transformation. Nicht, weil der Coach klüger ist. Sondern weil Erzählen Klarheit schafft.

In der Struktur des Problems liegt oft schon die Logik der Lösung. Das Gehirn des Klienten organisiert Informationen neu. Im Moment des Sprechens entstehen erste mentale Reframes. Nicht, weil der Coach etwas sagt, sondern weil er hinhört.

Narratives Coaching: Die Lösung erzählt sich selbst

Narratives Coaching setzt genau hier an. Der Coach führt nicht, er begleitet. Er fragt: „Was erzählen Sie sich selbst über dieses Problem?“ Und plötzlich merkt der Klient: Die Geschichte, die er sich selbst erzählt, ist veränderbar.

In diesem Moment geschieht Entwicklung. Denn Menschen hören sich selbst beim Denken zu. Sie korrigieren sich, entdecken blinde Flecken, stellen innere Narrative infrage. Und sie finden in der Sprache neue Wege.

Kidlins Gesetz und Selbstwirksamkeit: Die stille Revolution im Coaching

Wer das Problem klar benennen kann, übernimmt Verantwortung. Kidlins Gesetz fördert Selbstwirksamkeit. Es entlarvt die Illusion, dass Lösungen von außen kommen müssen. Gute Coaches wissen: Die beste Intervention ist oft das aufmerksame Fragen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Klientin sagt, sie sei permanent überfordert. Im Erzählen stellt sie fest: Es geht nicht um Überforderung, sondern um fehlende Grenzen. Das heißt: Nicht mehr To-Do-Listen, sondern ein neues Selbstbild ist gefragt. Diese Erkenntnis entsteht nicht durch Belehrung, sondern durch Raum. 

Coaching ist kein Reparaturbetrieb – sondern ein Resonanzraum

Kidlins Gesetz verwandelt Coaching von der Ratgeber-Show zur Dialogkunst.  Das ist angewandte Mäeutik. Der Coach ist kein Mechaniker. Er ist Resonanzraum. Spiegel. Sprachbegleiter. Wer klug coacht, vertraut dem Prozess. Und wer dem Prozess vertraut, erlebt: Probleme sind oft keine Hindernisse, sondern Wegweiser.

Die Aufgabe des Coaches? Nicht lösen. Sondern die Sprache für Lösung bereitstellen.

Fragen, die bleiben:

  • Was passiert, wenn du als Coach weniger tust und mehr zuhörst?
  • Wo erzählen deine Klienten die Lösung bereits mit – du hast sie nur noch nicht bemerkt?
  • Was wäre, wenn Coaching nicht Lösungsfindung, sondern Bedeutungsstiftung ist?

Ich hoffe, ich habe das Geschenk deiner Zeit verdient.

Sonnige Grüße
von Anne 

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