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Empathie: Die Stärke der Hochsensiblen

Empathie Die besondere Stärke der Hochsensiblen
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Du spürst, was andere fühlen, oft noch bevor sie es selbst bemerken. Du hörst zu, du tröstest, du nimmst Anteil und manchmal trägst du das Gefühlsgepäck deiner Mitmenschen ganz allein nach Hause. Genau diese Empathie ist eine deiner größten Stärken. In diesem Artikel erfährst du, warum hochsensible Menschen so empathisch sind, wo die Schattenseiten liegen und wie du dein Mitgefühl schützt, ohne dabei selbst auf der Strecke zu bleiben.

Manche Menschen betreten einen Raum und wissen sofort, wie die Stimmung ist. Sie merken, wenn eine Kollegin trotz Lächeln traurig ist, sie hören das Ungesagte zwischen den Zeilen und sie leiden mit, wenn ein Fremder im Fernsehen weint. Wenn du dich hier wiedererkennst, gehörst du vermutlich zu den besonders empathischen Menschen.

Hochsensible sind besonders

Hochsensible sind oft überdurchschnittlich einfühlsam. Sie können sich in die Empfindungen, Gedanken und Stimmungen anderer hineinversetzen, als hätten sie feine Antennen für das Innenleben ihrer Mitmenschen. Geht es jemandem schlecht, reagieren sie mit Mitgefühl, mit echtem Interesse und mit großer Hilfsbereitschaft. Leiden Menschen oder Tiere, werden sie traurig und aufgewühlt.

Diese Empathie ist die besondere Stärke der Hochsensiblen. Sie ist zugleich Geschenk und Herausforderung. Denn wer so viel fühlt, läuft auch Gefahr, sich im Leid anderer zu verlieren. In diesem Artikel schauen wir uns beide Seiten an und du erfährst, wie du dein Mitgefühl bewusst und gesund einsetzt.

Empathie als Geschenk der Hochsensiblen

Empathie bedeutet, die Gefühle eines anderen Menschen wahrzunehmen, sie nachzuempfinden und angemessen darauf zu reagieren. Für das soziale Zusammenleben ist diese Fähigkeit unbezahlbar. Nur wer einfühlsam ist, nimmt die feinen Signale seiner Mitmenschen überhaupt wahr. Weil sich der hochsensible Mensch in die Gefühle anderer hineinversetzen kann, entsteht eine echte Nähe und er reagiert verantwortungsvoll und hilfsbereit.

Durch ihre hohe emotionale Intelligenz sind Hochsensible wertvolle Mitglieder unserer Gemeinschaft. Sie haben ein besonderes Geschick darin, Streit zu schlichten und gut zuzuhören. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf Dinge, die anderen, weniger sensiblen Menschen längst entgangen sind. Was ihr Gegenüber gerade braucht, erkennen Empathen oft schon an der Körpersprache oder an einem kurzen Blick.

Empathische Menschen geben ihren Mitmenschen das Gefühl, wirklich verstanden und angenommen zu sein. Kein Wunder, dass man sie häufig in helfenden Berufen findet, etwa als Therapeutinnen, Ärzte, Heilpraktiker, Pflegekräfte oder Rettungssanitäter. Menschen und Tiere, die besonders schutzbedürftig sind, fühlen sich in ihrer Nähe geborgen. Besonders ausgeprägt ist diese Gabe übrigens bei Synästhetikern, die Sinneseindrücke auf außergewöhnliche Weise miteinander verknüpfen.

Die Schattenseite: Wenn Empathie zur Last wird

So wertvoll Empathie ist, sie hat auch eine Kehrseite. Hochsensible neigen dazu, sich ganz auf die Bedürfnisse und das Leid anderer zu konzentrieren. Die eigenen Bedürfnisse geraten dabei leicht aus dem Blick und bei einem Zuviel an Mitgefühl verschwimmen die Grenzen zwischen dem Leid der anderen und dem, was du selbst gerade brauchst.

Hier ist Achtsamkeit gefragt, damit du als helfender Mensch Grenzen setzt und dich nicht völlig verausgabst. Meist sendet der Körper rechtzeitig Warnsignale. Er reagiert mit Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Erschöpfung oder gedrückter Stimmung auf die andauernde Überforderung. Im schlimmsten Fall mündet diese Selbstaufgabe in einen Burnout. Gerade Menschen in helfenden Berufen sind dafür besonders anfällig.

Wenn aus Hilfsbereitschaft ein Helfersyndrom wird

Oft sind empathische Menschen auch deshalb so hilfsbereit, weil sie Konflikten aus dem Weg gehen möchten. Aus Angst, andere zu verletzen, stellen sie die eigenen Wünsche zurück. So kann ein Helfersyndrom entstehen, das dich zum dauerhaften Kummerkasten für all jene macht, denen du einmal geholfen hast. Wichtig ist es, dieses Muster zu erkennen und freundlich, aber klar Grenzen zu setzen, damit deine eigene Gesundheit nicht auf der Strecke bleibt.

Kleiner Selbstcheck: Achtest du genug auf dich?

•     Fällt es mir schwer, Nein zu sagen, obwohl ich erschöpft bin?

•     Mache ich genügend Pausen oder funktioniere ich nur noch?

•     Lasse ich mich von anderen ausnutzen, weil ich nicht enttäuschen will?

•     Wo genau verlaufen eigentlich meine Grenzen?

•     Welche Aufgabe könnte ich abgeben oder delegieren?

Hochempathie: Wenn alles ungefiltert ankommt

Es gibt Menschen, deren Empathie noch einmal stärker ausgeprägt ist. Sie werden Vollempathen oder hochempathische Menschen genannt. Nachrichten über Unfälle, Krieg oder Naturkatastrophen können sie schwer belasten, weil sie das Leid so intensiv miterleben, als wären sie selbst am Unglücksort. Viele meiden Nachrichten deshalb fast vollständig, um sich zu schützen.

Hochempathische Menschen verfügen über eine Art sechsten Sinn. Sie nehmen feinste Nuancen wahr und fühlen sich mit allem, was lebt, eng verbunden. Den körperlichen Schmerz anderer spüren sie mitunter im eigenen Körper. Menschenansammlungen bedeuten für sie eine extreme Reizüberflutung, die sie kaum aushalten und auf die sie mit Erschöpfung reagieren. Nicht selten meldet sich auch das vegetative Nervensystem mit Krämpfen oder Schmerzen.

Diese starke Empathie ist keine Krankheit, sondern eine Gabe. Sie will nur gut gehütet werden. Wer so viel aufnimmt, braucht bewusste Schutzräume und klare Routinen, um in der eigenen Mitte zu bleiben.

Wie du deine Empathie schützt

Die gute Nachricht: Du musst dein Mitgefühl nicht abschalten, um dich zu schützen. Du darfst lernen, achtsam mit deinen Kräften umzugehen. Empathie und Selbstfürsorge sind keine Gegensätze. Sie gehören zusammen. Erst wenn du gut für dich sorgst, kannst du dauerhaft für andere da sein, ohne auszubrennen.

Hilfreich ist es, den eigenen Nachrichten- und Medienkonsum bewusst zu begrenzen und nicht zu viel Zeit in sozialen Netzwerken zu verbringen. Plane regelmäßige Pausen ein, geh viel in die Natur und umgib dich mit Menschen, die dir guttun. Lerne, deine Empathie wie einen Scheinwerfer zu lenken, den du gezielt einsetzt, statt ihn pausenlos brennen zu lassen.

Ein einfacher Satz kann dir dabei helfen. Frage dich immer wieder: Ist dieses Gefühl gerade wirklich meins? Oft übernehmen Hochsensible die Stimmungen anderer so selbstverständlich, dass sie den Unterschied gar nicht mehr bemerken. Schon das bewusste Nachfragen schafft einen kleinen Abstand und gibt dir ein Stück innere Freiheit zurück. Mit etwas Übung wirst du merken, dass du fühlen und zugleich bei dir bleiben kannst.

Vier Anker für hochempathische Menschen

•     Grenzen setzen: Ein freundliches Nein schützt deine Energie und ist kein Egoismus.

•     Reize dosieren: Weniger Nachrichten, weniger Trubel, mehr Stille und Natur.

•     Auftanken: Plane feste Rückzugszeiten ein, in denen niemand etwas von dir braucht.

•     Unterscheiden lernen: Frage dich öfter, ob ein Gefühl wirklich deins ist oder ob du es von jemand anderem übernommen hast.

Was hinter dem Weltschmerz der Hochsensiblen steckt

Wir leben in einer Arbeitswelt, in der Effizienz oft das höchste Gut zu sein scheint. Umsatzoptimierung, Gewinnmaximierung und immer mehr Leistung gelten als Maßstab für Erfolg. Gleichzeitig werden wir täglich von einer Flut an Bildern und Nachrichten über schreckliche Ereignisse überrollt. Bei weniger sensiblen Menschen führt das oft zu einer Abstumpfung der Gefühle und zu abnehmender Empathie.

Bei Hochsensiblen ist das Gegenteil der Fall. Sie fühlen sich ohnmächtig, traurig und wütend, wenn der Profit über die echten Bedürfnisse von Mensch, Tier und Natur gestellt wird. Diesen Schmerz nennt man Weltschmerz und er ist kein Zeichen von Schwäche. Er ist Ausdruck eines wachen Herzens, das sich weigert, gleichgültig zu werden.

Für viele Hochsensible haben Menschen, die diesen Weltschmerz gar nicht kennen, ein kaltes Herz. Genau dieses kalte Herz ist eine der großen Krankheiten unserer Zeit. Unsere Gesellschaft braucht deshalb dringend die Hochsensiblen. Sie rütteln uns wach und bringen uns immer wieder auf einen menschlicheren Kurs.

Deine Empathie ist ein Geschenk, kein Makel

Vielleicht hast du dir lange gewünscht, weniger zu fühlen. Vielleicht hast du dich gefragt, warum dich Dinge so sehr berühren, die andere kalt lassen. In der HOCHiX-Akademie begleiten wir viele Menschen, die genau das jahrelang an sich selbst hinterfragt haben. Die Wahrheit ist: Mit dir ist alles in Ordnung. Deine Empathie gehört zu den schönsten und wertvollsten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann.

Du darfst dein Mitgefühl als das sehen, was es ist: eine Stärke, die der Welt guttut. Wenn du gleichzeitig lernst, deine Grenzen zu wahren und gut für dich zu sorgen, wird aus einer Belastung eine echte Lebenskraft. Dann hilfst du anderen und dir selbst zugleich.

Empathie ist deine Stärke, nicht deine Schwäche. Schütze sie, indem du Grenzen setzt, Reize dosierst und so gut für dich sorgst, wie du es für andere längst tust. Erst dann kann dein Mitgefühl frei wirken, ohne dich zu erschöpfen.

Du möchtest verstehen, wie du deine Empathie bewusst und gesund einsetzt? In den Neuro Coaching Workshops der HOCHiX-Akademie geht es genau um Fragen wie diese, zum Beispiel darum, warum zu viel ungefilterte Empathie sogar schaden kann und wie du sie für dich und andere stärkend nutzt. Alle Themen und die Anmeldung findest du unter hochix.com/neuro-coaching.

Ich hoffe, ich habe das Geschenk deiner Zeit verdient.

Herzlichst
Anne

PS: Im Buch „Die Gabe der Empathen“ haben Harald und ich ausführlich über die unterschiedlichen Formen der Empathie, ihre Auswirkungen, ihre Gefahren und ihre Stärken geschrieben.

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