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Emotionale Resonanz und Co-Regulation im HOCHiX Coaching

Emotionale Resonanz und Co-Regulation Wenn du fühlst, was andere fühlen
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Du betrittst einen Raum und spürst sofort, wie die Stimmung ist. Die Anspannung eines Streits hängt noch in der Luft, obwohl niemand ein Wort sagt. Für viele hochsensible Menschen und hochbegabte Autisten ist diese Wahrnehmung Alltag. In diesem Artikel erfährst du, was hinter emotionaler Resonanz und Co-Regulation steckt, was dabei in deinem Nervensystem geschieht und wie du diese Fähigkeit bewusst einsetzt, ohne dich darin zu verlieren.

Kennst du dieses Gefühl? Du kommst zu einer Verabredung und noch bevor dein Gegenüber den Mund aufmacht, weißt du: Irgendetwas stimmt nicht. Vielleicht ist es der angespannte Kiefer, der flache Atem oder eine winzige Veränderung im Tonfall.

Manchmal ist es auch die Freude, die in einem Raum liegt, obwohl niemand sie ausgesprochen hat. Diese Art von intuitiver Wahrnehmung ist für viele hochsensible Menschen und für hochbegabte Autisten im Schweregrad 1 eine alltägliche Erfahrung.

Doch warum ist das so? Welche Mechanismen stecken dahinter? Und was kannst du tun, wenn dich die Gefühle anderer zu überfluten drohen? Lass uns gemeinsam eintauchen in die Welt der emotionalen Resonanz und Co-Regulation.

Emotionale Resonanz: die feine Kunst des Mitschwingens

Emotionale Resonanz beschreibt die Fähigkeit, die Gefühle anderer Menschen wahrzunehmen und innerlich darauf zu reagieren. Hochsensible Menschen haben oft ein hochentwickeltes Gespür für emotionale Schwingungen. Sie hören zwischen den Zeilen und spüren auch das, was nicht ausgesprochen wird.

Diese Resonanz kann so stark sein, dass sie die Gefühle der anderen wie ihre eigenen erleben. Hochsensible sind oft regelrechte Detektoren für die unbewussten Signale ihrer Mitmenschen. Ein zusammengepresster Mund, eine veränderte Körperhaltung, ein Zögern in der Stimme: All das registrieren sie, häufig ohne es bewusst zu bemerken.

Wie hochbegabte Autisten Gefühle wahrnehmen

Hochbegabte Autisten werden oft als weniger empathisch eingeschätzt. Das ist ein Irrtum, denn sie erleben emotionale Resonanz auf eine andere, oft ebenso intensive Weise. Viele nehmen Gefühle eher körperlich oder sensorisch wahr. Ein Unbehagen im Raum fühlt sich wie ein Gewicht auf der Brust an, die Freude eines anderen wie ein warmes Leuchten.

Beide Gruppen haben eines gemeinsam: Sie registrieren die feinen Signale ihrer Mitmenschen mit großer Genauigkeit. Der Unterschied liegt nicht im Ob, sondern im Wie der Wahrnehmung. Während Hochsensible das Erlebte meist sofort als Gefühl einordnen können, brauchen viele Autisten einen Moment, um die körperliche Empfindung zu übersetzen. An der Intensität ändert das nichts.

Was dabei in deinem Nervensystem geschieht

Hinter dieser Fähigkeit stecken keine übersinnlichen Kräfte, sondern messbare neurobiologische Prozesse. Dein Gehirn verfügt über ein Netzwerk von Spiegelneuronen. Diese Nervenzellen feuern nicht nur, wenn du selbst etwas tust oder fühlst, sondern auch, wenn du es bei anderen beobachtest. Sie bilden die biologische Grundlage des Mitfühlens.

Eine Studie von Bianca Acevedo und ihrem Team aus dem Jahr 2014 zeigt: Bei hochsensiblen Menschen reagieren genau diese Hirnregionen besonders stark auf emotionale Gesichtsausdrücke, zusammen mit der Inselrinde, die innere Körperempfindungen verarbeitet. Dein Gehirn schwingt also tatsächlich messbar stärker mit als das anderer Menschen.

Dazu kommt ein zweiter Mechanismus, den der Neurowissenschaftler Stephen Porges Neurozeption nennt. Dein autonomes Nervensystem scannt permanent und unterhalb deiner bewussten Wahrnehmung, ob eine Situation sicher oder bedrohlich ist. Bei neurodivergenten Menschen arbeitet dieses Frühwarnsystem oft besonders fein eingestellt. Genau deshalb weißt du manchmal schon beim Betreten eines Raumes, was hier eben los war.

Co-Regulation: ein Tanz zweier Nervensysteme

Co-Regulation ist das unbewusste Wechselspiel von Emotionen zwischen zwei oder mehr Menschen. Wenn du mit jemandem sprichst, der sehr ruhig ist, wirst du oft selbst ruhiger. Umgekehrt kann dich die Anspannung eines anderen regelrecht anstecken. Die Urform dieses Tanzes kennst du aus der frühen Kindheit: Ein Baby beruhigt sich am Herzschlag und an der Stimme seiner Bezugsperson, lange bevor es sich selbst regulieren kann.

Hochsensible sind oft wie emotionale Schwämme. Sie nehmen die Gefühle der anderen in sich auf, manchmal bis zur Erschöpfung. Co-Regulation wird hier zum Balanceakt, denn sie regulieren nicht nur ihre eigenen Gefühle, sondern auch die der anderen, bewusst oder unbewusst.

Hochbegabte Autisten erleben Co-Regulation auf eine Art, die von ihrer besonderen Wahrnehmung gefärbt ist. Für manche ist es schwierig, sich abzugrenzen, weil die Intensität der Emotionen überwältigend sein kann. Andere nutzen Routinen oder sensorische Strategien, um sich selbst zu stabilisieren und darüber eine eigene Form der Co-Regulation zu erreichen.

Wenn das Mitschwingen zu viel wird

So faszinierend diese Fähigkeiten sind, sie bringen auch Herausforderungen mit sich. Hochsensible und hochbegabte Autisten sind oft wie offene Kanäle, durch die Gefühle ungehindert fließen. Das kann zur Überforderung führen, besonders in stressigen oder konfliktreichen Umfeldern.

Drei Muster zeigen sich dabei immer wieder. Bei der emotionalen Übernahme nimmst du die Gefühle anderer so stark wahr, dass du sie mit deinen eigenen verwechselst. In emotional aufgeladenen Umgebungen gerät dein Nervensystem in eine Reizüberflutung und schaltet irgendwann auf Notbetrieb. Und schließlich fällt es dir womöglich schwer, dich abzugrenzen und klar zu erkennen, welche Gefühle überhaupt deine eigenen sind.

Frage dich in solchen Momenten

●      War dieses Gefühl schon da, bevor ich den Raum betreten habe?

●      Wo spüre ich es in meinem Körper und kenne ich diese Empfindung von mir selbst?

●      Verändert sich das Gefühl, wenn ich ein paar Schritte Abstand nehme oder kurz vor die Tür gehe?

●      Wem könnte dieses Gefühl gehören, wenn es nicht meins wäre?

Fünf Strategien für deinen Alltag

Zum Glück gibt es Wege, mit diesen Herausforderungen umzugehen, ohne die Stärken der emotionalen Resonanz zu verlieren. Die folgenden fünf Ansätze haben sich in meiner langjährigen Begleitung neurodivergenter Menschen bewährt.

Deine Werkzeuge gegen die Gefühlsflut

●      Selbstreflexion: Lerne, zwischen deinen eigenen Gefühlen und denen anderer zu unterscheiden. Journaling oder Achtsamkeitsübungen schaffen Klarheit.

●      Energie-Management: Nimm dir bewusst Zeit für dich selbst, um dich zu regenerieren. Natur, Meditation oder kreative Tätigkeiten sind dabei besonders wirksam.

●      Abgrenzung: Visualisiere eine schützende Hülle um dich, die nur das durchlässt, was dir guttut.

●      Kommunikation: Sprich offen über deine Wahrnehmung und setze klare Grenzen, wenn du dich emotional überfordert fühlst.

●      Unterstützung: Tausche dich mit anderen Hochsensiblen oder hochbegabten Autisten aus, um voneinander zu lernen und dich verstanden zu fühlen.

Mir persönlich hat das Visualisieren am allermeisten geholfen. Durch viel Übung kann ich mir diese Schutzhülle heute innerhalb von Sekundenbruchteilen anlegen und ebenso schnell wieder ablegen, ganz so, wie ich es gerade brauche.

Wie ein HOCHiX-ausgebildeter Coach damit arbeitet

In der Coachingpraxis sind emotionale Resonanz und Co-Regulation wertvolle Werkzeuge, sofern sie bewusst und zielgerichtet eingesetzt werden. Coaches, die in der HOCHiX-Akademie ausgebildet wurden, lernen deshalb zuerst, die eigene Resonanz genau zu kennen. Nur wer die eigenen Schwingungen versteht, lässt sich nicht von den Gefühlen der Klienten mitreißen und kann einen sicheren, stabilen Rahmen schaffen.

Auf dieser Grundlage wird die besondere Gabe zum Instrument. Das feine Gehör für Zwischentöne und unausgesprochene Gefühle erlaubt Gespräche von seltener Genauigkeit. Der Coach wird dabei selbst zum Anker: Über eine ruhige Präsenz, einen gleichmäßigen Atem, eine klare Stimme und stimmige Körpersprache unterstützt er das Nervensystem des Klienten dabei, sich zu beruhigen. Genau das ist Co-Regulation in ihrer professionellen Form.

Dazu gehört auch, Klienten für ihre eigenen Resonanzmechanismen zu sensibilisieren. Wer versteht, warum er die Gefühle anderer so stark aufnimmt, kann Strategien entwickeln, um Überforderung zu vermeiden. So wird aus einer Quelle der Erschöpfung eine wertvolle Ressource, im Beruf ebenso wie in Beziehungen.

Das sagt die Wissenschaft

Eine bemerkenswerte Untersuchung ist die Arbeit von Silkenbeumer und Kollegen aus dem Jahr 2016, die die Rolle der Co-Regulation für die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen beleuchtet. Die Studie betont, wie wichtig wechselseitige emotionale Unterstützung in Beziehungen für die Förderung sozialer und emotionaler Fähigkeiten ist. Zusammen mit den Befunden von Acevedo zur besonderen Aktivität des hochsensiblen Gehirns zeigt sich: Was du erlebst, ist real, messbar und gut erforscht.

Die Gabe der Empathie als Geschenk

Emotionale Resonanz und Co-Regulation sind keine Schwächen, sondern Gaben. Sie machen hochsensible Menschen und hochbegabte Autisten zu einfühlsamen Begleitern, gründlichen Denkern und einzigartigen Individuen.

Die Kunst besteht darin, diese Fähigkeiten bewusst einzusetzen und dich selbst dabei nicht zu verlieren. Denn erst wenn du gut für dich sorgst, kannst du das Beste aus deiner Gabe machen, für dich und für andere.

Deine feine Wahrnehmung für die Gefühle anderer ist kein Makel, sondern ein Talent mit messbarer neurobiologischer Grundlage. Du darfst lernen, zwischen eigenen und fremden Gefühlen zu unterscheiden, deine Energie zu schützen und deine Resonanzfähigkeit gezielt einzusetzen. So wird aus dem, was dich manchmal überflutet, eine verlässliche Quelle von Verbindung und Stärke: Ich spüre, was andere fühlen. Und ich entscheide, was davon zu mir gehört.

Eine Anleitung für dich

Du suchst nach einem Anleitung, deine Emotionen besser regulieren zu können? Genau dafür habe ich „Neurovaya“ entwickelt. 

Neurovaya ist ein Selbstlernkurs zur körperbasierten Regulation, von Grund auf speziell für neurodivergente Nervensysteme konzipiert, wirksam bei Hochsensibilität, Vielbegabung, Autismus oder ADHS.

Du lernst sechs verschiedene Zugänge zu deinem Nervensystem kennen und findest heraus, welcher davon wirklich deiner ist und dir am schnellsten hilft, wenn du SOS-Hilfe brauchst.

Jeder Zugang kommt mit einer Audio-Anleitung zum Mitmachen, dazu dein persönliches Kurs-Journal und SOS-Notfallmittel und das alles bleibt dauerhaft für dich verfügbar, in deinem eigenen Tempo.

Neuro-Vaya habe ich den Kurs genannt, weil wir auf den Kanarischen Inseln leben und vaya auf Spanisch dieser kleine Ausruf ist, wenn einem etwas aufgeht, so ein inneres „Na sowas!“ oder „Sieh mal einer an!“.

Für dich gibt es den Kurs noch zum Sonderpreis. Weil du mir deine Zeit geschenkt hast. Hier findest du die Informationen: https://hochix-akademie.com/s/hochix/Neurovaya 

Herzlichst
Anne

 

Quellen

Silkenbeumer, J., Schiller, E.-M., Holodynski, M. und Kärtner, J., 2016, The Role of Co-Regulation for the Development of Social-Emotional Competence, Journal of Self-Regulation and Regulation, Vol. 2.

Acevedo, B. P., Aron, E. N., Aron, A. et al., 2014, The highly sensitive brain: an fMRI study of sensory processing sensitivity and response to others‘ emotions, Brain and Behavior, 4(4), S. 580 bis 594.

Porges, S. W., 2010, Die Polyvagal-Theorie: Neurophysiologische Grundlagen der Therapie, Junfermann Verlag, Paderborn.

Rizzolatti, G. und Sinigaglia, C., 2008, Empathie und Spiegelneurone: Die biologische Basis des Mitgefühls, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.

 

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