Schein-heilige Spiritualität: Aus Tiruvanamalai

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Mal ehrlich, was hat man davon, spirituell zu sein? Gibt es einen Vorteil davon und wenn ja, in welchem Bereich?

Auf beruflicher Ebene wohl am wenigsten. Man stelle sich den spirituellen Manager vor, wie er beim Businessdinner sein Essen segnet. Oder die Steuerberaterin, die mit dem Kunden erst einmal ein Gebet spricht oder ein Mantra chantet.

Nein, Spiritualität und business, forget it!

Auch wenn du es lieber Religiosität nennst, bitte, dein freier Wille geschehe, in Kombination mit dem Geschäftsleben wirst du keinen Gewinn davon haben.

Ach, du willst gar keinen Gewinn?

Das glaube ich nicht. Jegliches Handeln von uns Menschen ist darauf ausgerichtet, Gewinn zu erzielen oder Verlust zu vermeiden. Gewinn kann dabei alles Mögliche sein.

Wir verhalten uns zum Beispiel so, dass wir Respekt, Lob, Anerkennung oder Liebe bekommen. Oder wir wechseln den Job, weil wir dann einen kürzeren Arbeitsweg haben. Wir leben bei den Eltern, um Geld zu sparen oder bleiben bei unserem Partner aus Gründen der Sicherheit.

Manchmal ist der Gewinn offensichtlich, meist jedoch verbirgt er sich unter Schichten von vorgetäuschten Absichten, Selbstbetrug oder eben Scheinheiligkeit.

Was den Verlust betrifft, den wir vermeiden wollen, so ist damit jegliche Art von Nachteil gemeint, von kleinstem Unwohlsein bis hin zu großem Leid.

Schmerz und Nachteile wollen wir nicht haben, genauso wenig wie Missachtung, Respektlosigkeit und Ablehnung.

Auch hier gilt: Wir verhalten uns in der Regel unbewusst so, dass wir möglichst wenig von all dem unangenehmen Zeug erdulden müssen.

Zurück zur Spiritualität: Im Business ist sie nicht zu gebrauchen, wie sieht es im Privatbereich aus?

Nun, hat man einen spirituellen Partner, so kann man sich hier gut unterstützen. Ein großer Vorteil ist das zwar nicht, anstatt von allein spirituell zu sein, ist man es jetzt zu zweit.

Was Freunde betrifft, gilt: Nur wenn ihr genau die gleichen spirituellen Ansichten habt, bleibt ihr auch Freunde. Spiritualität schränkt das soziale Umfeld erheblich ein.

Was hat man davon für sich allein, spirituell zu sein? Frieden, Freude, Ei… nheit?

Ja, eventuell. Man darf es bloß niemanden wissen lassen, denn dann ist bald Schluss mit dem tiefen Frieden, der stillen Freude und dem Einssein.

Hier und heute, im Westen im 21. Jahrhundert gibt es nur eine Art von Ort, wo man Spiritualität halbwegs leben kann, und das sind Plätze wie Kloster, Ashrams, spirituelle Gemeinschaften oder ähnliche Rückzugsorte.

Wobei die Betonung auf halbwegs liegt. Nachdem ich vier Jahre Erfahrung an solchen Orten gesammelt habe, weiß ich ein Lied davon zu singen.

Denn auch an diesen Orten gilt: Passt die spirituelle Haltung nicht genau zur Norm der Gemeinschaft, gelten die gleichen rauen Gesetzte wie in der Welt draußen – man wir gemobbt, isoliert oder rausgeworfen.

Wohin also mit der wahren Spiritualität?

Sich einfach kreuzbeinig in Berlin Kreuzberg unter eine Linde setzen? Oder an in eine Höhle?

Wahre Spiritualität fordert genau das, denn es gibt nichts mehr zu tun im Zustand des absoluten Hochbewusstseins, des süßen Samadhis, dem makellosen Moksha, dem einzig Einen.

Wahre Spiritualität ist das Ende jeglicher Abhängigkeit.

In diesem Zustand ist niemand mehr da, der Gewinn anstrebt oder Leid vermeiden möchte.

Wenn etwas schmerzt, schmerzt es: Kein Grund zu leiden. Wenn einem jemand 100.000 Euro gibt, hat man 100.000 Euro: Kein Grund auszuflippen. Alles ist gleich-gültig. Gut oder schlecht, richtig oder falsch, – das hat seine Macht verloren.

Es ist niemand mehr da, der es bewertet. Wahre Spiritualität bringt mit sich, dass der Suchende verschwunden ist und niemand an seine Stelle tritt. Doch wer will das schon?!

Ich bin gerade in Tiruvanamalai, einem der spirituellsten Orte Indiens, wenn nicht der Welt.

Nicht der religiösesten Orte wohlgemerkt, denn hier herrscht der Spirit des Vedanta, der Non-Dualität. Diese wurde in die moderne Welt gebracht durch Sri Ramana Maharshi, der er so gut wie nichts sprach und so gut wie nichts tat. Dennoch verbreitet sich Vedanta durch die Schüler, seiner Nachfolger, die sehr viel in sehr vielen Sprachen sprechen und alles Mögliche tun.

Ist schon komisch….

Hier im Ashram von Ramana Maharshi und in ganz Turivanamalai blicken aus unzähligen Bilderrahmen viele mehr oder weniger bekannte, mehr oder weniger spirituelle Größen der letzten einhundert Jahre auf die Suchenden herab.

An den Tischen rundherum wird viel über Ramanas Lehre gesprochen. Diese ist im Lauf der Zeit ganz schön umfangreich geworden, obwohl er doch eigentlich fast nichts gesprochen hat, sondern nur die Aufgabe stelle, sich zu fragen „wer man ist“ (who am I).

Jeder scheint sich auszukennen. Weise Sätze aus weisen Büchern werden freizügig weitergegeben. Nix da mit Lehrer-Schüler-Verhältnis, Hingabe, Loslassen, Vertrauen. Vieles aus zweiter Hand. Angelesen. Mit dem Verstand analysiert, – aber verstanden?

Tja bei so viel Spiritualität beschließe ich lieber unspirituell zu wirken und mich nicht einzumischen, ist ja nichts zu gewinnen mit der Wahrheit.

Nach 25 Jahren im Hochbewusstsein hat sich mein Blick darauf, wie viele Menschen Spiritualität leben, sehr verändert. Ist es nicht für viele eine weitere Freizeitbeschäftigung und Ablenkung vom Wesentlichen geworden? 

Namasté,
Harald

PS:
Wenn du mehr über das Hochbewusstsein erfahren willst:

Hochbewusstsein BUCH Harald Heintzee

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